Startseite »

Kauffmannmühle - Erste Mannheimer Dampfmühle von Ed. Kauffmann Söhne GmbH Mannheim

Druckversion
um 2010: Blick auf die Kauffmannmühle vom linken Ufer des Verbindungskanals (FotoGieseler)
um 2012: Lager und Silo an der Wasserfront (Foto Seibert)
2016: Fassade an der Wasserseite )Foto Ritter)
um 2012: Front zur Straße (Foto Seibert)
2016: die Lagerhallen sind zu Wohnungen umgebaut (Foto Ritter)
Lagerraum im Mühlengebäude (FotoGieseler)
Altes Werbeplakat für Hartweizengrieß mit Abbildung der Kauffmannmühle
Die Löcher in der Decke sind groß (FotoGieseler)
Rote Decke (FotoGieseler)
Blick von oben auf das Silo (FotoGieseler)
Alte Reklamepostkarte von Rudi Müllers
Altes Schriftbild auf dem Silo (Foto Seibert)
Initialen Eduard Kauffmanns in der Eingangstür zum Verwaltungsgebäude (Foto Seibert)
um 1910 Zeitgenössische Abbildung
2017: das Silo ist komplett eingerüstet (Foto: Ritter)
2015: Auf dem Silodach (foto Ritter)
2015: Holzverkleidete Siloszellen vom Dach aus (Foto Ritter)
2015: Holz-Treppe neben den hölzernen Silozellen (Foto Ritter)
2015: im Erdgeschoß des Silos, Elevatorenbänder für das Getreide (Foto Ritter)
2017: Das Ziel des Umbaus (Foto Ritter)
2016: Silo im Umbau, Dach teilweise entfernt (Foto Ritter)
2015: Loft Innenausbau (Foto Ritter)
2015: Zugänge zu den Lofts in den ehem. Lagerhallen (Foto Ritter)
2016: Zeitraum Exit in der ehem. Kantine (Foto Ritter)
2015: der Mühlenbau wartet auf Sanierung (Foto Ritter)

Die Kauffmannmühle war die erste von sechs der dampfgetriebenen Großmühlen, die Mannheim um 1900 zum Standort des bedeutendsten Mühlenzentrums in Süddeutschland machen sollte.

2016: die LAgerhallen nach dem Umbau (Foto Ritter)Die direkt am Verbindungskanal liegenden Gebäude - Silo und Lagerhallen -, haben lange auf eine neue Nutzung gewartet – nun sind bzw. werden sie gerade zu Wohnzwecken umgebaut. 40 Loft sind in den zwei Stockwerk hohen Lagerhallen aus Backstein in der Hafenstraße 27 bereits entstanden.

Die Sanierung hat den Sand- und Klinkersteinen gut getan. Die rot und gelben Backsteine lassen die wertige Architektur gut zur Geltung kommen. Der Mühlenbau ist ein charakteristisches Beispiel industriellen Bauens des späten 19. Jahrhunderts. Die Architekten Philipp Jelmoli und Karl Blatt haben in Mannheim neben der Kauffmannmühle auch die burg-artige Jutefabrik in Mannheim Sandhofen und die palastartige Südwestdeutsche Bank in den Quadraten geplant.

2015: Mühlen- und Verwaltungsgebäude (Foto Ritter)Der Umbau des 37 Meter hohen Silos ist dagegen eine große Herausforderung. Denn als Silogebäude hat es fast keine Fenster und keine Geschossdecken. Im Inneren gibt es nur  hölzerne zylindrische Silozellen mit Auslassschächten im Erdgeschoß (insgesamt 4 mal 9 mit einem quadratischn Grundriss von 3.80m) . 32 Lofts plus zwei Penthäuser entstehen hier. Anfang 2016 wurde mit dem Umbau begonnen. Die Fassade wurde mit einem Stahlgerüst gesichert, Fenster und Balkontüren werden eingeschnitten. Im Inneren wird praktisch ein fünf-geschossiges Haus neu gebaut. Dazu wurden neue Fundamente erdbebensicher sechs Meter ins Erdreich getrieben. Vieles muss händisch gebaut werden, weil im Inneren kaum schweres Gerät eingesetzt werden kann. Die Fertigstellung des Hauses war auf 2017 geplant, wird sich aber verzögern.

Die eigentlichen Mühlengebäude auf der anderen Seite der Hafenstraße, Ecke Hafenstraße / Böckstraße sind nach wie vor ein imposantes aber langsam zerfallendes Industriedenkmal. Doch auch sie sollen in absehbarer Zeit aufgemöbelt werden.

Schon vor Jahrzehnten haben sich Unternehmen der Musikbranchen und Künstlerinitiativen in den schön sanierten großflächigen Räumlichkeiten im ehemaligen Verwaltungsgebäude gegenüber dem Silo angesiedelt. Die ehemalige Kantine im Hinterhof wird seit 2007 vom Künstlerhaus 'zeitraumexit' als Veranstaltungs- und Ausstellungssaal genutzt.

Nutzung (ursprünglich): 

Weizenmühle und Erbsenschälerei bis 1960

Nutzung (derzeit): 

Wohnen und Arbeiten

Geschichte: 

Grundlage der Mühle war das 1839 vom Heidelberger Händler Eduard Kauffmann in Mannheim eröffnete Handelsgeschäft für Material-, Farb- und Spezereiwaren (heute sind das Drogeriewaren). Eduard Kauffmanns Geschäft kam aber immer wieder in Schwierigkeiten, aus denen ihm auch seine Ehefrau Amalie, geb. Braunach aus gutbürgerlichem Hause, schließlich nicht mehr heraushelfen konnte. Dem drohenden Konkurs wollte er sich 1949 durch Auswanderung in die USA entziehen, doch das Schiff sank. Zurück blieben seine 33 Jahre alte Frau, sechs kleine Kinder (vier Töchter und zwei Söhne) und ein heruntergekommenes Geschäft. Amalie Kauffmann gelang es, die Handlung weiter zu führen und um andere Produkte zu erweitern  (Hülsenfrüchte und Landesprodukte) – es war die Zeit, in der sich Mannheim dank der freien Schifffahrt auf dem Rhein zu einer blühenden Handelsmetropole entwickelte. 1867 gründeten die Söhne eine Großhandlung für Hülsenfrüchte und Mehl, die aus dem nahegelegenen Schriesheimer Tal stammten.

