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Ehem. „Ziegel- und Sägewerk Kaiser & Böhrer” in Höpfingen

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Ehem.  Ziegel- und Sägewerk Kaiser & Böhrer in Höpfingen
Ehem.  Ziegel- und Sägewerk Kaiser & Böhrer in Höpfingen

Über mehrere Jahrhunderte wurden im Odenwald und im Bauland Ton abgebaut und Ziegel gebrannt. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts geschah die Fertigung an meheren Orten im industriellen Stil. So auch in Höpfingen, wo sich das "Ziegel- & Sägewerk Kaiser & Böhrer" äußerlich nahezu vollständig erhalten hat.

Nutzung (derzeit): 

Ziegel- und Sägewerk

Geschichte: 

Schon seit Ende des 17. Jahrhunderts wurden in Höpfingen Ziegel gebrannt. Über zwei Jahrhunderte geschah deren Herstellung in Handarbeit. 1897 wurde dann das Ziegel- und Sägewerk Kaiser und Böhrer“ errichtet, das über einen maschinenbetriebenen Ringofen verfügte. Die Fabrik stellte hauptsächlich Dachziegel und Backsteine her. Mit der Ziegelei verbunden war ein Sägewerk, in dem Bauholz und Dachlatten geschnitten wurden. Wenige Jahre nach der Gründung erhielt der Betrieb beim Bau der 1911 eröffneten Eisenbahnlinie Walldürn-Hardheim ein eigenes, rund einen Kilometer langes Anschlussgleis.

Nach einem Brand musste die Fabrik 1928 neu aufgebaut werden und beschäftigte zu Beginn der 1930er Jahre 65 Arbeiter. 1969 stellte die Ziegelei ihre Produktion schließlich ein. Danach standen die Gebäude für fast zwei Jahrzehnte leer. 1988 übernahm der bekannte Künstler Anselm Kiefer das Areal und wandelte das Anwesen in ein Gesamtkunstwerk um, in dem er in den einzelnen Fabrikhallen von ihm geschaffene Kunstwerke aufstellte. 1991verließ Kiefer den Odenwald und zog nach Südfrankreich.

Mitte der 1990er Jahre erwarb ein kunstinteressiertes Ehepaar das Fabrikareal und ließ es anschließend fachgerecht renovieren. Damit wurde sichergestellt, dass der Industriebetrieb sowie das Werk Anselm Kiefers erhalten bleibt.

Die nördlich des Werks auf der anderen Seite der Bundesstraße gelegene ehemalige Tongrube ist seit 1995 Naturschutzgebiet.

Eigentümer: 
privater Eigentümer
Erbauer: 
Ziegel- und Sägewerk Kaiser & Böhrer
Bauzeit / Umbauten: 
1928
Baubestand: 

Die ehemalige Ziegelei gliedert sich in drei Gebäudegruppen. Den östlichen Teil des Betriebs bildet die sogenannte Sumpfhalle. Der mittlere Teil besteht aus dem Presshaus, der westlich Flügel umfasste den Ofentrakt. An der heutigen Bundesstraße befanden sich das Pförtnerhaus und zwei Beamtenwohnhäuser. Mit der Tongrube war das Werk über einen unter der Straße durchführenden Tunnel verbunden.

Quellen: 

Ute Fahrbach-Dreher, Höpfingen, Ziegelei wird Gesamtkunstwerk, in: Denkmalpflege Baden-Württemberg 27 [1998], S. 84f.

Autor/in: 
Sebastian Parzer