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Ölmühle Bunge - Verein Deutscher Ölfabriken Mannheim (VDO)

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Alte Silogebäude
Gründungsurkunde VDO 1887 - linke Seite
Förderbänder
Altes Kesselhaus(nicht mehr vorhanden)  und Silo
Altes Firmenlogo VDOM (Verein deutscher Oelfabriken Mannheim)(nicht mehr vorhanden)
Nachbarmühlen
Förderbrücke von Presserei zu Extraktion (nicht mehr vorhanden)
Silogebäude am Wasser
Altes Kopfsteinpflaster auf dem Werksgelände
ÖL-, Wasser- und Dampfleitungen vor Remise und Verwaltungsgebäude
Historische Schwenkfenster (nicht mehr vorhanden)
Nachts - von der Kammerschleuse aus
Biospritanlage nachts
 Rhenania Speicherhaus mit Verbindung zur Ölmühle
Gründungsurkunde VDO 1887 - rechte Seite
Zeitgenössische Postkarte Ende 1920
Winterlicher Bonadieshafen (Backsteingebäude nicht mehr vorhanden)

Die Ölmühle - gegründet Ende des 19. Jahrhunderts – steht nahe der Kammerschleuse am Bonadieshafen.“Die VDO“ wie alte Mannheimer den „Verein deutscher Oelfabriken“ nennen,  besteht neben wenigen historischen Gebäuden der Gründerjahre überwiegend aus neuen, hochmodernen Anlagen und Silos. In den letzten Jahren mussten wegen eines Großbrandes viele historische Gebäude (Maschinenhaus, Schlot und Presse) abgerissen und durch neue Anlagen und Gebäude ersetzt werden.

Ähnlich spielte es sich auch schon Ende der 1920er Jahre ab, als das alte Lagerhaus von einem Großbrand völlig zerstört wurde und 1928 als kubischer Backsteinbau mit sichtbaren Betonsilos am westlichen Seitenbecken des Hafens gebaut. Insgesamt sind es 40 Siloszellen, vier Reihen zu je zehn. Diese Anlage gilt nicht nur als bedeutendes Zeugnis industrieller Architektur zwischen den Weltkriegen sondern war 1929 das größte Saaten-Silo Europas. VDO war so stolz darauf,  dass er sogar eine Postkarte davon drucken ließ. Der Architekt ist nicht bekannt. Le Corbusier prägte für solche Gebäude die Bezeichnung „Ingenieur-Ästhetik“, die gleichrangig mit der Baukunst sei. Das Silo wird nach wie vor für die Lagerung der Saaten genutzt.

Von der Kammerschleuse aber noch besser von der Wasserseite können die alten Gebäude gut betrachtet werden. An der Stirnseite des Backsteinaufbaus prangt das Logo von VDOM, eine Windrose. Am Hafenrand steht das 65 Meter hohe Großraumsilo aus den frühen 1970er Jahren mit 16.000 Tonnen für Rapssaat, während die 40 Kammern des älteren zusammen 12.000 Tonnen fassen.

Das am Inselhafen gelegene 'Rhenania' - Speicherhaus (heute Wincanton) ist durch eine Förderbücke mit der Ölmühle verbunden und dient seit Jahrzehnten als Lager für Saatgut. Die Annahme von Rapssaat läuft vollständig über dieses Getreidelagerhaus. LKW, Trecker und Schiffe holen dagegen die fertigen Produkte (Öl und Rapsschrot) direkt vom Werk ab.

Das produzierte Rapsöl findet Verwendung in der Biodieselbranche, als Speiseöl, in Margarine sowie als Zusatz z.B. in Lippenstiften, Medikamenten und sogar Bodenbelägen. Rapsschrot, die entölte Rapssaat, dient als eiweißreiches Futtermittel.

Südlich der Bonadiesstraße und am Bonadieshafen liegt dieTochtergesellschaft Mannheim Bio Fuel GmbH. Seit 2006 wird dort ein Großteil des in der Mühle gewonnenen Rapsöls zu Biodiesel verarbeitet.

