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Der Tankturm in Heidelberg

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Tankturm in der Umbauphase, 2015, Foto: Ritter
Tankturm aus der Perspektive von Bahnreisenden, 2017, Foto: Ritter
Tankturm von der Eppelheimer Straße, 2017, Foto: Ritter
Tankturm Platz für Außengastronomie und Eingangsbereich, 2017, Foto: Ritter
Die ehemalige Uhr wird zum Fenster. Das Uhrwerk war bereits weg , 2017, Foto: Ritter
Tankturm-Gastwirtschaft im Untergeschoss, 2017, Foto: Ritter
Tankturm Seminarraum, 2017, Foto: Ritter
Ein Stockwerk im Turm, genannt Kathedrale 2017, Foto: Ritter
Tankturm-Kuppelsaal, direkt unter dem Beton-Tank, 2017, Foto: Ritter
Tankturm Kamin im Beton-Tank, 2017, Foto: Ritter
Tankturm im Beton-Tank, 2017, Foto: Ritter
Tankturm im Beton-Tank, 2017, Foto: Ritter
Hinter dem alten Stahlfenster ist ein zweites zur Wärmedämmung angebracht, Foto: Ritter
Fluchttreppen auf der Rückseite mit Blick zum ehem. Heinsteinwerk, Foto: Ritter
Tankturm: Sonnenuntergang in Richtung Bahnbetriebswerk, Foto: Ritter
Tankturm noch im Umbau: Richtung Bahnbetriebswerk, 2015, Foto: Ritter

Zug-Reisende kennen das Gebäude, das etwa einen Kilometer vor dem Hauptbahnhof mitten im Nirgendwo zwischen den Gleisen steht: ein gewaltiger quadratischer Turm aus beinahe schwarzen Klinkern, mit flachem Zeltdach und zweistöckigen Anbauten rechts und links, fast wie eine Kirche. Dennoch lange „übersehen“.

Die Jahrzehnte lang zugenagelten Fenster sind jetzt offen, das Bauwerk ist wieder belebt. Seit die „Bahnstadt“ in Heidelberg erschlossen wird, stellen sich ganz andere Blickachsen her. Der wuchtige Turm ist leicht erreichbar. Eine Gastwirtschaft auf dem Platz davor und im Untergeschoß des Gebäudes laden zum Verweilen ein.  Denn seit 2016 ist der Tankturm spektakulär umgenutzt worden. Die AAg-Architekten Armin Schäfer, Stephan Weber und Stefan Loebner haben den Turm nicht nur gekauft und  saniert, sondern dorthin auch ihr eigenes Architekturbüro verlegt.

Doch viele weitere Räume, die mit dem Umbau erst geschaffen wurden, können für Veranstaltungen gemietet werden. So ist z.B. auch der ehemalige Wassertank zu einem spektakulären Raum verwandelt worden. Er fasste 333 Kubikmeter Wasser. Die rostroten bis blauen Mineralablagerungen an den 30 cm dicken Betonwänden sind nicht entfernt. Überall ist noch das ursprüngliche Material erkennbar, seien es Betonteile, Geländer, Parkettboden oder die mächtigen Wasserrohre und die alten Fenster. Zum Wärmeschutz wurden sie mit einem zweiten Glasfenster von innen ausgestattet. Die zwei aus dem Turmschaft herausragenden Balkone sind nicht nur für die tolle Aussicht gut, sondern dienen als Fluchtwege für eine eventuelle Evakuierung.

Nutzung (ursprünglich): 

Wasserturm für die Bahn

Nutzung (derzeit): 

Architekturbüro, Gastronomie, Veranstaltungsräume

Geschichte: 

Seit 1925 wurde der Wasserturm der Bahn gebaut, aus dem seit Ende der 1920er Jahre die Dampflokomotiven gespeist wurden. Es handelt sich um einen Betonbau, der mit Klinkern verkleidet ist. Das Wasser wurde aus den Quellen des Königsstuhls bezogen, denn es sollte möglichst weich, d.h. kalkarm sein, um in den Kesseln der Loks Verkalkung zu vermeiden. Das Bebäude wurde im Zusammenhang mit dem Bahnbetriebswerk errichtet, das etwa 800 m weiter westlich liegt.

Bis 1972 war der Wasserturm in Funktion, denn damals fuhr die letzte Dampflok. Die Werkstätten und die Schulungsräume in den beiden Flügelbauten wurden in den 1980ern in das Bahnbetriebswerk verlegt. Das Gebäude stand dann 40 Jahre lang leer, sorgfältig verschlossen. 1989 wurde es unter Denkmalschutz gestellt, aber weiter passierte erst mal nichts.

Im Jahr 2014 hat das Heidelberger Architekturbüro AAg den Wasserturm für 400.000 Euro von der Bahnstadtgesellschaft EGH gekauft. Im Umbau steckt ein Vielfaches des Betrags. 2016 wurde der neue Tankturm eingeweiht. Jetzt gibt es dort Büros, Ateliers, Proben- sowie Veranstaltungsräume für öffentliche und private Anlässe. Seminare, Vorträge, Kaminrunden, Konzerte und Kunstausstellungen finden dort statt. Und das sensationell umgestaltete Gebäude wurde auch gleich mit dem Denkmalschutzpreis Baden-Württemberg 2016 ausgezeichnet.

Eigentümer: 
Stefan Loebner, Armin Schäfer, Stephan Weber
Erbauer: 
Reichsbahn
Architekt: 
Umbau: AAg-Architekten Armin Schäfer, Stephan Weber und Stefan Loebner
Bauzeit / Umbauten: 
1925 / 2016
Quellen: 
  • Wikipedia-Artikel
  • Archiv-Artikel im Mannheimer Morgen vom 19.09.2015 von Oliver Richter: Tankturm als Industriedenkmal
Autor/in: 
Barbara Ritter