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KulTurm – ehem. Wasserturm und Bunker in Ludwigshafen

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Blick auf den Kulturm aus der Lenaustraße (Foto Ritter 2017)
Passt farblich in die  Rollesstraße (Foto B.Ritter)
Gastronomie im KulTurm mit Außentreppe (Foto: Kulturm 2018)
1953 wurde der Wasserturm mit Treppe(rechts) auf den Bunker gesetzt (Foto 2009 B.Ritter)
Gastronomie im KulTurm und im Garten (Foto: Kulturm 2018)
Blick ins Treppenhaus des Bunkers  (Foto: Kulturm 2018)
Durchgang zwischen beiden Treppen (Foto B.Ritter 2009)
Gang im oberen Stockwerk des Bunkers  (Foto B.Ritter 2009)
Treppe zum blau beleuchteten Wasserbehälter (Foto B.Ritter 2015)
Aufstieg durch den Wasserbehälter (Foto B.Ritter)
Altes Werbeschild aus der Zeit des Hotelbetriebs im Bunker  (Foto: Kulturm 2018)
Erinnerungsstücke In der heutigen KulTurm-Gastronomie (Foto: Kulturm 2018)
Schild aus den 1950er Jahren (Foto: Ritter, 2017)
Gastronomie, Am Boden noch die Spuren der Bunkerzellen  (Foto Ritter 2017)
Blick ins illuminierte Treppenhaus  (Foto: Kulturm 2018)
Ganz oben bei Tag beste Aussicht (Foto Ritter 2017)
Die Ufo-Section im  KulTurm - Rundumblick von ganz oben  (Foto: Kulturm 2018)
Rohleitungen zum/vom stillgelegten Wassertank mit Bernd Albert   (Foto: Ritter, 2017)
Teil der Rundumaussicht von ganz oben (Foto: Ritter, 2017)
Öffnung in der zwei Meter dicken Mauer (Foto Ritter 2017)

Als achteckiger Luftschutzbunker wurde der heute als Cafe-Galerie und Club genutzt Turm gebaut. Doch er diente auch schon als „Bunker-Hotel“ und beherbergt bis heute noch einen Trinkwasserbehälter – ein Beispiel vielfältiger öffentlicher und fantasievoller privater Nutzung.

Vom Pakrplatz aus gesehen (Foto Ritter 2009)Der Turm erscheint zweigeteilt, der untere, farblich kräftig gestaltete, etwas abbröckelnde und verrußt wirkende schwerfällige Betonteil steht im Kontrast zu dem adretten, sauberen, typischen Baustil der 50er-Jahre der oberen Hälfte: roter Backstein und eine Sichtbetonkonstruktion, die drei Stockwerke andeutet. Jeweils ein Rundfenstern in einem Fach und ein umlaufendes Fensterband direkt unter dem weit überstehenden Flachdach lassen das Bauwerk etwas leichter erscheinen.

Umlaufende, im Beton eingearbeitete Bogengliederungen waren das einzige Schmuckelement, bis Friedrich Ernst von Garnier (geboren 1935) 1975 den Auftrag erhielt, den unteren Betonteil farbig zu gestalten. Er gilt als „Farbphilosoph“. Sein Spezialgebiet ist die architekturbegleitende Farbgebung, wobei er Plattenbauten ebenso gerne gestaltet wir Industrieanlagen (z.B.  Kokerei Schwelgern in Duisburg und Industriepark Höchst). Seine Arbeiten zeigen, dass nicht nur tristes Grau vorherrschen muss.

Doch trotz aller Bemühungen, die farblichen Elemente der umliegenden Neubauten aufzunehmen: der früher sogenannte "Rollesbunkter" bleibt in seiner Umgebung ein baulicher Fremdkörper. In Ludwigshafen gibt es 24 Hochbunker im Stadtbereich, die oft farblich gestaltet oder manchmal umgenutzt sind. Seit einigen Jahren ist der Hof des Turms üppig begrünt.

