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Füllfederhalter-Museum in Heidelberg

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Ausstellungsraum (Foto 2017, Ritter)
Werkstatt (Foto 2017, Ritter)
Fotos von der Originalwerkstatt
Tinten (Foto 2017, Ritter)
Vergoldete Federn (Foto 2017, Ritter)
Ausstellungsstück: Auftragsbuch von Kaweco (Foto 2017, Ritter)
Spannvorrichtung benutzt beim Ausbohren von Füllergehäuse (Foto 2017, Ritter)
Stangen aus unterschiedlichen Materialien für die Herstellung der Gehäuse (Foto 2017, Ritter)
Sogar "Anfassen" ist manchmal erlaubt (Foto 2017, Ritter)
In Stein gehauener Füller in der Dossenheimer Landstraße 98 (Foto 2017, Ritter)

Vor 60 Jahren konnte man als Schüler schon mal vor die Tür gestellt werden, wenn man mit dem Deckel vom Tintenfässchen rumgeklappert hatte. Heute steht eine hölzerne Schulbank mit dem eingebauten Tintenfässle draußen vor der Seitentür des Alten Handschuhsheimer Rathauses, als Zeichen, dass das Füllfederhaltermuseum geöffnet hat.

Im Herbst 2016 eröffnete der Sammler Thomas Neureither mit Unterstützung des Stadtteilvereins dieses sehr spezielle Museum. Wie kommt man auf so eine Idee? Heidelberg – und speziell der Stadtteil Handschuhsheim - war von ca. 1900 bis in die 1930er Jahre ein Zentrum der europäischen Füllfederhalterindustrie. Thomas Neureithers Großvater hat bei dem größten der damaligen Hersteller gearbeitet, bei der Firma Kaweco mit ihren ca. 1200 Beschäftigten. Nach deren Konkurs im Jahr 1929 hat er sich mit einer Werkstatt für Füller-Reparatur selbstständig gemacht.

Ringe für Verschlusskappen (Foto 2017, Ritter)Und so ist die nachgebaute kleine Werkstatt des Seniors ein lebendiger Teil der Ausstellung: mit den Maschinen die noch funktionieren, mit Stäben und Röhrchen von bunt schillernden und marmorierten Materialien wie z.B. Celluloid, aus denen die Füllergehäuse gedreht wurden, mit goldenen Federn und Kästen voller Ringe für die Verschlusskappen.

In der Halle sind die Exponate von etlichen Heidelberger Füllerherstellern versammelt: Füller für alle Gelegenheiten – nicht nur die einfachen Modelle für die Schule, sondern auch die der Extraklasse für die Unterzeichnung bedeutender Dokumente, Designer-Ikonen, rare Sammlerstücke oder Füller z.B. für die Reise. Außerdem Tinten, Tintenfässer, Werbung, Reklamemarken.

Die ehemalige Feuerwehrgerätehalle ist vorzüglich saniert: mit teilweise sichtbaren Sandstein-Mauern und –Bodenplatten, groß genug für eine Schulklasse.

Thomas Neureither erklärt die Werkstatt (Foto 2017, Ritter)Doch das Beste ist Thomas Neureither selbst, mit seinen tausend Geschichten und einem so tiefen Wissen um alle Themen rund um die kleinen Schreibgeräte. Es ist unglaublich, was es da alles zu erzählen gibt. Und immer wieder packt einen die Nostalgie. Denn auch wenn man heute nur noch mit der Tastatur und „Kuli“ zu tun hat, irgendwann hat man auch mit seinem eigenen Füller schreiben gelernt.

Von den über 40 Betrieben der Füllerindustrie in und um Heidelberg sind nur zwei – aber umso bedeutendere - Welt-Firmen übrig geblieben: die C. Josef Lamy GmbH in Wieblingen und die Peter Bock AG, Hersteller vor allem von Federn in Handschuhsheim. Von den alten  Firmen wie Mercedes, Reform, KAWECO, OSMIA, Böhler ist leider außer einigen Gebäuden nicht mehr viel zu sehen. Eine Ausnahme ist das stattliche Firmengebäude von KAWECO in der Dossenheimer Landstraße Nr. 98, das später von der Firma H. Hebborn und Co, „Fabrik für Füllhalter und Füllbleistifte“ übernommen wurde. Mit seinen imposanten in Stein gehauenen Füllern am Eingang dient das Gebäude inzwischen als Textilkaufhaus.

Nutzung (ursprünglich): 

Handschuhsheimer Rathaus, Feuerwehrhalle

Nutzung (derzeit): 

Museum

Geschichte: 

Mehr zur Geschichte der Füllfederhalter-Industrie in Heidelberg finden Sie unter der Objektbeschreibung des ehemaligen Fabrikgebäudes der Kaweco und der Fa. Hebborn in der Dossenheimer-Landstraße 98, in Heidelberg-Handschuhsheim.

Autor/in: 
Barbara Ritter