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Ehemalige Waggonfabrik Fuchs - Wohngebiet

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Die alten Fassaden der Werkshallen
hallenfassade
Wasserturm als Namengeber des Quartiers
Durchblick
Fassade-mit-Balkon
Fassaden bilden kleine Innenhöfe
Durchblick zwischen den Häusern

Auf dem Areal der ehemaligen Waggonfabrik Fuchs in Heidelberg-Rohrbach ist ein neues Wohnviertel entstanden, das Teile der historischen Fassaden erhalten und harmonisch in die neue Architektur eingebunden hat. Es nennt sich nach dem etwas abseits stehenden blauen Stahlwasserturm „Quartier am Turm“.

Nutzung (ursprünglich): 

Waggonfabrik

Nutzung (derzeit): 

Neubaugebiet, gemischtes Gebiet für Gewerbe und Wohnen

Geschichte: 

Von 1862 bis 1957 stellte die Waggonfabrik Fuchs in Heidelberg Eisenbahnwaggons und Straßenbahnen her, zunächst in der Weststadt, seit 1902 in Heidelberg-Rohrbach. Kunden waren vor allem die Badischen Staatseisenbahnen mit Güter- und Personenwagen, die Elektrische Straßenbahn Heidelberg–Wiesloch (übrigens ebenfalls mit Güterwagen für den Transport des Schotters zwischen Steinbruch und dem Leimener Zementwerk), Heidelberger Straßen- und Bergbahn AG (HSB), Oberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft (OEG), Rhein-Haardtbahn (RHB), aber auch die Berliner U-Bahn.

Die bewegte Geschichte der Aktiengesellschaft, die in den 1920er Jahren mehrmals vor dem Zusammenbruch stand, sowie die vielfältigen Produkte sind detailliert in den Beiträgen von Bernhard König (siehe Quellen) geschildert. Wegweisende Techniker, Konstrukteure und Designer gehörten dem Werk an, sie führten u.a. den Durchgangswagen ein. Viele der Entwicklungen der Waggonfabrik Fuchs waren noch Jahrzehnte nach Aufgabe des Werkes in Betrieb.

Pioniere des Verkehrswesens werden im Quartier am Turm mit Straßennamen geehrt, darunter auch Georg Mechtersheimer, der Designer der "Gläsernen Züge" (gebaut in zwei Exemplaren von der Waggonfabrik Fuchse und AEG), und Franz Kruckenberg, der allerdings nicht für Fuchs gearbeitet hatte. Franz Kruckenberg (1882 Uetersen bis 1965 Heidelberg) kam über den Luftschiffbau (Schütte-Lanz in Mannheim/Brühl) zum Schienenschnellverkehr und gründete 1924 in Heidelberg die "Gesellschaft für Verkehrstechnik". Er ist bekannt für den "Schienenzeppelin" (1930/31) und der Schnelltriebwagen SVT 137 155, der 1939 auf der Strecke Hamburg - Berlin eine Geschwindigkeit von 215 km/h erreichte. Seine Fahrzeuge wurden nicht in Heidelberg gebaut.

1957 wurde die Waggonfabrik Fuchs an International Harvester Company verkauft, die Land- und Baumaschinen bis 1983 fertigte. Zuletzt gehörte die Fabrik dem japanischen Baumaschinenkonzern Furukawa, der 1995 die Produktion einstellte.

Die Werksanlagen waren noch beinahe vollständig erhalten, als im September 2001 die Räumung begann. Die Interessengemeinschaft Nahverkehr Rhein - Neckar e.V. (IGN), gegründet von Mitarbeitern der Verkehrsbetriebe im Rhein - Neckar - Raum, betreut u.a. mehrere historische Fahrzeuge die in den frühen 1950er Jahren in der Waggonfabrik Fuchs gebaut wurden, und führt diese gelegentlich in der Öffentlichkeit vor. Der Verein setzt sich für die Einrichtung eines Nahverkehrsmuseums in der Region ein.

Eigentümer: 
privat
Erbauer: 
Heinrich Fuchs
Bauzeit / Umbauten: 
1902 als Fabrik fertigestellt, 2002 Abriss und Neubebauung
Baubestand: 

Vom alten Baubestand sind nur einige Fassaden erhalten.

Quellen: 
  • Bernhard König: Schienenfahrzeugbau in Heidelberg, auf der Website der Eisenbahnfreunde ef-heidelberg
  • Bernhard König: Die Waggonfabrik Heinrich Fuchs in Heidelberg, in: BDEF-Jahrbuch 1990, Lübbecke 1990.
  • Lessing: Triebwagen-Design aus Heidelberg – Die H. Fuchs Waggonfabrik AG, in: Blum (Hrsg.): 'Pioniere aus Technik und Wirtschaft in Heidelberg', Aachen 2000.
  • Damit nichts bleibt wie es ist: Dokumente zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Heidelberg 1845-1949, herausgegeben von der Verwaltungsstelle Heidelberg der Industriegewerkschaft Metall, 1986.
Autor/in: 
Barbara Ritter