Künstler und Autodidakt Bernd Albert hat den vergessenen ehemaligen Bunker und Wasserturm 2001 erworben und zu dem gemacht was er heute ist: ein einzigartiges Tagungs- und Kulturzentrum. Das Konzept aus Historie und moderner Architektur geht auf. Konzerte, Ausstellungen, Tagungen oder private Feiern haben hier einen tollen Rahmen. Der kulTurm verfügt über vier öffentliche Ebenen mit TurmGarten, Clubbereich, Tagungsraum, Galerie und 360 Grad Aussichtsplattform in 50 Meter Höhe. Darüber hinaus werden Ateliers und Tonstudios an Künstler vermietet.

Nutzung (ursprünglich): 

Bunker, Hotel und Wasserturm

Nutzung (derzeit): 

Kultur mit Gastronomie, kann auch für Veranstaltungen gemietet werden. Die Funktion als Wasserturm wurde im April 2008 beendet.

Geschichte: 

Der Luftschutzbunker wurde 1942 über achteckigem Grundriss in unmittelbarer Nähe der BASF-Kolonie gebaut und im Krieg als solcher genutzt.  13 000 Menschen konnen hier unterkommen. In den kleinen "Zimmern" von 7,5 Quadratmetern waren bis zu 20 Menschen. In den oberen Stockwerken sind noch einige solcher Zeller erhalten. Die zwei unabhängige Treppenaufgänge sollten Paniksituationen verhindern.

Rosa ZimmerNach dem Krieg wurde der Bunker zunächst als Archiv genutzt bis er ca. 1950 an Privat verkauft wurde und als Bunkerhotel umgebaut wurde. Das „Turmhotel Bürgerbräu" bot billigen und sauberen Unterschlupf. Im fünften und schenseten Stock malte man die Zimmer sogar roas und mit Blumenmuster an. Auch diese Hotelzimmer sind erhalten.

1953 - in Folge einer Wasserknappheit - stockten die Stadtwerke Ludwigshafen den Betonbunker im Stile der Zeit (Sichtbeton mit Klinker und runden Fenstern) auf und versahen ihn mit einem Trinkwasserbehälter von 2 Mio Liter Fassungsvermögen, der die achteckige Grundform aufnimmt. Die äußere Treppenanlage wurde zeitgleich angebaut. Erst 2010 ging der Wasserturm wieder vom Netz. Eine enge Wendeltreppe führt durch die Mitte des Behälter nach ganz oben. Die Luken, durch die wöchentlich Wasserproben entnommen wurden, lassen heute einen Bilck in den 13 Meter Hohen Wassertank von oben zu.

1975 erhielt der untere Beton-Bunkerteil eine neue farbliche Gestaltung durch Friedrich Ernst von Garnier in großen Farbflächenfeldern vor allem in Ocker, Gelb, Braun und Rot. Die Farbgebung nimmt offensichtlich die Farben der umgebenden alten Häuser sowie der Neubausiedlung in der Nähe auf.

Bernd Albert hat den Bunker 2001 erworben und seit 2008 zunächst zur Cafe-Galerie-Lounge „kulTurm“ umgebaut. Im Außenbereich ist ein Garten mit Terrassenanlage auf drei Stockwerken entstanden. Die Räumlichkeiten im Inneren verstellen den Blick auf die Geschichte und Funktion des Baues nicht, farbliche Lichtinstallationen und Ausblicke nach außen bilden eine angenehme Atmosphäre.

Inzwischen kann auch der oberste Bereich des Wasserturms begangen werden. Er bietet einen fanstastisch weiten Rundblick über Ludwigshafen und die BASF über Mannheim bis in den Odenwald.

Eigentümer: 
Bernd Albert
Erbauer: 
Stadt Ludwigshafen
Bauzeit / Umbauten: 
1942 und 1953
Autor/in: 
Barbara Ritter