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Ehemaliges Elektrizitätswerk Rheinau

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Giebel nach Süden in kräftigen Farben (Foto Ritter 2010)
Backsteinkunst an  der Fassade (Foto Ritter 2010)
historisches Foto ca. 1899 (aus: Rheinau, Illustrierte Geschichte eines Mannheimer Vorortes, Bearbeitet von Hanspeter Rings, Mannheim 1988)
Seitenansicht (Foto Ritter 2010)
E-Werk mit den Vorbauten im Norden (Foto Ritter 2010)
Nordseite und gegenüberliegende Häuser (Foto Ritter 2010)
Verzierungen rund um die Hallenfenster (Foto Ritter 2010)
Fenster von innen (Foto Ritter 2010)
Halle von Innen (Foto Ritter 2010)
Hebevorrichtung und Wand von Innen (Foto Ritter 2010)
im Keller: ein Wald von Betonpfeilern (Foto Ritter 2010)
Gitter und Blech-Absperrung im Keller (Foto Ritter 2010)
Einer von zwei Öfen der Mannheimer Firma Esch (Foto Ritter 2010)
nachträglich eingebauter Luftschutzkeller mit Rissen in der Wand (Foto Ritter 2010)
Ordnung im Luftschutzkeller (Foto Ritter 2010)
Keller-Außenmauern sind aus Sandstein (Foto Ritter 2010)
Keller-Betonstreben (Foto Ritter 2010)
alte und neue Warnung an der Tür zum Schaltraum im Keller (Foto Ritter 2010)
alte Isolatoren (Foto Ritter 2010)

Ungewöhnlich in der Farbe und mit einer reich verzierten neuromanischen Backsteinfassade steht der lang gestreckte Hallenbau des ehemaligen Elektrizitätswerks Rheinau direkt an der Rhenaniastraße. Der Bauschmuck entsteht durch den Wechsel von hellen und dunkelroten Backsteinen sowie durch senfgelben Putzflächen und durch kunstvoll versetztes Mauern.

Über den zehn großen Sprossen-Fenstern an der Längsseite stehen jeweils fünf schmale Rundbogenfenster, die einen fast sakralen Eindruck vermitteln. Der südliche Giebel weist im Erdgeschoß drei Fenster auf und ein großes Halbrund im oberen Bereich. Der nördliche Giebel hat zwei niedrigere Vorbauten.

Die Halle ist von innen um eine Fensterbreite kürzer, da der nördliche Teil für Büros genutzt wird. Die Fenster sind fast alle noch schön gegliedert, die Wände haben Backsteinbögen und sind weiß verputzt. Am südlichen Giebel ist ein schwerer Hebehaken unter der Decke angebracht. Der Hallenboden ist mit Knochenbetonpflaster belegt. Die Dachkonstruktion ist sichtbar.

Der Bau ist vollständig unterkellert. Maschinen sind auch hier nicht mehr erhalten. Zu sehen ist die Feuerungsanlage, ein Doppelofen „Kronos Nr.7“ der Mannheimer Ofenbauer Esch. Ein Labyrinth von hohen Betonstreben, langen Gängen mit Schienen auf dem Boden, engen Kammern und größeren Stellflächen mit schwarzen Spuren, lassen Experten möglicherweise die Lage der Maschinen erkennen. Die Außenmauern des Kellers sind aus dicken Sandsteinen gebaut. Mitten im Keller ist eine Luftschutzanlage eingebaut: rosa angestrichen, mit schweren Rissen in der Wand, aber mit akkurater Ordnung in den Regalen der "Sanitäter, Luftschutzwarte und des Kraftfahrerwiederherstellungstrupps".

Alle anderen Gebäudeteile sind renoviert und als Büros oder Lager vermietet, ihre alte Funktion ist nicht mehr erkennbar. Als Elektrizitätswerk hat der Bau nur etwas mehr als 20 Jahre gedient, heute nutzt ihn, neben mehreren Mietern, vor allem die g&g messebau GmbH. Der Blick über die Bahngleise der Rheintalbahn geht auf einige sehr schöne Jugendstilwohnhäuser von Rheinau. Das erste Rheinauhafen-Becken liegt nahe nach Westen. Hier ist auch das alte Pegelhäuschen von besonderem Interesse  und natürlich die alte "Sunlicht".

Nutzung (ursprünglich): 

Elektrizitätswerk

Nutzung (derzeit): 

Lager, Büros, Atelier für Messebau

Geschichte: 

Das Elektrizitätswerk wurde 1897 auf Betreiben der im Rheinauer Hafen ansässigen Firmen durch die AEG Berlin geplant und gebaut. Rheinau war noch eine selbständige Gemeinde (Eingemeindung nach Mannheim 1913). Als das Werk mit drei Sulzer'schen Dampfmaschinen von je 400 PS 1899 in Betrieb ging, sah es noch deutlich anders aus: es war nur halb so lang, hatte jedoch wesentlich aufwändigere Giebel, nach Norden sogar zwei Giebel mit geschwungenen Verzierungen. Hinzu kam natürlich ein hoher Schornstein.

Die Energieerzeugung im Jahre 1908 betrug 4 270 000 Kilowattstunden Sie wurde ständig ausgebaut. Der Ausbau der Halle auf die doppelte Länge steht damit im Zusammenhang. 1911 wurde das Werk von der Oberrheinischen Eisenbahn Gesellschaft (OEG) übernommen. Das Werk versorgte vor allem die sich im Hafen ansiedelnde Industrie, aber auch die Straßenlaternen von Rheinau.

1912 wurde mittels einer Kabelverbindung zwischen dem städtischen Elektrizitätswerk am Industriehafen  der Verbundbetrieb beider Kraftwerke ermöglicht. Gemeinsam versorgten die beiden Kraftwerke ganz Mannheim bis zum Bau des Großkraftwerkes, das 1923 in Betrieb ging.

Die Stromerzeugung wurde ab diesem Zeitpunkt im Rheinauer E-Werk eingestellt, es diente fortan als Verteilerstation. Ein Brand hat das E-Werk Rheins schwer beschädigt, es wurde 1924-1926 vor allem an den Giebelseiten und im Dach vereinfacht wieder aufgebaut. In den 1970er Jahren verkauft die OEG die Gebäude an die Mannheimer Stadtwerke. Seit 2005 gehörte es dem Bauunternehmen Bilfinger und Berger, die darin einige Büros unterhalten (z.B. BB-Instandsetzung GmbH und BB-Ingenieurbau ZN MA). 2009 kaufte es die Investorengruppe GbR Gaul/Steitz/Zeilfelder, die die große Halle an die g&g messebau GmbH vermietete. Dieses  Atelier für Messen und Events hat sich umbenannt in Wirkungsgrad GmbH.
 

Eigentümer: 
GbR Gaul/Steitz/Zeilfelder, Mannheim
Erbauer: 
AEG Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft Berlin
Architekt: 
Erasmus Kittler, Prof. für Elektrotechnik an der TH Darmstadt
Bauzeit / Umbauten: 
1897-99, Umbau 1924-26
Quellen: 
  • Mannheim und seine Bauten 1907-2007, Mannheim 2004 Rheinau, Illustrierte Geschichte eines Mannheimer Vorortes, Bearbeitet von Hanspeter Rings, Mannheim 1988
  • Webseite von Albert Gieseler
Autor/in: 
Barbara Ritter