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Bankhaus „Salomon Maas”

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Bankhaus Salomon Maas
Bankhaus Salomon Maas
Bankhaus Salomon Maas
Bankhaus Salomon Maas

Als Mitte des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung begann, waren es in Mannheim anfänglich private Bankhäuser, die den ersten Fabriken das für ihre Investitionen notwendige Kapital bereitstellen. Damals gab es in Mannheim u. a. die Bankhäuser „W. H. Ladenburg und Söhne“,  „H. L. Hohenemser und Söhne“, „M. Kahn, Söhne“, „Oppenheimer, Loeb und Co“ und „Wilhelm Köster und Co“. Ab Beginn der 1870 wurden die Privatbanken schrittweise von den meist auf Aktienbasis arbeitenden Großbanken verdrängt. 1870 wurde die „Badische Bank“ gegründete; ihr folgten 1871 die „Rheinische Creditbank“ und 1872 die „Rheinische Hypothekenbank“. Als letztes Geldinstitut aus der Reihe der frühen Privatbanken ging das Bankhaus Ladenburg 1905 in der „Süddeutschen Discontogesellschaft“ auf. An die wichtige Phase der privaten Geldhäuser in Mannheim erinnert heute noch das Gebäude des Bankhauses „Salomon Maas“ in E 3.

Nutzung (ursprünglich): 

Wohn- und Bankhaus

Nutzung (derzeit): 

Bürogebäude

Geschichte: 

Das Bankhaus „Salomon Maas“ wurde von Salomon Maas (um1781-1853) gegründet, der anfänglich als „Gold-, Silber-, Uhren- und Bijotriehändler“ im Firmenregister des städtischen Adressbuchs erscheint. Ab 1845 führte er dort die Bezeichnung „Bankier“. Später ging die Firma an seinen Sohn Lazarus (1820-1879) über. Unter dessen Ägide war das Bankhaus „Salomon Maas“ vor allem im Getreidehandel tätig. Daneben engagierte es sich auch im Brauereiwesen. So beteiligte sich das Geldinstitut 1863 an der Gründung der „Mannheimer Aktienbrauerei“, 1886 an der Gründung der „Badischen Brauerei AG“ und 1887 an der Gründung der "Schroedl'schen Brauereigesellschaft AG" in Heidelberg. Die Tätigkeit des Geldinstituts blieb nicht auf den Rhein-Neckar-Raum beschränkt. So übte das Bankhaus "Salomon Maas" 1887 bei der Umwandlung der Brauerei "Stern" in Oberrad bei Frankurt in eine Aktiengesellschaft eine federführende Rolle aus.

In den Jahren 1871 und 1872 ließ Lazarus Maas das Gebäude in E 3 an den Planken als Wohn- und Geschäftshaus erstellen. Der Entwurf stammte von den Mannheimer Architekten Christopf Huber und Georg Riede. Die Bauausführung lag in den Händen des Baumeisters Philipp Geier. Ab Beginn des Jahres 1873 ist sowohl der Sitz des Geldinstituts wie die Wohnung des Bankiers im kommunalen Adresskalender unter E 3 verzeichnet.

Nach dem Tod von Lazarus Maas wurde die Firma ab 1879 von seiner Witwe Delphine und den Söhnen, Wilhelm, Dr. Maximilian und Eugen weitergeführt. 1884 war die Bank an der Gründung der Mannheimer Wertpapierbörse beteiligt. Fünf Jahre später wurde eine Filiale in Frankfurt eröffnet, die von Dr. Maximilian Maas geleitet wurde. Im Januar 1894 musste das Bankhaus „Salomon Maas“ jedoch Konkurs anmelden.

Anschließend wurde das Gebäude von der „Pfälzischen Bank“ aus Ludwigshafen übernommen. In den folgenden Jahren konnte die "Pfälzische Bank" ihre Geschäfte in Mannheim erheblich ausweiten. 1897 bzw. 1899 war sie an der Gründung der "Rheinmühlenwerke" und der "Rheinschiffahrts AG, vormals Fendel" beteiligt. Zu Beginn der 1920er Jahre musste das Geldinstitut mit der "Rheinischen Creditbank" fusionieren. Nach wiederholten Eigentümerwechseln erwarb die Stadt Mannheim das Haus 1960 und brachte dort die Werkkunstschule unter. Gegen Ende des letzten Jahrhunderts ging das Anwesen erneut in private Hände über und wurde anschließend grundlegend saniert.

An das Bankhaus "Salomon Maas" erinnert in Mannheim noch ein weiteres Gebäude. An der Bismarckstraße (L 9, 4) hat sich eine prachtvolle Villa im Stil der Neorenaissance erhalten, die 1889 im Auftrag von Wilhelm Maas errichtet wurde.

Erbauer: 
Lazarus Maas
Architekt: 
Christof Huber/Georg Riede
Bauzeit / Umbauten: 
1871/72
Baubestand: 

Das Gebäude wurde zu Beginn der 1870er Jahre als Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Während sich im Erdgeschoss die Büroräume der Bank befanden, wurde das erste Obergeschoss von Lazarus Maas als Wohnung genutzt. Im zweiten Obergeschoss befand sich eine weitere Wohnung. Herzstück der Geschäftsräume im Erdgeschoss bildete der Tresorraum. Außerdem befanden sich dort eine Schalterhalle für die Kunden des Geldinstituts, ein Kassenraum, ein Raum für die Buchhalter und mehrere Büroräume.

Im Jahr 1900 wurde das Haus durch einen rückwärtigen Anbau erweitert, in dem sich u. a. ein zweites Treppenhaus befindet. Als eines von wenigen Gebäuden der Mannheimer Innenstadt präsentiert sich das ehemalige Bankhaus heute noch fast im ursprünglichen Zustand.

Quellen: 
  • General-Anzeiger der Stadt Mannheim und Umgebung, 30. Januar, 31. Januar, 1. Februar und 2. Februar 1894 (Berichte zum Konkurs des Unternehmens).
  • Mannheim und seine Bauten, hg. vom Unterheinischen Bezirks des Badischen Architekten- und Ingenieur-Vereins u. vom Architekten- und Ingenieur-Verein Mannheim-Ludwighafen, Mannheim 1906, S. 232.
  • Astrid Hansen: „Allen Menschen Recht gethan, ist eine Kunst die niemand kann“ - Zur Instandsetzung eines gründerzeitlichen Bankgebäudes in Mannheim, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg 32 [2003], S. 332-337.
Autor/in: 
Sebastian Parzer