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Ehem. Zigarrenfabrik „Gebrüder Maier”

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Neben den Fabriken „J. P. Landfried“ und „M. u. F. Liebhold“ war die Firma „Gebrüder Maier“ die dritte große Zigarrenfabrik Heidelbergs. An ihrem Hauptsitz und in mehreren Zweigwerken war sie über viele Jahrzehnte ein wichtiger Arbeitgeber. Die Firma ist nicht zu verwechseln mit der Zigarrenfabrik „Gebrüder Mayer“  – Mayer mit „y“ –, deren Hauptniederlassung sich in Mannheim befand.

Nutzung (ursprünglich): 

Produktionsgebäude einer Zigarrenfabrik

Nutzung (derzeit): 

Bürogebäude

Geschichte: 

Die Zigarrenfabrik „Gebrüder Maier“ ging 1883 aus der Firma „M. Liebhold und Maier“ hervor, die 1869 in Rohrbach gegründet worden war und sich im Tabakhandel betätigt hatte. Nach der Trennung verlegten Max und Isidor Maier den Sitz ihres Betriebs nach Heidelberg, wo er zunächst in der Bergheimer Straße 36 ansässig war. Die Geschäfte gingen gut, so dass die Fabrik in den 1890er Jahren bereits Filialen in Rohrbach und Nußloch besaß. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ließen die Brüder Maier einen Neubau in der Bergheimer Straße 104 erstellen. 1905 konnte der neue Firmensitz bezogen werden. Das bisherige Fabrikgebäude veräußerten sie anschließend an die Universität Heidelberg, die das Anwesen zur Erweiterung der Universitätsklinik benötigte.

Nach dem Ersten Weltkrieg besaß das Unternehmen sechs Nebenbetriebe in Heidelberg-Kirchheim, Nußloch, Rohrbach, Baiertal, Elsenz und Kirrlach. 1925 beschäftigte die Firma 922 Arbeiter und war damit die drittgrößte Zigarrenfabrik Nordbadens. Zu Beginn der 1930er-Jahre verkaufte die Fabrik ihre Erzeugnisse u. a. an die Handelskette „Edeka“. Mit Beginn des Dritten Reichs war der Betrieb wegen seiner jüdischen Eigentümer zunehmend den Boykottmaßnahmen der Nationalsozialisten ausgesetzt. Schließlich musste die Familie Maier die Fabrik 1936 verkaufen. Den Namen „Gebrüder Maier“ behielt die Firma aber zunächst bei. Ab 1941 gehörte der Betrieb der in Bremen ansässigen „Brinkmann GmbH“.

1949 verfügte der Konzern in Heidelberg über 150 Mitarbeiter, die ausschließlich Zigarren fertigten. Zehn Jahre später stellte die „Brinkmann GmbH“ ihre dortige Produktion ein. Nach Schließung der Niederlassung wurde das Gebäude an die Universität Heidelberg verkauft, die dort das Alfred-Weber-Institut unterbrachte. Vom Ende der 1970er-Jahre bis 2014 hatte darin das Vermessungsamt des Rhein-Neckar-Kreises seinen Sitz. Gegenwärtig wird die ehemalige Zigarrenfabrik u. a. von einer Zeitarbeitsfirma genutzt.

Auch die erste Niederlassung der Zigarrenfabrik „Gebrüder Maier“ in der Bergheimer Straße 36 ist teilweise erhalten. Sie bestand aus einem Wohnhaus, einem rückwärtigen Produktionsgebäude und Stallungen. Die rückwärtigen Gebäude wurden vor einigen Jahren zugunsten einer Wohnbebauung abgebrochen.

Erbauer: 
Zigarrenfabrik "Gebrüder Maier"
Architekt: 
Rindsfüßer & Kühn (Frankfurt)
Bauzeit / Umbauten: 
1905
Baubestand: 

Backsteingebäude im Stil des norddeutschen Jugenstils. Im Hof befindet sich das ehemalige Hausmeisterhäuschen.

Quellen: 
  • Heidelberger Tageblatt, 10. Februar 1894.
  • Badisches Statistisches Amt (Hrsg.), Die Industrie in Baden im Jahr 1925, Karlsruhe 1926, S. 275.
  • Arno Weckbach, Die Judenverfolgung in Heidelberg 1933-1945, Heidelberg 1985, S. 254.
  • Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg (Hrsg.), Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, II.5.2. Stadtkreis Heidelberg – Teilband 2, Osfildern 2013, S. 42.

 

Autor/in: 
Sebastian Parzer