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3 Glocken-Center in ehem. Nudelfabrik Hensel

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Ansicht von der OEG-Brücke, 2012, Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 19931
Übersichtsplan,1893, Stadtarchiv Weinheim Rep. 30 Nr. 6
Rechnungskopf „Wilhelm Hensel“, 1913, Stadtarchiv Weinheim Rep. 36 (ohne Nr.)
Julius Zaiser, 1924, Foto aus Privatbesitz
Fabrikgebäude, 1923/24, Foto aus Privatbesitz
Produktion, 1923/24, Foto aus Privatbesitz
Packerei, 1923/24, Foto aus Privatbesitz
Maschinenhalle, Baujahr 1924, Foto aus Privatbesitz
Dieselmotor mit Stromgenerator, 1924, Foto aus Privatbesitz
Aufstockung 1929, Stadtarchiv Weinheim Rep. 20 Nr. 2768
Fuhrpark 1953, Foto aus Privatbesitz
Werksausfahrt an der Bergstraße, um 1954, Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 22527
Großbrand 1957, Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 18354 (Quelle: Freiwillige Feuerwehr Weinheim)
Neubau 1958, Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 1929
Ansicht von der Bahnhofanlage, um 1960, Stadtarchiv Weinheim  Rep. 32 Nr. 1278
Werkseinfahrt an der Bergstraße, um 1963, Stadtarchiv Weinheim  Rep. 32 Nr. 23123
Trockner, um 1963, Foto aus Privatbesitz
Linie 4, um 1963, Foto aus Privatbesitz
Schalt- und Sicherungskasten von Linie 4, um 1963, Foto aus Privatbesitz
Lagerhalle Werderstraße, Baujahr 1974, Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 19258
Haupteinfahrt an der Bergstraße, 1976, Foto aus Privatbesitz
Inbetriebnahme von Linie 11, 1978, Foto aus Privatbesitz
Filmaufnahme „Sendung mit der Maus“, 1976, Foto aus Privatbesitz
Filmaufnahme „Sendung mit der Maus“, 2000, Foto aus Privatbesitz
Festprogramm „100 Jahre 3 Glocken“, Original in Privatbesitz
Festprogramm „100 Jahre 3 Glocken“, Original in Privatbesitz
Linie 8, 1996, Foto aus Privatbesitz
Luftbild: Pfrang, um 2006, Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 25199
Luftbild: Pfrang, um 2006, Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 25198
3-Glocken-Damen mit Lkw, um 1960, Foto aus Privatbesitz
3-Glocken-Damen auf dem Dach, um 1960, Foto aus Privatbesitz
3-Glocken-Damen, um 1960, Foto aus Privatbesitz
Packerei, um 1965, Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 24964 (Quelle: Privat)
Ausflug, um 1970, Foto aus Privatbesitz
Kegelausflug ins Elsass, 1974, Foto aus Privatbesitz
Ausflug 1977, Foto aus Privatbesitz
Fastnacht in der Nudel, um 1980, Foto aus Privatbesitz
„Nudlerinnen“ in der Kantine, um 1980, Foto aus Privatbesitz
Gruppenbild mit LKW, 1983, Foto aus Privatbesitz
Kollegen, um 1994, Foto aus Privatbesitz
Aufenthaltsraum, 1998, Foto aus Privatbesitz
3 Glocken Werbung, Postkarte, um 1920, Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 24119
3 Glocken Antwortkarte, Ausschnitt, 1927, Stadtarchiv Weinheim, Rep. 32 Nr. 6464
LKW Nr. 11, Postkarte, um 1930, Stadtarchiv Weinheim, Rep. 32 Nr. 19575
3 Glocken Werbeanzeige, aus: Adressbuch der Stadt Weinheim 1938
Markenzeichen-Glocke von 1924
Reklamemarken 1: Vermutlich Verschlußmarken von Nudelverpackungen
Reklamemarken 2: Verschlußmarken oder Schaumarken mit schlecht leserlicher Schrift
Reklamemarken 3:  Verschlußmarken oder Schaumarken mit verbesserter Schrift und geringer plakativer Wirkung
Reklamemarken 4: Sammelmarken für Erwachsene und Kinder
Reklamemarken 5: Sammelmarken insbesondere für Kinder
Beispiel für ein Sammelbild Vorder- und Rückseite
Rezept-Heftchen ca. 1910

