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Der schöne Rücken der ehemaligen Rheinischen Creditbank

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Der Bau nimmt mehr als die Hälfte des Quadrats ein (Foto Ritter)
Vorderfront der Rheinischen Creditbank um 1928
Heutige Ansicht mit einem Stadtpunkt (Foto Ritter 2016)
Die Rückseite nach links mit vergitterten Fenstern (Foto Ritter 2016)
Architekt Albert Speer verewigt auf der Fassade (Foto Ritter 2016)
Sockel und Fenster im Erdgeschoss (Foto Ritter 2016)
Fassade mit Eingang (Foto Ritter 2016)
Fahnenhalterung (Foto Ritter 2016)
vergitterte Fenster am Tresorbau  (Foto Ritter 2016)
Schmuckgitter an der Türe (Foto Ritter 2016)

Zwischen unscheinbarer 50erJahre-Wohnbebauung der B-Quadrate sticht das massige, gelbe Gebäude in B 4,10 deutlich hervor. Die großen Fenster sind leider meist mit Plastikrollläden verschlossen. Großspurige, barock anmutende Verzierungen unter der Traufe und strenge quadratische, pyramidenförmige “Nieten“ schmücken das Haus. Das Erdgeschoss erscheint wie ockerfarbener, grob behauener Sandstein - ein warmer Ton, der an Italien erinnert. Die Eingänge sind angesichts der monumentalen Fassaden unscheinbar, aber mit schweren gusseisernen Gittern geschmückt. Die Fenster im Erdgeschoß sind schwungvoll vergittert. Der etwas zurückgesetzte Bau rechts neben dem gelben Koloss wirkt dagegen streng, fast lieblos und schmutzig. Er ist tatsächlich aus Sandstein, seine Fenster sind so eng vergittert, als handle es sich hier um ein Gefängnis.

Bauschmuck ganz oben Tatsächlich handelt es sich hier um den ehemaligen Tresorbau der Rheinischen Creditbank. Und das gelbe Gebäude war "nur" ein Anbau auf der Rückseite. Der sprichwörtlich „schöne Rücken“ stammt von Albert Friedrich Speer (1863-1947), der von 1900 bis ca. 1930  viele Wohn- und Fabrikbauten in Mannheim errichtete. Seine Vorliebe für klassizistischen, dem Jugendstil nahe stehenden Bauschmuck kann man hier deutlich erkennen. Sehr verspielt hat er auch die Halterungen für Fahnen als Greifvögel ausgebildet.

Von der Vorderfront der ehemaligen Rheinischen Creditbank ist nichts erhalten. Die sie ersetzende Wohnanlage ist im Stil der 80er Jahre. Diese Blockrandbebauung galt damals mit ihrer aufgelockerten Bauweise (Erker, Schrägdächer, Gauben, angedeutet Türm) als Neuheit im Stadtbild. Architekt war Karl Schmucker.

Nutzung (ursprünglich): 

Bankgebäude

Nutzung (derzeit): 

Museumsdepot

Geschichte: 

Rheinische Creditbank und JesuitenkircheDieses Quadrat hat über die Jahrhunderte ganz schön viel geboten. Schon 1730 wird hier das barocke Palais Dalberg errichtet, genannt, nach dem Kurpfälzischen Intendanten der Hofmusik Wolfgang Eberhard Freiherr von Dalberg (1679-1735). Er lebte hier nur fünf Jahre. Die nachfolgenden Bewohner müssen lange die Baustellen der Jesuitenkirche (1738 bis 1760) und des Nationaltheaters (1777 fertig gestellt) aushalten, die in unmittelbarer Nähe errichtet werden. Dann gibt es gut 100 Jahre zumindest keinen Baulärm mehr.

Im Jahre 1871 herrschen andere Verhältnisse. Die eben erst gegründete Rheinische (1870) Creditbank lässt das Palais abreißen und an gleicher Stelle ein ziemlich fettes Bankgebäude errichten mit seiner klassizistischen Fassade gegenüber dem damaligen Nationaltheater - heute die Grünfläche. Die Architekten sind Alfred Buntschli und Carl Mylius (Zürich).

Albert Speer "der Älteste"Die Rheinische Kreditbank war gerade erst als Aktiengesellschaft gegründet worden, mit 6 Mio. Talern als „kapitalkräftige Kreditorganisation für Handel und emporblühende Industrie“. Sie ist die erste Großbank in Baden Sie ist an der Gründung mehrerer Aktiengesellschaften beteiligt: z.B. Süddeutsche Juteindustrie 1897, Badische Brauerei, „Rheinische Gasmotorenfabrik Carl Benz & Cie“ später Daimler-Benz AG, Süddeutsche Zucker AG, BBC, Vögele, Pfälzische Mühlenwerke, Mannheimer Versicherungsgesellschaft. Also fast die ganze Mannheimer Industrieprominenz.

Entsprechend dem rasanten Wachstum wird das Gebäude zwischen 1902 und 1911 mehrfach vergrößert. 1902 macht der Architekt Albert Speer senior die Entwürfe für die Aufstockung des Baus und 1906 für die Erweiterung um einen Bürotrakt auf der Rückseite. Dieser wurde 1911 von 9 auf 13 Fensterachsen erweitert.

In Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise beteiligt sich die Rheinische Creditbank 1929 an dem Zusammenschluss mehrerer Großbanken zur Deutschen Bank AG.

Im Zweiten Weltkrieg wird das Gebäude teilweise zerstört. Die Bank nimmt 1950 ihren Sitz am repräsentativeren Friedrichplatz. Die Ruine in B4 verkauft sie an die Stadt Mannheim, die dort lange den Sitz der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek einrichtet.

In den 1983 wird die Ruine  am Schillerplatz abgerissen, nur der barocke Keller und rückwärtiger Flügel mit Tresorbau bleiben erhalten. Sie werden von den Reiss-Engelhorn-Museen als Depot genutzt und sind unzugänglich.

 

Erbauer: 
Rheinische Creditbank
Architekt: 
Albert Speer sen.
Bauzeit / Umbauten: 
1871, 1911
Autor/in: 
Barbara Ritter