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Arbeiter-Wohnhäuser der HeidelbergCement AG in Leimen

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Werkswohnhäuser in der Zementwerkstraße
Zementwerkstraße um 1908, noch vor dem Bau der Seilbahn
Gartenidylle mit Beton
Für die Häuser im Kieslochweg stellen die Arbeiter die Betonblocks selbst her (Aufnahme 1900)
Gesamtansicht 1935 rund um das Werk: links hinten der Kieslochweg, Häuser in der Zementfabrikstraße  und rechts vorne die Direktorenvilla
Gärten der Werkswohnungen, Verwaltungsbau, Hallenbad und Festhalle im Hintergrund.
Nur im Ausschnitt beschaulich: Die Seilbahn zwischen den Häusern liefert Gestein ins Werk

„Wohnhäuser für brave und verdiente Arbeiter“ - das war die Idee des Firmenpatriarchen Friedrich Schott, als er 1900 aus seinem Privatvermögen die ersten 12 Reihenhäuser am Rande des Werks in Eigenarbeit und vollständig aus selbst gefertigten Betonsteinen und Betonziegeln errichten ließ. Die 1908 gebauten zweistöckigen Arbeiterhäuser in der Zementwerkstraße sind noch heute erhalten. Die Häuser sind mittlerweile modernisiert, die Giebelverzierungen sind entfernt, erhalten sind die Gärten und Bäume im Hinterhof mit mächtiger Industriekulisse.

Nutzung (ursprünglich): 

Wohnhäuser, Gärten

Nutzung (derzeit): 

Wohnhäuser, Gärten

Geschichte: 

Zu seinem 25-jährigen Dienstjubiläum im Jahr 1900 stiftete Friedrich Schott aus seinem Privatvermögen zwölf Häuser für „brave und verdiente Arbeiter”. Schon Anfang 1900 wurde mit dem Bau der eineinhalbstöckigen Reihenhäuser im Kieslochweg begonnen. Alle Häuser errichteten die Werksarbeiter in Eigenarbeit aus selbst gefertigten Betonsteinen und Betonziegeln.

Für die Erbauung weiterer Arbeiterwohnungen gründeten Aufsichtsrat und Vorstand im Jahr 1903 eine Baugesellschaft mit 150.000 Mark Eigenkapital. Im Jahr 1908 errichtete diese 30 Einzelwohnungen in sechs größeren zweistöckigen Reihenhäusern in der Zementwerkstraße. Es folgten weitere Siedlungshäuser in den 1930er und 1950er Jahren. Die Häuser im Kieslochweg (am westlichen Werksausgang gelegen, heute nicht mehr so benannt), im Volksmund immer „Krabbenescht” genannt, wurden auf Grund ihrer geringen Wohnfläche und der mittlerweile veralteten Sanitäranlagen in den 1950er Jahren abgerissen. In jüngster Zeit sind neue Werkswohnungen in der Leibnizstraße errichtet worden.

In einer zeitgenössischen Beschreibung der Arbeiterhäuschen im Kieslochweg steht:

„Jedes der vollständig in sich abgeschlossenen Häuschen ist vollständig unterkellert, besitzt im Untergeschoss ein Wohnzimmer und eine Küche, im Dachgeschoss zwei Schlafzimmer, Abort mit Wasserspülung, kleine Veranda nach dem Garten, darunterliegender Stall und Abortgrube. Jedes Häuschen hat vorn nach der Straße ein Vorgärtchen und hinten einen mit Drahtgeflecht eingefriedeten Hausgarten mit einigen Obstbäumen. Das zur gemeinsamen Benützung dienende Hintergebäude enthält Waschküche mit Brunnen für Trinkwasser, Backofen und Badezimmer, oben Trockenspeicher zur Benützung bei Regenwetter.

Sämtliche Häuschen sind mit Kanalisation und Druckwasserleitung versehen, und für Feuersgefahr sind zwei Hydranten an der Strasse vorhanden. Zur gemeinsamen Benützung als Bleichplatz dient ferner ein Rasenplatz und ein grösserer, mit schattengebenden Bäumen bepflanzter Platz als Spielplatz für Kinder.”

Der Verwaltungsplan sah folgendes vor:

„Die Verwaltung wird ausgeübt durch den ersten Beamten der Arbeiterkrankenkasse des Heidelberger Portland-Cement-Werks, unter der Kontrolle der Direktion. Jeder Arbeiter hat für Benutzung des Hauses mit Zubehör und Garten jährlich 150 Mark Miethe zu zahlen, welche in monatlichen Raten von 12 ½ Mark erhoben, in ein Sparkassenbuch eingetragen, und von der Fabrik mit 4% verzinst werden. Nach Abzug der Ausgaben für Steuern und Umlagen, Brandversicherung, Unterhaltungs- und sonstige Kosten, wird am Ende jedes Jahres je ein Zwölftel der verbleibenden Summe für jeden Hausbewohner auf seinen Namen lautendes Sparkassenbuch übertragen, welches in Verwahrung des Cementwerks bleibt. Die Zinsen werden zum Kapitale geschlagen, welches nicht angegriffen werden darf. Mit Vollendung des 65. Lebensjahres hört die Zahlung auf, und es tritt der betreffende Arbeiter in den Genuss der Zinsen des gesamten Kapitales.

Nur im Falle der Lösung des Arbeitsverhältnisses zum Cementwerk aus einem anderen Grunde als Invalidität, Arbeitsunfähigkeit, Krankheit oder hohen Alters, muss die Wohnung geräumt werden, und wird dann das Kapital ausbezahlt. Im Todesfalle erhalten die Witwe oder sonstige Hinterbliebene, das angesammelte Kapital ausbezahlt, müssen aber, wenn nicht besondere Umstände vorliegen, nach 3 Monaten die Wohnung räumen. Ueber die Vergebung frei gewordener Wohnungen entscheidet die Direktion des Cementwerks, nach Anhörung des Arbeiterausschusses.”

(Quelle: Text der Tafeln im Portlandmuseum, Leimen, Unternehmenarchiv)

Eigentümer: 
HeidelbergCement AG
Erbauer: 
Portland Cementwerke Heidelberg und Mannheim AG
Bauzeit / Umbauten: 
1900 und ab 1908, Modernisierungen
Quellen: 

Dietmar Cramer & Steffen Fuchs, „Von Menschen und Zement – die Geschichte des Zementwerks Leimen“, Heidelberg 2001, S. 86-88

Text der Tafeln im Portlandmuseum, Leimen, Unternehmenarchiv

Autor/in: 
Barbara Ritter, Dietmar Cramer