Die ehemalige Nudelfabrik „3 Glocken“ liegt in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs. Das hohe Fabrikationsgebäude mit seinem Firmenemblem war weithin sichtbar und beherrschte die umliegenden Bauten. Das Grundstück mit etwa 16 600 Quadratmetern wird heute im Osten von der Bergstaße, im Norden von der Werderstraße (Weschnitz) und im Westen von der Straße „Am Hauptbahnhof“ begrenzt. Das 3-Glocken-Werk wurde Ende 2006 stillgelegt.

Nutzung (ursprünglich): 

Nudelfabrik

Nutzung (derzeit): 

3-Glocken-Center (Geschäfte, Praxen, Büros, Wohnungen)

Geschichte: 

Wilhelm Hensel gründete 1884 die „Erste Badische Teigwarenfabrik“. Der kleine Handwerksbetrieb an der Werderstraße beschäftigte lediglich vier Arbeiter, und die Produktion war noch so gering, dass die Ware zum Verladen mit dem Handkarren an den Bahnhof gebracht werden konnte. [Abb. 2 und 3]

Am 10. März 1899 begann eine neue Ära für die Nudelfabrik. Der Koch und Patissier Julius Zaiser (1870-1943) übernahm die kleine Teigwarenfabrik von der Witwe Hensel und gestaltete sie nach und nach zu einem modernen Betrieb um. Bereits 1899 brachte er die ersten „3 Glocken“-Markennudeln in Faltschachteln auf den Markt. 1923 führte er als erster Nudelfabrikant in Deutschland den hochwertigen Hartweizengrieß ein. Sein oberstes Ziel war die Produktion von Qualitätsware und die Schaffung eines Markenartikels.

Als Julius Zaiser 1924 das 25 jährige Geschäftsjubiläum feierte, hatte er aus der kleinen Manufaktur bereits einen recht großen Betrieb geschaffen. [Abb. 4-6]

1928 war die „Erste Badische Teigwarenfabrik Wilhelm Hensel G.m.b.H“ ein moderner Großbetrieb, der in der deutschen Teigwarenindustrie eine führende Rolle einnahm. Es gab Spezialmaschinen für alle Formen von Teigwaren, und die Herstellung war fast vollautomatisch. Der Strom wurde von zwei großen Dieselmotoren erzeugt, die im Maschinenhaus an der Werderstraße standen. Die Anlage wurde im Juli 1924 in Betrieb genommen und versetzte wegen ihres Lärms und Gestanks zunächst die gesamten Anwohner in Aufruhr. [Abb. 8 und 9]

1929 beschäftigte die Firma bereits 204 Arbeiter und 307 Arbeiterinnen. Das Werk wurde weiter vergrößert, indem Julius Zaiser den Zwischenbau um ein fünftes und sechstes Obergeschoss aufstocken ließ. Die Pläne dafür hatte der Weinheimer Architekt Georg Lippert angefertigt. [Abb. 10]

Nach dem Tod von Julius Zaiser 1943 übernahm seine Tochter Marianne (1922-2012) die Geschäftsführung von „3 Glocken“. Darüber hinaus war sie in den Jahren von 1947 bis 1950 auch im Weinheimer Gemeinderat tätig. Unterstützung in der Unternehmensleitung erhielt sie nach ihrer Heirat 1957 mit Dr. Siegfried Rihm (1926-2003). Großen Erfolg hatten die Unternehmer, als die erste fertige Nudel-Soße „Pikanto“ und die „Sputniks“, eine moderne Nudelform, gegen Ende der 1950er Jahre den Markt eroberten. [Abb.11 und 12]

Die steile Konjunktur des Unternehmens wurde 1957 durch einen Großbrand und dessen verheerende Folgen jäh unterbrochen. In der Nacht des 29. März stand der Trockenspeicher in Flammen und brannte vollkommen aus. [Abb. 13]

