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Deutsches Schuhmuseum Hauenstein, Museum für Schuhproduktion und Industriegeschichte

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Seitenansicht: Baushausarchitektur unbeeinträchtigt von Umbauten
Museumsfassade: Durch den Anbau des Aufzugs wurde das Museum barrierefrei
 Saal mit Pfaffnähmaschinen: überwiegend Frauenarbeitsplätze
Schwungsradstanze im Hintergrund die alten Heizungsrohre der Fabrik
Histosrische Fotos einer Maschinenhalle mit Transmissisonsrädern
Die Dampfmaschine stand 1928-1993 in der Pirmasenser Schuhfabrik Rheinsberg
Fließbandproduktion und Schuhgeschäft der 50er Jahre
Modelle
Aussagen zu Frauenarbeit in der Schuhindustrie
Manufakturbetriebe aus der Gründerzeit der Hauensteiner Schuhindustrie
Automaische Schuhmaschine der 60er Jahre

Das Museum in dem kleinen südwestpfälzischen Dorf vermittelt tiefe Einblicke in die Geschichte der Schuhproduktion und Industriegeschichte von Hauenstein und die damit verbundene Sozial- und Alltagsgeschichte der Region um Pirmasens in den vergangenen 250 Jahren. Es ist im Gebäude der 1929 errichteten ehemaligen Schuhfabrik Gebrüder Schwarzmüller untergebracht, eine „wunderschöne weiße Schuhschachtel“ (FAZ 1996).

Von der Seite erkennt man die Bauhaus-Architektur gut, während die Eingangfront zuletzt 2008 auch durch den Anbau eines Aufzugs stark verändert wurde. Das Museum beherbergt genau genommen mehrere Ausstellungen rund um das Thema Schuhe:

  1. eine Sammlung von mehr als 3.500 Paar Schuhen aus zwei Jahrtausenden, allen Epochen und allen Kontinenten (Ernst-Tillmann-Sammlung, die größte private Schuhsammlung Europas)
  2. eine Sammlung von Prominenten-Schuhen und originellen bis skurrilen Schuhen (z.B. Schuhe der Größe 180)
  3. die Sozialgeschichte des Ortes und der Region Hauenstein in Bezug auf die Schuhindustrie
  4. die Technik-Geschichte der Schuhherstellung von der Manufaktur bis zu Hightech-Automaten.

Viele Arrangements, Exponate, Dokumente und Fotos zeugen von den Stationen im Leben von Arbeiterinnen (ca. 70% der Belegschaften), Arbeitern und Unternehmern: eine Wohnung einer Heimarbeiterfamilie um 1900, eine Bäckerei um 1925, eine Kantine in der NS-Zeit, ein Schuhladen der 1950er Jahre. Der Alltag von Menschen in einer ehemals von der Schuhindustrie geprägten Region ist beim Gang durch die Ausstellungsräume zu spüren. Aber auch die Industriegeschichte und die technische Seite der Schuhherstellung werden anhand zahlreicher Maschinen erläutert.

Die meisten Maschinen sind nicht nur voll funktionsfähig, sondern werden auch bei Führungen in Betrieb genommen. Nostalgische Manufaktur, aber auch ratternde Maschinen mit dem Flair der zwanziger und dreißiger Jahre, angetrieben über Transmissionsriemen von einer großen (elektrisch betrieben) Dampfmaschine im Erdgeschoß, vermitteln in authentischem Ambiente viele Aspekte der Schuhherstellung und Sozialgeschichte.

Das Museum bietet viele museumspädagogische Anregungen auch für Schulklassen. Eine Führung ist bei der Fülle der Informationen empfehlenswert. Auf alle Fälle sollte man sich die kleine Rundgangsbeschreibung durchlesen und darum bitten, dass die Maschinen zeitweilig zum Laufen gebracht werden.

Nutzung (ursprünglich): 

Schuhfabrik

Nutzung (derzeit): 

Museum seit 1996

Geschichte: 

Weniger als 100 Jahre hat die Epoche der industriellen Fertigung des als Schuhdorf bekannten Hauenstein angehalten. Jetzt lebt der Luftkurort von Tourismus und ist für seine Schuh-Outlet-Meile bekannt.

Noch 1961 gab es in Hauenstein 34 Schuhfabriken mit insgesamt über 2500 Beschäftigten, ca 5% aller in Deutschland produzierten Schuhe kamen aus diesem kleinen Ort. Doch wenige Schuhfabriken haben überlebt, darunter die erste von Anton und Carl-August Seibel 1886 gegründete, die von deren Urenkel Josef Seibel noch heute erfolgreich geführt wird.  Sie bietet Führungen in ihrer „Gläsernen Schuhfabrik“ an.

Über die Geschichte der Firma Schwarzmüller, in der das Muesum untergebracht ist, ist wenig bekannt.

Eigentümer: 
Stadt Hauenstein
Erbauer: 
Firma Schwarzmüller
Architekt: 
Joseph Uhl, Primasens, Umbau 1991-96: Architekturgemeinschaft Schoppe/Schoppe/Lauerbach/Sprau
Bauzeit / Umbauten: 
1929, 1991
Quellen: 

Hauenstein und die deutsche Schuhindustrie, Dr. Michael Wagner, Schriftenreihe 1. Museums für Schuhproduktion und Industriegeschichte Hauenstein, 1997

Autor/in: 
Barbara Ritter