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Papyrussiedlung in Mannheim

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Papyrussiedlung, Neurottstraße, Luftbild um 2010
Papyrussiedlung, Giebelfassade (Foto 2011)
Papyrussiedlung, Eingang mit Treppenhauserker (Foto 2011)
Papyrussiedlung, Eingang mit Treppenhauserker (Foto 2011)
Papyrussiedlung, Fassadendetail
Papyrussiedlung, Fassadendetail
Papyrussiedlung, Fassadendetail.jpg
Papyrussiedlung, Lageplan um 1920

Zur Siedlung gehörten ursprünglich 20 zweigeschossige vollunterkellerte Putzbauten, die zu Zweier- oder Dreierblöcken aneinander gebaut sind. Der Gebäudeblock für die Meisterwohnungen sowie der direkt westlich daran anschließende sind nicht mehr existent. Der Wohnraum unter den Walmdächer erhält durch Zwerchhäuser und Gauben Belichtung und mehr Volumen. Jedes Geschoss hat zwei Wohnungen. Insgesamt waren ursprünglich 79 Drei- bzw. Zweizimmerwohnungen mit großer Wohnküche, fließend Wasser und Kanalisation vorhanden. Die größeren Wohnungen haben ca. 75 qm, die kleineren ca. 60 qm. Die lichte Geschosshöhe beträgt 2,55 m. Die Kellergeschosse sind sehr geräumig und enthalten eine Waschküche für jedes Haus. Bäder standen in der Fabrik zur Verfügung. Die Treppenhäuser springen in mehreren gestalterischen Varianten aus der Bauflucht vor. D

as heutige Farbkonzept der Siedlung mit unterschiedlichen Farbtönen ist nicht bauzeitlich. Die Außenwände waren ursprünglich braungelb verputzt und hatten helle Sandsteingewände sowie grüne Fensterläden. Die Fassaden weisen sparsame geometrische Verzierungen in Putztechnik auf. Aus gestalterischen Gründen wäre es wünschenwert, wenn bei der nächsten Sanierungsmaßnahme die historischen Sprossenfenster und die Klappläden wieder hergestellt würden.

Zu jeder Wohnung gehörte ein 80 qm großer Gartenanteil mit Kleintierstall, von denen jeweils zwei aneinandergebaut waren. Da die vielen Stallhäuschen die einheitliche Wirkung der ganzen Anlage etwas störten, suchte man diese Wirkung durch zwei Obstbäumen pro Garten zu verbessern. Die Freiflächen werden heute als allgemeine Grünfläche und für Stellplätze genutzt.

Nutzung (ursprünglich): 

Werksiedlung der Papyrus-AG

Nutzung (derzeit): 

Werksiedlung der SCA Hygiene Products GmbH

Geschichte: 

Die Papyrus AG wurde 1907 durch die Söhne der Unternehmerfamilien der in unmittelbarer Nähe liegenden Zellstofffabrik gegründet. Dennoch arbeitete das Werk zunächst selbständig, wurde 1918 von der Zellstofffabrik gepachtet und erst 1931 übernommen. Wie diese ging die Papyrus AG ab 1970 in die PWA und ab 1998 in die SCA Hygiene Products GmbH auf. Das Unternehmen stellte ursprünglich aus dem im Nachbarwerk produzierten Grundprodukt Zellulose das Endprodukt Papier her.

Nördlich des Firmengeländes entstand im Jahre 1908 nach Plänen des Stuttgarter Architekten Philipp Jakob Manz (1861-1936) eine Arbeitersiedlung. Der vorwiegend für die Industrie tätige Manz leitete um 1900 ein gut gehendes Architekturbüro mit 100 Mitarbeitern, das heute in dritter Generation weiter geführt wird. Ein sehr bekanntes Objekt des Architekten ist z.B. das Produktionsgebäude für die Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken AG in Karlsruhe (heute Zentrum für Kunst und Medientechnologie). Manz lieferte auch die Pläne für den Zwillingswasserturm und das Torhaus der Papyrus AG. In der Papyruskolonie - auch Papyrusheim genannt - lebten im Jahre 1921 ca. 310 Personen. Die Baukosten betrugen ca. 118 000 Mark, einschl. der Geländekosten ca. 435 000 Mark. Für die acht Meisterwohnungen musste pro Monat 36 Mark, für die 40 Dreizimmerwohnungen 26 Mark, für die 26 Zweizimmerwohnungen 20 Mark und für die 5 Dachgeschosswohnungen 12 Mark Miete bezahlt werden.

Eigentümer: 
SCA Hygiene Products GmbH
Erbauer: 
Papyrus-AG
Architekt: 
Philipp Jakob Manz
Bauzeit / Umbauten: 
1908
Baubestand: 

Ein Baublock der Siedlung wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Quellen: 
  • Roland Eisenlohr: Das Arbeiter-Siedelungswesen der Stadt Mannheim, Karlsruhe 1921
  • Monika Ryll: Das Arbeitersiedlungswesen in Mannheim, in: Mannheim und seine Bauten, Bd. 5, 2005, S. 106-115
  • http://www.albert-gieseler.de
Autor/in: 
Monika Ryll