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Bopp & Reuther-Siedlung in Mannheim-Waldhof

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Bopp & Reuther-Siedlung, Lufbild um 2010
Bopp & Reuther-Siedlung, Lageplan und Grundriss um 1920
Bopp & Reuther Siedlung, südöstliche Langseite mit den neuen Balkonen (Foto 2011)
Bopp & Reuther Siedlung, südöstliche Langseite (Foto 2011)
Bopp & Reuther Siedlung, südliche Giebelseiten (Foto 2011)
Bopp & Reuther Siedlung, Giebelseite an der Waldstraße (Foto 2011)
Bopp & Reuther Siedlung, Ecklösung (Foto 2011)
Bopp & Reuther Siedlung, Treppenhaus (Foto 2011)
Bopp & Reuther Siedlung, Schild Freilaufende Kinder (Foto 2011)

Es handelt sich bei der Bopp & Reuther-Siedlung um den identischen Bautypus wie bei der kurz zuvor ebenfalls nach Entwürfen von Carl Reuther und Wilhelm Söhner entstandenen Draissiedlung. Die Anlage wurde an der Waldstraße zwischen der Alten Frankfurter Straße und damals noch existierender Sandtorfer Straße (heute Zufahrt zum Baumarkt) errichtet. Der nordwestliche Häuserblock wurde aus Rücksicht auf den Straßenverlauf schräg gestellt.

Die sechs Blöcke sind aus gelben Backsteinen mit roten Zierklinkern erbaut. Jeder Block hat sechs Häuser mit jeweils sechs risalitartigen Treppenhäusern. Diese springen aus der Bauflucht hervor und bilden im Hauptdach ein Zwerchhaus. Die Satteldächer der Hausreihen wurden von dem neuen Eigentümer ab 1987 sukzessive mit 36 zusätzlichen Wohnungen, die mit Gauben und Dachflächenfenster belichtet werden, ausgebaut. Die historischen Wohnungen weisen jeweils drei Zimmer, eine Küche mit Zementboden und Eisengebälk sowie eine innen liegende Toilette mit Wasserspülung auf. Besonders die Aborte hatten somit einen Standard, der um 1900 oftmals nicht einmal in den Stadthäusern zu finden war. Die Stockwerkshöhe beträgt 3,05 m; die Fenster haben einen segmentbogigen Sturz und messen 0,90 m x 1,70 m.

Der Großteil der Wohnungen verfügte direkt am Haus angrenzend über einen Gartenanteil, der kostenlos zur Benutzung abgegeben wurde. Zwischen dem dritten und vierten Block plante Söhner einen großen Kinderspielplatz mit ein, der aber ebenfalls bald zur Gartenfläche umgewandelt wurde. Heute sind die Freiflächen mit Garagen, Stellplätzen und Schuppen umgenutzt. Nach Reinigung der Backsteinfassaden im Jahre 2005 wurden um den Wohnstandard zu erhöhen ein Jahr später zahlreiche Wohnungen mit neuen Balkonen ausgestattet.

Nutzung (ursprünglich): 

Werksiedlung der Fa. Bopp & Reuther

Nutzung (derzeit): 

Mietwohnungen

Geschichte: 

Die Anfänge des Unternehmens Bopp & Reuther, das mit der Produktion von Armaturen und Messapparaten für die zentrale Wasserversorgung weltweit agierte, liegen in der Mannheimer Neckarstadt, wo der Kaufmann Carl Reuther (1846-1908) und der Mechaniker Carl Bopp (1830-1893) im Jahre 1872 mit dem Aufbau der Firma begannen.

Zur Vergrößerung der Fabrik, in der bald 1000 Mitarbeiter tätig waren, erfolgte 1897 der Umzug in den Waldhof auf ein zunächst 120000 qm großes und später auf 165000 qm erweitertes Areal. Hervon nahm die Siedlung ca. 3000 qm ein. Die höchste Beschäftigtenzahl hatte das Unternehmen mit 3200 Mitarbeitern einhundert Jahre nach Gründung im Jahre 1972. Von diesen blieben bis zur Stilllegung im Jahre 2007 nur noch 500 übrig. In dem Jahr erwarb die Firma Sirius das Gelände, um es nach Sanierungen als Büro- und Lagerräume an kleine und mittelständische Unternehmen zu vermieten. Sirius übernahm als Mieter auch zwei Bopp & Reuther Gesellschaften: Bopp & Reuther Sicherheits- und Regelarmaturen GmbH sowie die ehemalige Tochterfirma VAG Armaturen GmbH. Beide Unternehmen haben mittlerweile neue Besitzer.

In unmittelbarer Nähe der Fabrik erstellte der Neckarstädter Zimmermann und Architekt Wilhelm Söhner 1897-98 unter Mitwirkung von Carl Reuther eine Werksiedlung mit sechs Häuserblöcken zu je sechs Häusern, also 36 dreigeschossige Häuser mit insgesamt 108 Wohnungen. Im Jahre 1921 lebten hier 550 Personen. Der Mietpreis war gestaffelt: für eine Wohnung im Erd- und zweiten Obergeschoss betrug sie 20 Mark, für eine Wohnung im ersten Stockwerk 21 Mark monatlich. Die gesamten Baukosten für einen Häuserblock betrugen 76700 Mark.

Eigentümer: 
Privateigentum seit 1987
Erbauer: 
Firma Bopp & Reuther
Architekt: 
Wilhelm Söhner
Bauzeit / Umbauten: 
1897-98
Quellen: 

Roland Eisenlohr: Das Arbeiter-Siedelungswesen der Stadt Mannheim, Karlsruhe 1921

Monika Ryll: Das Arbeitersiedlungswesen in Mannheim, in: Mannheim und seine Bauten, Bd. 5, 2005, S. 106-115

http://www.albert-gieseler.de

Autor/in: 
Monika Ryll