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Gewehrschäftefabrik J.Friedrich

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Gravur von J.Friedrich über dem Eckfenster im Erdgeschoß
Wohnhaus von Norden mit Gravur von J.Friedrich unter dem Balkon
Zwischen Wohnhaus und Nebenhaus geht der Blick über den Hof zu rückseitigen Werkstattgebäuden.
Nebenhaus mit veränderter Fassade zur Straße
Visitenkarte von Julius Friedrich - Original 146 x 91 mm
Briefkopf von 1910
Fabrik 1961 links vom  Wasserturm - Ausschnitt aus einem Luftbild - Quelle: Stadtarchiv Weinheim 5547_3
Blick von der Villa der Gewehrschäftefabrik zum Bahnübergang frühere Mannheimer Straße / heutige Viernheimer Straße mit Dampflok und Schranken in Bewegung - Vergrößern zum Gesamtbild!
Gewehrschäftefabrik / Julius Friedrich mit Zylinderhut und Hund in der Bildmitte - Vergrößern zum Gesamtbild!
Betrieb - Panoramaaufnahme von der Villa nach Norden ca. 1930 - Bitte vergrößern ! - Quelle: Privatbesitz
Kran zum Entladen der Stämme ca. 1930 - Bitte vergrößern ! - Quelle: Privatbesitz
Holzlager im Betrieb - Aufnahme von der Villa nach Norden ca. 1930 - Bitte vergrößern ! - Quelle: Privatbesitz

"Speciallager in DEUTSCH-NUSSBAUMHOLZ rund und geschnitten für alle Industriezweige" bot Julius Friedrich auf der mehrsprachigen Visitenkarte seiner Gewehrschäftefabrik. Sein dampfbetriebenes Sägewerk lag auf der Rückseite des Weinheimer Bahnhofs am Bahnübergang der Straße nach Viernheim/Mannheim. Vom Werk ist nichts erhalten, aber interessante Belege und der Hinweis am Wohnhaus sollen die Fabrik, ihren Inhaber und das selten angebotene Produkt in Erinnerung rufen.

Nutzung (ursprünglich): 

Wohnhaus mit Nebenhaus und Werkstatt

Nutzung (derzeit): 

Wohnungen und Lager

Geschichte: 

Der Schreinermeister Heinrich Julius Friedrich gründete 1879 auf dem Grundstück damalige Mannheimer Str. 8/heutige Viernheimer Str.8 seine Firma. 30-40 Mitarbeiter produzierten aus jährlich bis zu 3000 Nußbaumstämmen Gewehrschäfte für Militär-, Jagd- und Sportwaffen. Die rohen Schafthölzer wurden in Deutschland verkauft, aber auch nach Rußland und in die Schweiz geliefert. Die Visitenkarte übersetzt die Gewehrschäftefabrik ins französische "Fabrique de Bois de Fusils" und ins englische "Manufactory of Gunstocks". Die Sprachen dokumentieren wahrscheinlich nur den internationalen Lieferanspruch und weniger konkrete Abnehmer in Frankreich und England.

Schon im 17. und 18.Jahrhundert waren in Weinheim und Umgebung zahlreiche Walnußbäume angepflanzt worden. Aus dieser Tradition, begünstigt durch den guten Wuchs im milden Bergstraßenklima ergab sich die lokal besondere Rohstoffgrundlage.

Nach dem 1.Weltkrieg wurden in reinem Sägewerkbetrieb Laub- und Edelhölzer verarbeitet. Schafthölzer wurden erneut von 1930 bis zum Ende des 2.Weltkriegs produziert. 1954 wurde beim Rückblick auf die 75jährige Firmengeschichte von Laubholzimporten berichtet, die "in der Möbelfabrikation, im Schiffbau und in vielen anderen Industriezweigen Verwendung finden". Der Bezug zum Rohstoff Holz war in Verbindung zum Haupttransportmittel Eisenbahn auch für etliche andere Weinheimer Fabriken maßgeblich. Besonders Stühle, Tische und Schulmöbel waren bekannte Produkte aus Weinheim. Nach dem o.g. Firmengründer übernahm der 1954 verstorbene Sohn August Julius Friedrich und danach dessen Sohn Georg Julius Friedrich das Geschäft. Das Sägewerk ist verschwunden. Heute sind an gleicher Stelle Parkplätze der benachbarten Freudenberg-Gruppe. Außer den hier in Bildern gezeigten Gebäuden stand bis September 2013 noch die 1939 umgebaute Villa.

Eigentümer: 
-
Erbauer: 
Julius Friedrich
Architekt: 
-
Bauzeit / Umbauten: 
1894, 1939 Umbau der Villa und Errichtung eines Anbaus, 2013 Abriß der Villa
Baubestand: 

-

Quellen: 
  • Stadtarchiv Weinheim: Notiz und Verzeichnis von Archivalien und Bauakten
  • Weinheimer Nachrichten: Sonderausgabe 1200 Jahre Weinheim 30.Juli-8.August 1955
  • Grau, Ute und Guttmann, Barbara: Weinheim - Geschichte einer Stadt, Edition Diesbach Weinheim 2008
Autor/in: 
Jürgen Herrmann