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"Freischwimmer" im ehem. Hallenbad Nord in Lu

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leeres Schwimmbecken 2005 (Foto Ritter)
Schwimmbecken 2017 (Foto Ritter)
Blick über das Becken in den Park  2017 (Foto Ritter)
Illusionsmalerei im Hallenbad, Foto Ritter 2017
Sauna: Wandmosaik von Rolf Müller-Landau IFoto Ritter 2017)
Sauna: Wandmosaik von Rolf Müller-Landau IFoto Ritter 2017)
Eingangshalle 2005 (Foto Ritter)
Technik des alten Hallenbades 2005 (Foto Ritter)
Ersatzfliesenlager des alten Hallenbades 2005 (Foto Ritter)
Das Lehrschwimmbecke im Umbau zu einem Konferenzsaal (Foto Ritter 2017)
LuCation: ehem. Schwimmbecken, Löschwasserreserve mit Kunstausstellung
Die Tribüne im Hallenbad (Foto Ritter 2017)
ehem. Umkleidekabinen (Foto Ritter 2005)
ehem. Seifenschalen bei den Duschen (Foto Ritter 2017)
Sprungbrett und Einfüllstutzen für das Löschwasser (Foto Ritter 2017)

Einst ein „Geschenk“ der BASF an die Stadt Ludwigshafen, wird das 1956 eröffnete Hallenbad nach fast 50 Jahren  geschlossen. 2018 ist das große Becken ein Löschwasserreservoir, die Umkleidekabinen und Sauna wurden zu einem Zentrum für Start-up-Unternehmen um – unter dem sinnigen Namen „Freischwimmer“.

Als 1956 das erste Hallenbad der Stadt Ludwigshafen eröffnet wurde, gab es den Begriff "Spaßbad" noch nicht, da sprach man davon, dass es eine Kombination von "Sport-Bad und Volksbad" sei, ein „Ort des gesteigerten Lebensgenusses“.

Durch die Lichtdurchflutete Eingangshalle mit buntem Steinfußboden hat man einen Blick auf einen großzügigen Gartenhof. Die Schwimmhalle hat riesige Fenster auf eine kleine Parkanlage nach Süden.  Die dreireihige Tribüne hat Platz für 500 Zuschauer. Durch Unterwasserfenster kann man die Vorführung der Kunstschwimmer in allen Phasen beobachten.

Zum „Lebensgenuss-Konzept“ gehören ein Frisör und eine Milchbar im Eingangstrakt, ein Schwitzbad und eine Sauna, die vor allem deshalb berühmt wurde, weil hier auch der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl ins Schwitzen kam. Wirklich etwas fürs Auge sind dagegen die Wandmosaiken von Rolf Müller-Landau, die in der Sauna angebracht sind.

Das Schwimmbecken ist 25x15 Meter groß und ist 1,30-3,60 Meter tief. Ein Dreimetersprungbrett steht bereit. Es hat 6 Bahnen und fasst 1.000 000 Liter Wasser. Es ist auch heute noch bis zum Rand gefüllt, aber es schwimmt keiner mehr darin. Und zwar schon seit 2001 nicht mehr.

Ins Hallenbad Nord ist nach jahrelangem Leer- und Stillstand sei 2017 wieder Leben eingekehrt. Abfallwirtschaft GML nutzt das große Schwimmbecken als Löschwasserreservoir. Den anderen Teil bauen ab 2016 die Technischen Werke (TWL) zu einem Zentrum für Start-up-Unternehmen um – unter dem sinnigen Namen „Freischwimmer“. Das Lehrschwimmbecken wird zum Vortragssaal, Einzelumkleidekabinen zu Rückzugsorten, die Mosaike der Sauna und die Milchbar bleiben. Ein gelungenes Umnutzungsprojekt.

Auch die Öffnung für Kunst wird erhalten bleiben. Das Hallenbad ist eine „LuCation“ – einer der außergewöhnlichen Orte in Ludwigshafen, an denen Kunst und Kultur stattfindet.

Nutzung (ursprünglich): 

Hallenbad

Nutzung (derzeit): 

Löschwasserreservoir, Zentrum für Start-Up Unternehmen

Geschichte: 

1953 Anlässlich des 100 Jährigen Stadtjubiläums spendete die BASF der Stadt eine Million DM zu Bau eines Hallenbades. Die Bauzeit beträgt 26 Monate, und die Gesamtkosten tatsächlich 4,3 Mio DM. Die Unterhaltskosten und Reparaturen hat die Stadt zu tragen. Soviel zum Geschenk.

Der Architekt Heinrich Schmitt kann auf Pläne zurückgreifen, denn schon 1940 hatte sich die BASF/ IG Farben überlegt, ein Hallenbad zu stiften, was wegen des Krieges nicht mehr ausgeführt wurde.

Am 28.10.1956 eröffnet das Hallenbad und wird ausgesprochen gut angenommen mit täglich etwa 600 Besuchern.

1957 finden Kunstschwimmmeisterschaften statt, überhaupt öfter Wettkämpfe.

1973 wir das Hallenbad Süd eröffnet, seither heißt das in der Pettenkofer Straße „Hallenbad Nord“.

In frühen 1990er Jahren wird ein hoher Sanierungsbedarf am Hallenbad festgestellt, gleichzeitig  befindet sich die Stadt in einer erheblichen Finanzkrise. Die Schließung des Bades kommt ins Gespräch, und löst großen Widerstand mit Unterschriftensammlungen und Schaubaden aus.

1995 fällt die Entscheidung für das Aus,

2001 erfolgt die endgültige Schließung. Kein Plan, was weiter damit passieren soll.

2003 kämpft eine Bürgerinitiative für  den Erhalt des Gebäudes. Es soll zunächst unter Denkmalschutz gestellt werden, aber weiter ist die Zukunft unklar, denn niemand will das große Gebäude kaufen.

2009 Eintragung in die Denkmalliste.

Es finden dort sporadisch Ausstellungen und Musikveranstaltungen statt. Idee eines Chemiemuseums taucht auf und wieder unter.

2013 kauft die Abfallwirtschaftsgesellschaft einen Teil: die Schwimmhalle. Sie dient nach einigen technischen Umbauten ab 2015 als Löschwasserbecken für das Müllheizkraftwerk der GML Abfallwirtschaftsgesellschaft mbH. Der Brand im nahe gelegenen Kraftwerk im Jahr 2010, der Millionenschaden verursacht hatte, war Ausgangspunkt für die Suche nach verbessertem Brandschutz.

2016 gehen die restlichen 4.600 qm gehen an die TWL (Technische Werke Ludwigshafen, eine 100%ige Stadt-Tochter). Diese baut den Bereich der ehemaligen Umkleidekabinen, Lehrbecken, Sauna und Verwaltung zu einem Zentrum für Start-Up Unternehmen um. Viele bauliche Strukturen und Details bleiben erhalten, obwohl es ein vollständiger Umbau ist. Auf 2.400 qm entstehen etwa 100 Büroarbeitsplätze.

Eigentümer: 
GML Abfallwirtschaftsgesellschaft mbH, TWL Technische Werke Ludwigshafen
Erbauer: 
Stadt Ludwigshafen
Architekt: 
Heinrich Schnitt
Bauzeit / Umbauten: 
1954-56, 2015-18
Autor/in: 
Barbara Ritter (Juli 2018)
Letzte Änderung: 
Dienstag, 24. Juli 2018