Mit Unterstützung der gesamten Belegschaft konnte bereits nach 13 Monaten ein achtstöckiger Neubau eingeweiht werden. Die Planung des Neubaus erfolgte durch den Weinheimer Architekten Otto Naefken. [Abb. 14]

In den 1960er Jahren hatte sich die „Nudel“ zu einem stattlichen Werkskomplex entwickelt. [Abb. 15-19]

Zwischen 1973 und 1984 entstanden neue Gebäude für Hochregallager und Produktion. Im Zuge dieser Baumaßnahmen wurde 1974 auch das alte Maschinenhaus in der Werdestraße abgebrochen und eine Lagerhalle errichtet. [Abb. 8 und 20]

Durch die Anschaffung neuer Maschinen blieb die Produktion auf dem modernsten technischen Stand, und die Kapazität konnte erweitert werden. 1976 wurde das 3-Glocken-Werk zum Schauplatz von Filmaufnahmen für „Die Sendung mit der Maus“ Damals entstand ein Nudelfilm über die Herstellung von Spaghetti. Weitere Filmaufnahmen für die gleiche Sendereihe mit dem Thema „Suppenbuchstaben“ sollten im Mai 2000 folgen. [Abb. 21-24]

1984 feierte die „Nudel“ ganz groß ihr 100 jähriges Bestehen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie 380 Mitarbeiter und war die zweitgrößte Nudelmarke in Deutschland. [Abb. 25 und 26]

1988 schaffte sie es mit einem Umsatz von umgerechnet etwa 100 Millionen Euro sogar zum Marktführer.

Nur kurze Zeit später wendete sich das Blatt. 1989 erschütterte der „Flüssigei-Skandal“ die gesamte Lebensmittelbranche und auch „3 Glocken“ blieb davon nicht verschont. Zudem verschärfte sich der Wettbewerb mit den internationalen Großkonzernen auf dem Lebensmittelmarkt.

Als Konsequenz verkaufte Marianne Rihm 1990 knapp 75 Prozent der Gesellschaftsanteile von 3 Glocken an die Vereinigte Kunstmühlen AG. Die restlichen Anteile verblieben bei der bisherigen Inhaberfamilie Rihm.

Am 17. Januar 1990 übertrug Marianne Rihm die Geschäftsführung auf ihren Sohn Michael Rihm. Dieser legte jedoch schon am 31. Dezember 1990 das Amt nieder und übertrug die restlichen Anteile an die VK Mühlen AG, Hamburg.

Diese investierte 1995 nochmals 15 Millionen DM im Werk Weinheim und ließ die Linie 8, damals eine der modernsten Teigwaren-Produktionslinien Europas, installieren, die 1996 in Betrieb genommen werden konnte. [Abb. 27]

Nach der Ära Rihm wurde das 3-Glocken-Sortiment einer gründlichen Modernisierung unterzogen und das Konzept für „Genuss Pur“ entwickelt.

Im Jahr 2000 erfolgte die Fusion von 3 Glocken und Birkel zum größten deutschen Teigwarenproduzenten.

Ende 2006 wurde die Firma 3 Glocken in Weinheim geschlossen. Die Mitarbeiter wurden am Produktionsstandort Mannheim übernommen. [Abb. 28 und 29]


Kurze Hinweise zu Sammelbildern und Reklamemarken von Jürgen Herrmann:

Die Markenbildung und -pflege gehört zu den Kernaufgaben der Firmen, die für den Endverbraucher produzieren. Auch die Kundengewinnung und -bindung sind wichtige Ziele. Schon 1875 erschienen die ersten bekannten Liebigbilder, die als Sammelbilder sehr beliebt wurden und den Markennamen im Verbraucherbewußtsein verankerten. Dem folgten viele namhafte Firmen, auch 3 Glocken in Weinheim. Wann genau Julius Zaiser begann, Sammelbilder herstellen und verteilen zu lassen, ist noch nicht bekannt. Wahrscheinlich gab es auch von 3 Glocken Sammelalben. Hinweise bitte an den Autor!