Wegen der günstigeren Transportwege und größerer Vermahlungskapazitäten bauten sie 1881-1883 eine groß dimensionierte Dampfmühle im Mannheimer Handelshafen – man brauchte schließlich für die wachsende Bevölkerung in den Industriezentren Getreide, und zwar aus anderen Ländern der Welt. Die Brüder benannten die Mühle zu Ehren ihres Vaters Eduard Kauffmann Söhne GmbH. Die Mutter Amaile, die 1869 mit 53 Jahren starb, hat diesen Erfolg nicht mehr erlebt.

um 1960: Verbindungsbrücke zwischen Silo und Mühle (Foto Stadtarchiv)1900 wurde das Silo erbaut und die Mahl- und Lagerkapazität erweitert. Das Silo war ursprünglich zur Hafenstraße hin abgeschrägt. Die Gebäude, die sich rechts und links der Hafenstraße ersteckten waren mit einem überbauten Übergang über die Straße verbunden.

1918 verkaufte die Familie ihren Anteil an die "Pfälzischen Mühlenwerke Mannheim"; einer weitere Großmühle seit Anfang des 20. Jahrhunderts im Industriehafen. In der Leitung von Pfalzmühle, Kauffmannmühle und den (bis Ende des 2. Weltkriegs existierenden) Rheinmühlenwerken am Rheinkai bestand Personalunion. Der Fabrikant Otto Kauffmann z.B. war Aufsichtsratsmitglied der Pfalzmühle.

Die beiden Weltkriege überstand die Kauffmannmühle ohne nennenswerte Schäden. Die Weizenmehlmarke "Rheingold" war über Mannheims Grenzen bekannt. Obwohl in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg gut ausgelastet, wurde sie 1960 nach 77 Jahren Produktion im Rahmen gesetzgeberischer Strukturmaßnahmen (Überkapazitäten in der Müllerei sollten "geordnet" abgebaut werden) stillgelegt.

Planung: so soll das Silos aussehen (2016)Durch den jahrzehntelangen Leerstand ist die Mühle in einen katastrophalen Zustand geraten. Hinzu kam 1982 ein Brand, der einen Teil der Hallen vernichtete. Die Hallen und Steg zwischen Lager und Verwaltung wurden 1983 abgerissen. Immer wieder wird über neue Nutzungsmöglichkeiten nachgedacht.

1994 pachtet Reinhard Suhl das leerstehende Objekt von der Hafengesellschaft, nach deren Pläne die Wasserseite der Mühle entbehrlich gewesen wäre. Doch sie steht unter Denkmalschutz. Erst 2004 kann Suhl die Anlage kaufen. Er saniert zunächst das Verwaltungs- und das Kantinengebäude. Erste Mieter wie der Musiksender Sunshine live oder IT-Firmen wie digi-info, so wie seit 2007 die Künstlerinitiative Zeitraumexit ziehen hier ein. Die Masse der Gebäude, die Mühle selbst, die Lager und das große Silogebäude bleiben aber weiter ungenutzt und zerfallen derart, dass sogar Sperrzäune ringsum errichtet werden müssen.

2013 startete endlich das "Dock"-Projekt des Eigentümers, eine 22 Millionen Euro-Investition. Zug um Zug werden die Gebäude nun im wesentlichen als Wohnungen umgebaut.

Eigentümer: 
Reinhard Suhl
Erbauer: 
E. Kauffmann & Söhne, Ingenieurtechnische Planung: Hans Bittinger aus Regensburg
Architekt: 
Ursprünglicher Bau: Mannheimer Architekten Philipp Jelmoli und Karl Blatt, Aktueller Umbau: IBA Ingenieur-Büro für Planung und Ausführung GmbH
Bauzeit / Umbauten: 
1881- 1883, 1905
Quellen: 
  • Führer durch die Industrie- u. Hafenanlagen von Mannheim, Rheinau und Ludwigshafen; hrsg. von der „Rhein“- Verlags-Gesellschaft m.b.H., Duisburg-Ruhrort, 1909
  • Mannheimer Stadtreklame (Hrsg.), Mannheim – Das Kultur- und Wirtschaftszentrum Südwestdeutschlands, 1928
  • Stadtarchiv Mannheim und Mannheimer Architektur- und Bauarchiv e.V., Mannheim und seine Bauten 1907-2007, Bd. 4,
  • Andreas Schenk, Bauten für Verkehr, Industrie, Gesundheit und Sport, 2004
  • Der Brockhaus Mannheim, Leipzig - Mannheim, 2006
  • Andreas Schenk, Architekturführer Mannheim, Hrsg. Stadt Mannheim, 1999
  • Hanspeter Rings, Mannheim auf Kurs - Hafen- und Schifffahrtsgeschichte der Stadt an Rhein und Neckar, 2003
  • eigene Recherchen heutiger Inhaber und Mieter
  • Stadt ohne Frauen, Frauen in der Geschichte Mannheims, 1993 (s. 72ff)
Autor/in: 
Hilde Seibert / Fotos Gieseler/Seibert / Barbara Ritter