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Alte Tabakfabrik Landfried in Heidelberg

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Flächenwerbung von P.J.Landfried
Verschiedenfarbige Fassaden vom Hof aus
Zugeisenhalterung als Ziereisen ausgeildet
Fabrik-Gebäude mit Gerüst der ehem. Landfried-Werbung auf dem Dach
Eingang zum Hochbauamt
Elektrische Freileitungen am Gebäude - Außer Betrieb!
Gewerbehof mit vielfältiger Nutzung
Verwaltungsgebäude vom Hof aus
Klinker- und Sandsteinfassade der Villa
Merkur mit geflügeltem Helm, der römische Gott der Händler, als Sandsteinschmuck im Giebel der Villa
Sandsteinschmuck in der Fassade der Villa
Gaube mit Spitzdach an der Bergheimer Straße
Firmenansicht auf einer Preisliste (ohne Jahr)
Tabak-Dose
Landfried-Kautabak-Topf: Verkaufsbehälter in den Läden der Kolonialwarenhändler

Die ehemalige Fabrik breitet sich auf dem gesamten Areal zwischen Bergheimer, Mittermaier-, Alte Eppelheimer und Karl-Metz-Straße aus. Fünfstöckige ehem. Produktions- und Lagergebäude bildeten mit Direktoren-Villa, Verwaltungssitz und Nebengebäuden eine Einheit. Die Umnutzung zu einem vielfältig genutzten Gewerbehof erfolgte ohne Kontrastierung mit moderner Architektur. Alte Fabrik-Elemente finden sich aber neben aktuellen Firmenschildern, was die andauernde "Kommerzialität" des Geländes wiederspiegelt.

Für den Denkmalschutz bildet das Gelände der ehem. Fabrik mit den versch. historischen Bautypen, die je nach Nutzung gestaltet sind, eine Sachgesamtheit. Diese ist wegen der Vielschichtigkeit und uneinheitlichen Verbreitung einzelner Merkmale nur mit einer Gliederung nach einzelnen Gebäuden und zudem hier nur auszugsweise zu beschreiben:

Villa / Bergheimer Str. 141 / vor 1900: Das zweigeschossige Steingebäude ist in Formen der Renaissance und Jugendstilanklängen des Historismus erbaut. Die dreiachsige Klinkersandsteinfassade enthält ein Eingangsportal mit Oberlicht, Fenstersturzverdachungen, eine Achse mit gekoppelten Fenstern sowie nach Osten einen Wintergartenanbau in Korbbogerngestaltung.

Wohnhäuser / Bergheimer Str. 143-145 / vor 1900: Das zweigeschossige Steingebäude in Formen des Historismus mit Landhausstilelementen zeigt in der Putzfassade u.a. Risalitausbildung, teilweise gekoppelte Fenster mit Sandsteingewänden und Schlußsteinen, Sohlbankgesimse sowie einen groben Gebäudesockel. Das steile Walmdach mit Flachdachanteil hat ein Holztraufgesims aus Holzzierwerk und über dem Risalit einen Krüppelwalmzwerchgiebel sowie Turmdachgauben.

Verwaltungsgebäude / Bergheimer Str. 147 / vor 1900: Die Klinker-Sandsteinfassade hat drei und neun Hauptachsen. Zu sehen sind Risalitausbildung, Lisenengliederung und horizontale Gesimsbänder. Das Satteldach ist zur Straße hin gewalmt, zeigt über dem Risalit einen Flachgiebel und am Südgiebel ein Ortganggesims.

Wohnhäuser / Bergheimer Str. 149-151 / vor 1900: Die Formen des Historismus sind mit Landhausstilelementen versehen. Ähnlich den Hausnummern 143-145.

Ehem. Remise / Bergheimer Str. zu Nr.151 / vor 1900: An diesem eingeschossigen Gebäude fügen sich ländliche Details mit den Formen des Historismus. Die Klinker-Sandsteinfassade mit sieben Achsen ist nach dem Straßenverlauf geschwungen und zeigt u.a. Risalit, Lisenen und Rundfenster. Das Satteldach über einem Kniestock in Sichtfachwerk hat einen Krüppelwalmgiebel über dem Risalit, Dreiecklüftergauben und hofseitig Verladegauben mit Seilrollen.

Ehem. Tabakmagazin neben der ehem. Remise / 1898: An dem fünfgeschossigen, freistehenden Lagergebäude sind die Formen des Historismus reduziert. Besondere Merkmale: Eingangsrisalite, Lisenengliederung, Klinkerfarbwechsel, Sohlbankgesimse über dem Erd- und 4.Obergeschoß sowie sichtbare Zugeisenhalterungen auf den Lisenen.

Ehem. Schlosserei/Kessel- und Maschinenhaus / 1898: Eingeschossige, freistehende Halle mit hohem Rundschornstein, Klinkerfassade, sprossengeteilte Fenster mt Segmentbogen.

Ehem. Fabrik / nördlich und südlich zwei Haupttrakte von 1899 sowie westlich und östlich zwei Seitentrakte von 1915-1921: Ähnlich demTabakmagazin ausgebildet.

Weitere eingeschossige Gebäude dienten als Lager, Arbeitsraum ("Cigarrensortierung") und Kantine.

Direkt benachbart ist der Straßenbahnbetriebshof mit Gebäuden des ehem. Schlachthofes .

Nutzung (ursprünglich): 

Zigarren- und Kautabak-Fabrik

Nutzung (derzeit): 

Gewerbehof mit Handel, Freizeitbetrieben und Büros

Geschichte: 

Philipp Jacob Landfried gründete 1810 in Heidelberg das Unternehmen, das heute in der sechsten Generation geführt wird. Im benachbarten Mannheim gab es vor 1900 mehrere Rauchtabakfabriken, in Heidelberg war die von Landfried die erste. Um 1890 wurde die Fabrikation von Kautabak neu aufgenommen. Dieses Produkt war sehr gefragt und zeigte entsprechende Produktionszuwächse.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Räume in der heutigen Heidelberger Innenstadt für die Produktion zu eng. So wurden vor den damaligen Toren der Stadt entsprechende Neubauten erstellt, die im Sommer 1900 bezogen wurden. Es wurden Zigarren, Rauch- und Kautabak hergestellt. Filialbetriebe gab es südlich von Heidelberg in der Rheinebene und im Kraichgau: Dielheim, Kronau, Mühlhausen, Rauenberg und Roth. Bei Landfried waren 2.000 Angestellte und Arbeiter beschäftigt.

Die Zigarrenproduktion erfolgt heute nur noch in Dielheim im Kraichgau nahe der Autobahn A6.

Bauzeit / Umbauten: 
1898-1921
Quellen: 
  • P.J.Landfried heute
  • Rauch-, Schnupf- & Kautabakfabriken / Historische Sammlung 1730-1970, 2.erweiterte Auflage 1995, Dieter Schadowski, Karlsruhe
  • Liste der Kulturdenkmäler der Stadt Heidelberg, Stand 21.7.2008
Autor/in: 
Jürgen Herrmann