Nutzung (ursprünglich): 

Ölmühle, Herstellung von Speiseölen und Tiernahrung

Nutzung (derzeit): 

Ölmühle, Herstellung von Speiseölen und Tiernahrung und Ölen für Biodiesel

Geschichte: 

Am 30.06.1887 wurde in Mannheim die Aktiengesellschaft 'Verein deutscher Oelfabriken' (VDO) durch Fusion von 6 Ölfabriken gegründet, die mit einer Ausnahme aus dem süddeutschen Raum kamen: Ölfabrik in Mauer von P.J. Landfried / Heidelberg (siehe http://www.rhein-neckar-industriekultur.de/objekte/40/Alte-Tabakfabrik-Landfried.html ), Peter Müller & Söhne / Mannheim, AG Engelmühle Hattersheim, Philipp Lamparter / Eßlingen, Duisburger Oelfabrik und Mannheimer Oelfabrik, Mannheim und Obertürkheim/b. Stuttgart. Damit wurden kleine, weniger günstige Ölmühlen stillgelegt und deren Produktion nach Mannheim verlagert. Hauptsitz und Fabrikanlagen befanden sich in Mannheim auf dem Lindenhof, Meerfeldstr.1, etliche Lagerhäuser im Hafengebiet. Der Standort auf der damaligen Bonadies-Insel wurde 1904 erworben. (Die Neckarmündung mit dem Flößdurchlass trennte damals das Stück Land westlich des Bonadiesbeckens noch als Insel ab.) 1905 begannen die Bauarbeiten am Bonadieskai. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es nach zeitgenössischen Darstellungen ca. 600 Menschen in der Ölfabrik.

1920 Übernahme durch Unilever 1990 Erwerb durch den französisch-italienischen Konzern Eridiana Béghin-Say; 2002 Übernahme des Estol – Werksgeländes (auf der Friesenheimer Straße Nr. 12) von Unilever sowie eines Teils der Abfüllung Übernahme durch amerikanische Bunge-Gruppe. Bunge verarbeitet jährlich ca. 1,1 Mio. Tonnen Raps.

2006 Aufbau einer Biodieselfabrik direkt gegenüber.

2010 wird das historische Backsteingebäude, in dem sich die Ölpresse befand, durch einen Brand inwendig zerstört. Eine neue Presse wird auf dem Grund des alten Kesselhauses am Bonadies-Kai gegenüber dem alten Speicherhaus 2011 errichtet.

Technisierung und Produktivitätsfortschritte insbesondere nach dem II. Weltkrieg reduzierten die Beschäftigung drastisch: Gab es in den 60er-Jahren noch über 500 Mitabeiter nur im alten VDO-Werk, so sind es 2014 als Folge der Automatisierung noch 180 Beschäftigte. 60 davon sind gleichzeitig Mitglieder der Werksfeuerwehr. Sie haben die gleiche Ausbildung wie Berufsfeuerwehrleute.

Eigentümer: 
Bunge Deutschland GmbH
Architekt: 
Stadtbaurat Gustav Uhlmann ( http://www.rhein-neckar-industriekultur.de/details.php?id=11&preview=1)
Bauzeit / Umbauten: 
1905-1907 am heutigen Standort. Das am westlichen Seitenbecken des Hafens liegende Lagerhaus wurde 1928 durch einen Großbrand zerstört und 1929 wieder aufgebaut.1948 erneuter Wiederaufbau der zerstörten und beschädigten Betriebsabteilungen.
Quellen: 
  • Schrift von Wilhelm Landfried sen. zum 100jährigen Firmenjubiläum, Heidelberg, 31.12.1910 Unterlagen des Unternehmens
  • Führer durch die Industrie- u. Hafenanlagen von Mannheim, Rheinau und udwigshafen; Hrsg. von der „Rhein“- Verlags-Gesellschaft m.b.H., Duisburg-Ruhrort, 1909
  • Hanspeter Rings, Mannheim auf Kurs, 2003 - Hrsg. Stadtarchiv Mannheim
  • Stadtarchiv Mannheim und Mannheimer Architektur- und Bauarchiv e.V., Mannheim und seine Bauten 1907-2007, Bd. 4, Andreas Schenk, Bauten für Verkehr, Industrie, Gesundheit und Sport, 2004, S. 66
Autor/in: 
Hilde Seibert