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Mannheimer Darleihkasse

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Das Gebäude der Darleihkasse in B 2, Foto: S. Parzer
Auf der Tafel "Blühen der Wirtschaft" sind mehrere Persönlichkeiten der Mannheimer Wirtschaft dargestellt , Foto: S. Parzer
Der Eingang , Foto: S. Parzer
Fenster im Obergeschoss, Foto: S. Parzer
Werbeanzeige aus den 1950er Jahren, Foto: S. Parzer
Ausschnitt aus der Fassade, Foto: S. Parzer
Ein Fenster im Erdgeschoss, Foto: S. Parzer
Geländerdetail im Inneren des Hauses. Foto: B.Ritter
Schmuckpodest im Inneren des Hauses. Foto: B.Ritter
Treppenhaus im Inneren des Hauses. Foto: B.Ritter
Frieß: die Ankunft der Wallonischen Flüchtlinge, Foto: B.Ritter

Als im 19. Jahrhundert in Mannheim eine Reihe von Banken gegründet wurden, zogen diese anfänglich häufig in ehemalige Adelspalais ein. Diese Gebäude verfügten über ausreichend Räume und besaßen zudem ein repräsentatives Äußeres. So kamen das Bankhaus "Köster & Co" im Palais Löwenthal gegenüber dem Mannheimer Schloss, die "Badische Bank" im Palais Scherer an den Planken und die "Rheinische Creditbank" im Palais Zweibrücken neben dem alten Nationaltheater unter. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ließen sich dann einige Geldinstitute Firmensitze im damals populären Neorenaissancestil erstellen. Mit dem Gebäude der "Darleihkasse" hat sich in B 2 in besonders markantes Exemplar erhalten.

Nutzung (ursprünglich): 

Bankgebäude

Nutzung (derzeit): 

Institutsgebäude

Geschichte: 

Die Mannheimer Darleihkasse wurde 1846 unter dem Namen Handwerkerbank gegründet. Die Aktiengesellschaft, deren Aktionäre in den ersten Jahren auf die Ausschüttung einer Dividende verzichteten, war die zweite Sparanstalt Mannheims nach der 1822 gegründeten Städtischen Sparkasse. Anfänglich wurden jedem handwerktreibenden Mannheimer Bürger bei Stellung eines Bürgen Darlehen bis zur Höhe von 50 Gulden gewährt. Schon im ersten Geschäftsjahr wurde die Summe auf 200 Gulden erhöht. Als zunehmend auch andere Berufsgruppen nach Krediten verlangten, überarbeiete man 1856 die Satuten und änderte den Namen in Darleihkasse um. Die Bank wurde zum Vorbild für ähnliche Geldinstitute in anderen badischen Städten.

1876 erwarb die Darleihkasse das Anwesen B 2, 1. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entschloss sich die Bank zu einem Neubau, der 1907 eingeweiht werden konnte. Da die Stadt Mannheim in diesem Jahr ihr 300-jähriges Bestehen feierte, wurden Szenen aus der Stadtgeschichte an der Fassade angebracht.  

1923 wurde die Darleihkasse von Thomas Fasshold übernommen, der die Bankgeschäfte unter dem Namen "Th. Fasshold & Co" weiterführte. Obwohl die Fasshold-Bank 1962 eine Zweigstelle am Strohmarkt (O 4, 13-16) eröffnete, geriet das Geldinstitut 1968 in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Ein Jahr später musste man Konkurs anmelden. Anschließend wurde das ehemalige Bankgebäude unterschiedlich genutzt. Heute hat darin das Leibnitz-Institut für Sozialwissenschaften seinen Sitz.

Erbauer: 
Mannheimer Darleihkasse
Architekt: 
Georg Anton Karch
Bauzeit / Umbauten: 
1906/07
Baubestand: 

Der Neubau der Darleihkasse wurden in den Jahren 1906/07 nach Plänen von Georg Anton Karch (1856-1937) erstellt, der im Kaiserreich zu den führenden Mannheimer Architekten zählte. Er entwarf eine Reihe von Geschäftshäusern wie die Börse und das Parkhotel und baute auch das Bankhaus "W. H. Ladenburg & Söhne" und die "Oberrheinische Bank" um.

Die Darleihkasse erhielt ein reich verzierte Sandsteinfassade im Stil der Neorenaisssance. Unter den Fenstern des ersten Obergeschosses wurden Porträts der pfälzischen Kurfürsten und der badischen Großherzöge angebracht. Auf der Südseite finden sich Büsten von Kurfürst Carl Theodor und Großherzog Friedrich I. Auf Höhe des zweiten Obergeschosses umgibt das Gebäude ein von den Bildhauern Christian Elsässer (Mannheim) und Wilhelm Kollmar (Karlsruhe) geschaffener Fries, der in sechs Tafeln Szenen aus der Mannheimer Stadtgeschichte zeigt. Diese stellen folgende Ereignisse dar: Die Grundsteinlegung der Festung, die Ankunft der Wallonen, der Bau des Kaufhauses, die Vollendung der Büste Carl Theodors durch den Bildhauer Peter Anton Verschaffelt, die Einweihung des Rheinhafens und das Blühen der Wirtschaft. Besonders interessant ist die letzte Tafel, auf der in der rechten Bildhälfte Kommerzienrat Carl Joerger, der Schlosser Georg Bracher, der Fabrikant Heinrich Lanz, der frühere Mannheimer Oberbürgermeister Eduard Moll und davorsitzend der Direktor der Mannheimer Dampfschleppschiffahrts-Gesellschaft Johannes Kessler abgebildet sind.

Im Inneren zeigt das Haus im Erdgeschoss die für Bankgebäude typische Einteilung. Dort befanden sich Schalter-, Kassen- und Tresoraum sowie Räume für die Geschäftsführung. In den beiden Obergeschosse waren Wohnungen für die Direktion untergebracht.

Schäden: 

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt. Dabei gingen das Mansardendach und der südliche Dachgiebel verloren.

Quellen: 
  • Badisches Centralblatt für Staats- und Gemeinde-Interessen 1857, Nr. 27 vom 4. Juli 1857, S. 209-211.
  • Ph.(ilipp) Bauer, Die Aktienunternehmungen in Baden - Ein Beitrag zur Kenntnis der großindustriellen und Verkehrs-Einrichtungen des Landes, Karlsruhe 1903, S. 167f.
  • Verwaltungs- und Rechenschaftsbericht der Badischen Hauptstadt Mannheim für das Jahr 1907, S. 251.
  • Andreas Schenk, Architekturführer Mannheim, Mannheim 1999, S. 24.
Autor/in: 
Sebastian Parzer