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Ehemaliges Zentralumspannwerk in Ludwigshafen

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Treppenhaus und Eingang mit markanten gebogenen Fenstern
Eckhaus an einem urbanen Platz
West-Seite mit Balkon
Einfahrt mit beiden Reliefs
Von der Größe her eher eine Energiespar-Birne
Balkon
Hof
Seitenansicht

Das repräsentative expressionistische Bauwerk diente Jahrzehnte lang der Elektrizitätsversorgung Ludwigshafens sowie der Stadtverwaltung. Hier waren die Schaltanlagen, eine große Kommandozentrale und die Verwaltung untergebracht. Jetzt wird es zu Wohnungen umgebaut.

In dem Gebäudekomplex waren zwei Nutzungen vereint und architektonisch geschickt voneinander getrennt. Ein Teil des Umspannwerks ragt in den Gebäudeteil hinein, der immer für die Stadtverwaltung genutzt worden war. Von außen war durch die einheitliche Fenstergestaltung davon nichts zu sehen.

Der viergeschossige Baukubus mit Flachdach ist eine Eisenbetonkonstruktion, die mit roten Klinkern verkleidet ist. Die senkrechten Fugen zwischen den Steinen sind rot ausgemalt, so dass eine stark waagerechte Struktur auf den Hausflächen entsteht. Ganz oben bilden senkrecht gestellte Klinker ein Ornament, das sich um das gesamte Eckgebäude zieht.

Auf der Berliner Straße springen zwei halbrunde Treppenhäuser mit starken Backsteinornamenten und original erhaltenen Fenstern aus gebogenem Glas vor. Sie ragen wie Türme über das Flachdach hinaus. Prägnant sind die Regenwasserfänger und die Ableitungsrohre rechts und links der Treppenhäuser ausgearbeitet. Auch die Gitter an den Oberlichtern über den Eingangstüren zu den Treppenhäusern sind original erhalten. Über dem Eingangtor in der Berliner Straße ist ein Wappen mit der Jahreszahl 1928 angebracht.

Auf der Lutherstraße befindet sich die große Durchfahrt in den Hof zur ehemaligen Kommandozentrale. Die Einfahrt ist flankiert von zwei hellen allegorischen Flachreliefs, die sich auf Elektrizität beziehen: Eine Frau mit Hammer und Blitz, ein Mann mit einer Glühbirne und einem Zahnrad.

Das Erdgeschoß bis zur ersten Fensterreihe besteht aus schweren, fast schwarzen, bossierten Basaltquadern. Im ersten und zweiten Geschoss bilden nahe bei einander liegende, fast quadratische Fenster optisch ein umlaufenes Band. Sie sind mit leicht abgeschrägten hellen Wandelementen und durchgehenden Simsen verbunden. Die beiden oberen Geschosse haben deutlich weniger Fenster, die teilweise auch kleiner sind.

Die Gebäude-Ecke ist durch eine Hochstufung betont, die sich auf ca 2/5 der Fassade erstreckt. Verstärkt wird die Eckenbetonung im obersten Stockwerk durch einen umlaufenden, von unten weißen Balkon mit einem Eckfenster und einem Fahnenmasten. Auch im Innenhof sind durch vorgesetzte Backsteine Ornamente in die Fassaden eingebaut.

Der ursprüngliche reine Funktionsbau steht heute an einem herausragenden Platz gegenüber dem Hackmuseum und wird im Zuge der Stadtentwicklung zur Wohnanlage "Stadthaus am Lutherplatz" umgebaut. Das markante Gebäude gilt als beachtenswertes, intakt erhaltenes Beispiel, das die neuzeitlichen Ideen des Bauhauses und des Expressionismus verbindet.

Nutzung (ursprünglich): 

Zentrales Umspannwerk und Verwaltungsbau

Nutzung (derzeit): 

Steht kurz vor dem Umbau zu einer Wohnanlange

Geschichte: 

1928: Bau als Zentralumspannwerk der Stadt Ludwigshafen. Nutzung für städtische Ämter 2010: Umnutzung als „Stadthaus Lutherstraße“. Es entstehen derzeit ca. 50 Wohnungen

Eigentümer: 
S & O Projektgesellschaft mbH
Erbauer: 
Stadt Ludwigshafen
Architekt: 
Städtisches Hochbauamt unter Leitung von Regierungsbaumeister Hans Graf
Bauzeit / Umbauten: 
1927-1929
Autor/in: 
Barbara Ritter