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Ehem. Zigarrenfabrik „M. & F. Liebhold”

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Die ehemalige Zigarrenfabrik M. u. F. Liebhold
Die ehemalige Zigarrenfabrik M. u. F. Liebhold
Die ehemalige Zigarrenfabrik M. u. F. Liebhold
Die ehemalige Zigarrenfabrik M. u. F. Liebhold

Neben Mannheim war Heidelberg im 19. und frühen 20. Jahrhundert das Zentrum der nordbadischen Tabakindustrie. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es in der Stadt 14 Tabak- und Zigarrenfabriken. Die größte und bekannteste war die Firma „P. J. Landfried“, an die heute noch ihr großflächiges Fabrikareal unweit des Heidelberger Hauptbahnhofs erinnert. Aber auch von einigen anderen Zigarrenfabriken haben sich Spuren im Stadtbild erhalten. So das ehemalige Betriebsgebäude der Zigarrenfabrik „M. & F. Liebhold“ in der Bergheimer Straße.

Nutzung (ursprünglich): 

Produktions- und Lagergebäude einer Zigarrenfabrik

 

Nutzung (derzeit): 

Bildungseinrichtung

Geschichte: 

Die Zigarrenfabrik „M. & F. Liebhold“ wurde 1883 von den Brüdern Max Liebhold (1851-1929) und Ferdinand Liebhold (1855-1925) als Offene Handelsgesellschaft in Rohrbach gegründet. Neben Zigarren stellte der Betrieb später auch Rauchtabak her. Das Unternehmen verlegte seinen Sitz bald nach Heidelberg und verfügte 1894 bereits über Nebenbetriebe in Rohrbach, Hockenheim und Kirchheim. 1903 wurde der Neubau in der Bergheimer Straße bezogen. 1921 wandelten die Eigentümer die Firma, die damals über sechs Filialbetriebe in Kirchheim, Bammental, Rohrbach, Hockenheim, Rauenberg und Tairnbach verfügte, in eine Aktiengesellschaft um. Die Zahl der Beschäftigten betrug Mitte der 1920er Jahre  974. 1926 zog die Heidelberger Hauptstelle in das Industriegebiet Pfaffengrund an der Eppelheimer Straße um.

Während des Dritten Reiches waren die Nachfahren der jüdischen Gründer dem Rassenwahn der Nationalsozialisten ausgesetzt. Der ehemalige Direktor Michel Liebhold – er war 1930 aus dem Vorstand ausgeschieden – wurde nach dem November-Pogrom 1938 verhaftet und ins KZ Dachau verbracht. Im Dezember 1938 verstarb er wenige Tage nach seiner Entlassung an einer Krankheit, die er sich während der Haft zugezogenen hatte. Seine Frau und ihre drei Kinder emigrierten zwischen 1938 und 1941 in die Vereinigten Staaten.

Trotz der nationalsozialistischen Herrschaft behielt das Unternehmen noch lange den Namen „M. & F. Liebhold“ bei. Dieser verschwanden erst, als die Firma 1941 von der Zigarrenfabrik „Havilla GmbH“ aus Gießen übernommen wurde. Die „Havilla GmbH“ beschäftigte nach dem Zweiten Weltkrieg in Heidelberg und zwei Nebenbetrieben noch über 500 Mitarbeiter und produzierte Zigarren, Zigarillos und Stumpen. Ende der 1960er Jahre stellte sie ihre Produktion im Rhein-Neckar-Raum ein.

Nach dem Umzug in den Pfaffengrund wurde das Anwesen in der Bergheimer Straße an die Stadt Heidelberg verkauft, die darin 1928 die Gewerbeschule untergebrachte. Heute wird das ehemalige Fabrikgebäude von der örtlichen Volkshochschule genutzt.

Die beiden Firmengründer Max und Ferdinand Liebhold wohnten in unmittelbarer Nachbarschaft zum Betrieb. Sie waren in der Bluntschlistraße 4 und 6 ansässig.

Erbauer: 
Zigarrenfabrik „M. & F. Liebhold“
Architekt: 
Georg Edel
Bauzeit / Umbauten: 
1903
Baubestand: 

Das Gebäude der ehemaligen Zigarrenfabrik ist ein viergeschossiger Klinkerbau mit L-förmigen Grundriss. Die Fassade an der Bergheimer Straße wird durch verschiedenfarbige Ziegel und mehrere Gesimse gegliedert. Zahlreiche Fenster ermöglichten eine gute Belichtung der Arbeitsplätze. Das Eingangsportal wurde wie das Treppenhaus im Inneren beim Umbau zur Gewerbeschule geschaffen.

Quellen: 
  • Heidelberger Tageblatt, 10. Februar 1894

  • Badisches Statistisches Amt (Hrsg.), Die Industrie in Baden im Jahr 1925, Karlsruhe 1926, S. 275.

  • Handbuch der Deutschen Aktien-Gesellschaften 33 (1928), 4. Band, S. 6886.

  • Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg (Hrsg.), Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, II.5.2. Stadtkreis Heidelberg – Teilband 2, Osfildern 2013, S. 38.

 

Autor/in: 
Sebastian Parzer