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Hotel „Prinz Wilhelm”

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Prinz Wilhelm, heutiges Aussehen, 2015 (Signatur: Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 25204)
Prinz Wilhelm, heutiges Aussehen, 2015 (Signatur: Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 25205)
Prinz Wilhelm, heutiges Aussehen, 2015 (Signatur: Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 25206)
Sandsteinmaske, Detail an der Außenfassade, 2009 (Signatur: Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 21796)
Balkongeländer mit Jugendstilornamenten, 2009 (Signatur: Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 21797)
Gusseiserne Säule im Erdgeschoss, Hersteller: Carl Flink Mannheim, 2009 (Signatur: Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 21812)
Holzpfosten der Treppe, 2009 (Signatur: Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 21798)
Unterseite der Treppe, 2009 (Signatur: Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 21800)
Detail eines Türrahmens, 2009 (Signatur: Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 21805)
Detail der Wand- und Deckenverkleidung, 2009 (Signatur: Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 21808)
Blick in die Zimmer mit den originalen Türrahmen, 2009 (Signatur: Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 21803)
Gastwirt Heinrich Ehret III. (Signatur: Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 15790)
Prinz Wilhelm mit Konzerthallenanbau von 1892, um 1900 (Signatur: Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 15788)
Wasserheilanstalt „Wilhelmsbad“, Postkarte, um 1895 (Signatur: Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 3832)
Kurgarten „Wilhelmsbad“, Postkarte, um 1895 (Signatur: Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 3831)
Prinz Wilhelm nach dem Umbau von 1907, um 1910 (Signatur: Stadtarchiv Weinheim Rep. 32 Nr. 2285)

Wenn jemand heute in dem stattlichen Gebäude gegenüber dem Weinheimer Bahnhof übernachtet, tut er dies im Allgemeinen nicht freiwillig. Das war früher ganz anders. Der „Prinz Wilhelm“ gehörte um die Wende des 19. zum 20 Jahrhundert zu den besten Hotels in Weinheim und verfügte über eine eigene Konzerthalle. Seit 1956 ist in dem Anwesen „Am Hauptbahnhof 4“ das Weinheimer Polizeirevier untergebracht.

Nutzung (ursprünglich): 

Hotel „Prinz Wilhelm“

Nutzung (derzeit): 

Polizeirevier Weinheim

Geschichte: 

Das ehemalige Hotel „Prinz Wilhelm“ ist ein wichtiger städtebaulicher Teil der Bahnhofsgestaltung. Es gehörte um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert neben dem „Pfälzer Hof und den „Vier Jahreszeiten“ zu den besten Hotels in Weinheim.

Das großherzogliche Bezirksamt Weinheim genehmigte 1868 die „Errichtung einer Restauration am hiesigen Bahnhof“. Nach einem Geländetausch mit der Main-Neckar-Bahn errichteten Christoph und Maria Christina Katharina Ehret hier das Hotel „Prinz Wilhelm“. Der Grund für die Benennung ist nicht bekannt, ebensowenig welcher „Prinz Wilhelm“ gemeint ist. Eventuell handelte es sich bei dem Namensgeber um Prinz Wilhelm von Baden .

Das Hotel wurde 1870 eröffnet und bot auch Kneipp’sche Wasserkuren an: Zwei Postkarten weisen auf die „Wasserheilanstalt Wilhelmsbad“ und den „Kurgarten Wilhelmsbad“ hin.

1892 ließ der Sohn, Hotelier Heinrich Ehret III., an den zweigeschossigen Bau eine Konzerthalle im neoklassizistischen Stil anbauen. Sie wurde vom Weinheimer Anzeiger als „ein Bild architektonischer Schönheit“ sowohl im Innern als auch im Äußern bezeichnet, das den ausführenden Handwerkern und besonders dem Architekten Stadtbaumeister August Armbruster Ehre einlegte. Seine besondere Zierde waren die von Kunstmaler Ludwig Zorn ausgeführten großen Gemälde, die italienische Landschaften darstellten.

Aufgrund der Lage gegenüber dem Bahnhof und der aufwendigen Ausstattung wurde die Konzerthalle von vielen auswärtigen Künstlern, Vereinen und Gesellschaften genutzt.

1893 ging das Haus durch Schenkung von Christoph und Maria Christina Ehret in den Besitz ihres Sohnes Heinrich Ehret III. über. Das Gebäude wurde 1907 umgebaut; es erhielt seine heutige Gestalt als dreigeschossiger Putzbau mit Mansarddach, geschweiftem Giebel und Turmerker. Die Fassade vereint eine reiche barockisierende Sandsteingliederung mit Elementen des Jugendstils. Auch im Inneren wurden die Räumlichkeiten umgestaltet.

1920 verkaufte Heinrich Ehret den „Prinz Wilhelm“ an den Straßburger Gastronomen Heinrich Laspe, doch bereits 1923 übernahm die Süddeutsche Disconto-Gesellschaft die Immobilie und gestaltete das Gebäude zu Verwaltungszwecken um. Der Konzertsaal war durch viele bauliche Änderungen nicht mehr als Saal erlebbar. 1926 kam der „Prinz Wilhelm“ an die Stadt Weinheim, 1927 übernahm der Reichsfiskus den Gebäudekomplex und richtete hier das Finanzamt Weinheim ein. Bereits 1938 folgte ein erneuter Umbau.

Seit 1956 wird der ehemalige „Prinz Wilhelm“ von der Landespolizei genutzt, auch in dieser Zeit erfolgten zahlreiche bauliche Veränderungen. Mit einem Kostenaufwand von rund 6,3 Millionen DM wurden zwischen 1990 und 1994 umfangreiche Umbau- und Erweiterungsbauten durchgeführt. Die historische Fassade des Gebäudes wurde dabei erhalten, ebenso wurden im Inneren des Gebäudes erhaltene Ausstattungsdetails wieder hervorgeholt oder ergänzt.

Im Bereich des früheren Konzertsaals wurde ein Neubau errichtet, lediglich das Portal wurde erhalten.

Das Ensemble stellt heute eine durchaus geglückte Kombination von Altem in Verbindung mit moderner Bauweise unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes dar.

Eigentümer: 
Land Baden-Württemberg
Erbauer: 
Christoph und Maria Christina Katharina Ehret
Architekt: 
Stadtbaumeister August Armbruster
Quellen: 

Unterlagen im Stadtarchiv Weinheim:

  • Stadtarchiv Weinheim Rep. 15 Fach 36 Heft 104: Erstellung einer Festhalle, hier: Ankauf des „Prinzen Wilhelm“, 1926-1928
  • Stadtarchiv Weinheim Rep. 15 Fach 36 Heft 113: Verkauf des Hotels „Prinz Wilhelm“. 1926
  • Stadtarchiv Weinheim Rep. 15 Fach 36 Heft 114: Verkauf des Hotels „Prinz Wihelm“ an das Reich zur Unterbrinung des Finanzamts, 1926-1928
  • Stadtarchiv Weinheim Rep. 15 Fach 36 Nr. 115: Verpachtung des Wirtschaftsbetriebs „Prinz Wilhelm“, 1926-1927
  • Stadtarchiv Weinheim Rep. 15 Fach 36 Heft 138: Verkauf des Nebengebäudes des Hotels „Prinz Wilhelm“, 1924-1956
  • Stadtarchiv Weinheim Rep. 20 Nr. 2738: Wirtschaft „Zum Prinz Wilhelm“, 1872-1923
  • Zeitungen „Weinheimer Anzeiger“, „Weinheimer Nachrichten“
Autor/in: 
Andrea Rößler