Startseite »

Ehem. Schloßquell-Brauerei Heidelberg

Druckversion
Schaugiebel an der Rückseite des Brauhauses nach Süden gelegen
Hoteleingang neben dem ehem. Brauerei-Ausschank
Schaugiebel-Fassade zurückgesetzt an der Bergheimer Straße
Fenster in der Südseite
Fenster nach Süden  im ehem. Sudhaus
Bierdeckel-Darstellung ´Schloßquell Biere´
Bierdeckel-Darstellung ´Heidelberger Schloßquell Bier´

Nach Einstellung des Mälzerei- und Brauereibetriebs begannen 1998 Umbau und Sanierung der Gebäude. Einige südlich gelegene Gebäude wurden abgerissen. Der Brauausschank an der Bergheimer Straße blieb außen unverändert. Das Sudhaus wurde erweitert durch eine teilweise Überdachung des Hofs und zusammengefasst mit Neubauten. Es enthält heute ein modernes Hotel in prägender historischer Substanz. Der neu überdachte ehemalige Hof enthält die Empfangshalle des Hotels. Neubauteile in Stahl und Glas fügen sich zu den jugendstilgeprägten Sudhausfassaden.

An der Bergheimer Straße ist erhalten ein dreieinhalbgeschossiges, traufständiges Steingebäude mit klassizistischen, romantischen Formen des Historismus. Die Putzfassade gliedert sich in fünf Hauptachsen. Merkmale sind: Erdgeschoß als Sandsteinsockelgeschoß, Fensteröffnungen mit Segmentbogengestaltung (teilweise gekoppelt), Lisenengliederung und Sohlbankgesimse. Rückseitig schließen sich die erhaltenen Produktionsgebäude mit den Schaugiebeln an.

Manche sprechen von „Brauerei-Schloß":

Hinter diesem Begriff steht nicht nur eine mit Lisenen, Gesimsen und Bogenfenstern stark gegliederte Fassade. Die Neubauten wurden seinerzeit oft optisch auffällig an damals wichtigen regionalen oder gar überregionalen Verkehrswegen errichtet. Wegen des Platzbedarfs für die Groß-Produktion im Vergleich zur Gasthaus-Brauerei geschah dies meist „vor den Toren der Stadt". Der Repräsentationswert eines solchen mindestens vierstöckigen Gebäudes stand auch für den herrschaftlichen Anspruch des Inhabers in seinem Unternehmen, die wirtschaftliche Bedeutung der „Bier-Fabrik", aber auch für den Stellenwert von Bier als wichtigem Produkt für das tägliche Leben zu dieser Zeit. Das gleiche galt für Brauereien in der Rechtsform einer GmbH oder AG: Der Brauerei-Direktor war der Herr im Schloß und und zählte meist zu den Honoratioren der Stadt.

Was aus anderen Brauerei-Schlössern in der Region wurde, sehen Sie hier:

Ludwigshafen-Oggersheim: Privatbrauerei Gebr. Mayer GmbH & Co. KG. in Ludwigshafen Oggersheim

Mannheim: Alte Brauerei Mannheim

Mosbach: Alte Mälzerei und Hübner-Villa in Mosbach

Weinheim: Ehemalige Bürgerbrauerei Weinheim

Nutzung (ursprünglich): 

Brauerei und Mälzerei

Nutzung (derzeit): 

Hotel und Gastronomie

Geschichte: 

Der Brauer Karl Kleinlein führte 1870 in Heidelberg helles Bier "Wiener Brauart" ein, das er während seiner Gesellenzeit in Österreich kennengelernt hatte. Sein Stammhaus war das „Güldene Schaf" neckarseitig in der Hauptstraße 113. Aus topographischen Gründen konnte sich die Stadt Heidelberg nur nach Westen entwickeln. Von 1870 bis 1878 wurde die Brauerei von der zweiten Generation an den hier beschriebenen Standort verlegt. Zuerst entstanden neue Lagerkeller, dann moderne Neubauten. Zur Finanzierung von Umzug und Neubau entstand die Heidelberger Aktienbrauerei ehem. Kleinlein (HAB) als erste Brauerei in dieser Rechtsform. Um 1885 war die Brauerei eine der ersten Firmen mit Telefonanschluß. 1887 arbeitete die erste Stangeneismaschine. 1907 hatte die Brauerei Motoren mit 145 PS und direkten Gleisanschluß. Die Eisenbahn diente der Anlieferung von Rohstoffen und dem Vertrieb. Das Heidelberger Schloß im Profil wurde seit 1914 zum Logo entwickelt.

Während und nach dem ersten Weltkrieg wurden mehrere lokale Konkurrenten übernommen. Ab 1935 wurde Schloßquell als Sorten- und ab 1951 als Firmenname genutzt, da Wasser aus fünf 1934 erworbenen Quellen am Königstuhl verwendet wurde. Es gab eine sechs Kilometer lange Wasserleitung bis in die Bergheimer Straße. Erst 1962 wurden die beiden letzten Brauereipferde ausgemustert. Die Brauerei gehörte zu den größten in Nordbaden. 1968 übernahm die Schultheiß-Brauerei Berlin-Bochum 75% der Anteile. 1973 wurde Dortmunder Union-Schultheiß Mehrheitseigentümer, 1989 die Brau und Brunnen AG, 1995 der Investor Werner Kindermann. 1998/1999 wurde in Heidelberg-Pfaffengrund eine neue Braustätte errichtet und auf die neue Marke Heidelberger umgestellt. Die Gebäude auf dem alten Betriebsgelände wurden saniert und umgenutzt zu den heute sichtbaren Objekten.

Eigentümer: 
Karl Kleinlein Nachfolger, mehrfache Wechsel
Erbauer: 
Heidelberger Aktienbrauerei
Bauzeit / Umbauten: 
1870-1878, 1907 - Umbau und Sanierung ab 1998
Quellen: 
  • Volker von Offenberg - Prost Heidelberg - Die Geschichte der Heidelberger Brauereien und Bierlokale, Heidelberg, 2005
  • Liste der Kulturdenkmäler der Stadt Heidelberg, Stand 21.7.2008
Autor/in: 
Jürgen Herrmann