Ähnliche Aufgaben hatten die Reklamemarken, die ab 1900 in einer schwer überschaubaren Fülle hergestellt wurden. Auch kleine Betriebe konnten sich den preiswerten Druck leisten. Als "Mini-Plakate" boten sie bekannten Künstler-Grafikern ein eigenes Betätigungsfeld. Deren Honorar konnten sich nur große Unternehmen leisten. Das konnte sich sehr lohnen, weil die künstlerische Bildsprache bei "gehobener Kundschaft" durchaus verstanden wurde und zu Identifikationen mit dem Produkt führten. Je nach künstlerischer Qualität kann man von Gebrauchsgrafik oder Reklamekunst sprechen.

3 Glocken hat mehrere Serien von Reklamemarken herausgebracht. Von der Funktion her gesehen, waren die ersten möglicherweise Siegelmarken für Produktverpackungen oder Brief-Couverts. Die letzten beiden bekannten Serien waren ganz sicher als Sammelobjekte für die interessierten Kunden gedacht. Vgl. die Abbildungen!

Hier gibt es z.T. ausführliche Beschreibungen und umfangreiche Bildersammlungen:

Auch diese RNIK-Objektbeschreibungen zeigen Reklamemarken:

Wer noch mehr Reklamemarken sehen will: Die Bildersuche in Suchmaschinen benutzen!

Eigentümer: 
Cash & Shares GmbH
Erbauer: 
Gründungsbauten durch Wilhelm Hensel
Baubestand: 

Bauzeiten und Umbauten:

  • ab den 1920er Jahren zahlreiche Um- und Neubauten
  • 1924: Herrmann Hopp, Erstellung eines Büros und Wohngebäudes in der Werderstraße
  • 1929: Georg Lippert, Aufstockung des Zwischenbaus (Abb. 10)
  • 1957/58: Otto Naefken, achtstöckiger Neubau (Abb. 14)
Quellen: 
  • Braun, G.: Die Industrie in Baden, Karlsruhe 1926, S. 256.
  • Grau, Ute und Guttmann, Barbara: Weinheim - Geschichte einer Stadt, Edition Diesbach Weinheim 2008, S. 301, 302.
  • Mannheimer Stadtreklame G.M.B.H. (Hrsg.): Mannheim. Das Kultur- und Wirtschaftszentrum Südwestdeutschlands, [Mannheim] 1928, CXIII.
  • Stadtarchiv Weinheim Rep. 15 Fach 162 Nr. 41: Gleisanschluss der Firma Wilh. Hensel in der Werderstraße (1920).
  • Stadtarchiv Weinheim Rep. 15 Fach 6 Nr. 21: Baugesuch der Firma W. Hensel G.m.b.H. Teigwarenfabrik (1924-1925).
  • Stadtarchiv Weinheim Rep. 15 Fach 55 Nr. 53: Firma Erste Badische Teigwarenfabrik Wilhelm Hensel G.m.b.H. in Weinheim (1924-1942).
  • Stadtarchiv Weinheim Rep. 20 Nr. 2787: Belästigung der Nachbarschaft durch geräuschvolle Motorenanlagen der Firma Wilhelm Hensel G.m.b.H. in Weinheim (1924-1925).
  • Stadtarchiv Weinheim Rep. 20 Nr. 2768: Gesuch der Firma Wilh. Hensel G.m.b.H. in Weinheim um Erlaubnis zur Erstellung eines 6. und 7. Stockwerkes auf einem Fabrikbau (1929).
  • Stadtarchiv Weinheim Rep. 30 Nr. 6: Übersichtsplan der Stadt Weinheim, 1893.
  • Stadtarchiv Weinheim Rep. 36 ohne Nr. Rechnungskopf, 1913.
  • Stadtarchiv Weinheim Rep. 42 Nr. 100: An Dich (Glockinchen 3 Glocken), Hausmitteilungen der 3 Glocken GmbH (1959-1979).
  • Private Unterlagen ehemaliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Autor/in: 
Silvia Wagner und Jürgen Herrmann