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Privatbrauerei Eichbaum in Mannheim

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Postkarte um 1881. Links der Mitte die Villa des Brauereibesitzers. Quelle: Stadtarchiv MA
Ansicht um 1927: Das mittige Mälzereigebäude stand bis 2015, allerdings versteckt (Quelle: Eichbaum-Chronik)
Das alte Mälzereigebäude kurz vor seinem Abriss 2015
alte Mälzerei und moderne Tanks 2015
Fuhrpark vor 1900 (Quelle: Eicbaum-Chronik)
Eichbaum-LKW und ein weiteres verkleidetes historisches Gebäude
Alter Kronkorken der Eichbaum
Kronkorken aus dem Jahr 1972, damals noch Werger-Eichbaum
moderne Sudpfannen
moderne Tanks
im alten Sudhaus
Wandmosaik aus den 1950er Jahren im alten Sudhaus
Der Eingang zum alten Sudhaus zeigt ein Alter von mehr als 100 Jahren
Einige historische Gebäude im hinteren Bereich der Brauerei
Historische Gerätschaften im alten Sudhaus

Bei einer über 300 jährigen Geschichte, davon fast 150 Jahre am selben Standort, könnte man ein paar historische Gebäude erwarten, wie sie etwa mit der „alten Brauerei“ ja in unmittelbarer Nähe stehen. Doch auf den ersten Blick ist in der Käfertaler Straße 170 nichts davon zu sehen. Moderne Verwaltungs-Bauten, hohe Metallsilos und Tanks, ausgedehnte Hallen, Lagerflächen für Paletten und Bierkästen prägen das heutige Bild der Eichbaum Brauerei – Moderne Bierindustrie eben.

Ansicht der Eichbaum um 1890Alte Stiche zeigen wundervolle Gründerzeitbauten, klassische Sudhäuser und Mälzereigebäude, Büro- und Direktorenvillen, Werkstätten und Garagen. Doch die Anwendung neuer Brauereitechnologien erforderte offensichtlich immer wieder neuen Platz, der nur durch den Abriss von „veralteten“ Gebäuden gewonnen werden konnte.  

Dazu kommt, dass nach dem Krieg bis in die 1970er Jahre die Wertschätzung von historischen Backsteingebäuden  ausgesprochen unterentwickelt war: man verkleidete sie kurzerhand von oben bis unten mit hell gestrichenem Blech und erfreute sich an dem modernen, einheitlichen Erscheinungsbild des Unternehmens. Diese damalige Bausünde blitze im Frühjahr 2015 noch einmal kurz auf, als die Metall-Platten vom alten Mälzereigebäude abgenommen wurden, um es schließlich ganz abzureißen. Kaum jemand hatte mehr den prächtigen Backsteinbau in Erinnerung gehabt.

Auf dem zweiten Blick ist jedoch beim Rundgang über das Eichbaum-Gelände (nur mit Führung möglich!) noch das alte Sudhaus im Hintergrund des Areals erkennbar. Auch dieses Gebäude ist außen weitgehend verkleidet. Seine Innenausstattung ist in den 1950er Jahren erneuert worden, die Treppe und das Wandmosaik zeugen davon. Es wird heute für die Ausstellung von Memorabilien verwendet.

Beim Rundgang durch die Brauerei beeindrucken das neue Sudhaus, die hochmodernen Abfüllanlagen und das riesige Lager.

Nutzung (ursprünglich): 

Brauerei

Nutzung (derzeit): 

Brauerei

Geschichte: 

Zweimal gegründet durch wallonische Bierbrauer

„Die  Eichbaum“ hat eine lange Tradition. 1679 gründet der wallonische Bierbrauer Jean de Chaine eine Schankwirtschaft, die er „Zum Aichbaum“ nennt, angelehnt an seinen Namen (das ähnlich klingende Wort chêne bedeutet Eiche). Im pfälzischen Erbfolgekrieg wird Mannheim 1689 völlig zerstört, die meisten Einwohner, darunter auch die sehr große wallonische Gemeinde, flieht. Von einstmals 12.000 bleiben 500 Einwohner übrig.

Eine zweite Eichbau-Brauerei-Gründung geht 1717 auf den Brauer Johannes Blanckart zurück, der ganz in der Nähe des ehemaligen Standorts, in P5 die Brauereischenke „Zum grünen Eichbaum“  gründet. Auch seine Familie hat einen wallonischen Migrationshintergrund (er hieß ursprünglich Jean Blancard). Die Schenke ist beliebt und bleibt gut 100 Jahre in Familienbesitz. Seit 1723 gibt es in Mannheim eine Bierbrauer-Zunftordnung. Gebraut wird nach handwerklicher Tradition mit der Muskelkraft von zwei oder drei Menschen, der Braumeister, Gesellen und Lehrlinge. Produziert und konsumiert wird an der gleichen Adresse in den Quadraten. Es gibt noch keine Kühlung und keine Lagermöglichkeiten. 1745 hat Mannheim 50 Brauhäuser– bei rund 9 000 Bewohnern der Residenzstadt – eine stolze Zahl.

Zünftige Arbeitsbedingungen?

Die Arbeit in der Bierbrauerei ist hart: Die Arbeitszeit ist nicht fest geregelt, da sie vom Brau-Prozess abhängt – oft Arbeitsbeginn schon um Mitternacht, immer aber vor 5 Uhr, mehr als 14 Stunden am Tag. Die schweren Säcke mit Gerste, Malz und Hopfen werden „gebuckelt“, Maischen und Umschöpfen der Bierwürze geschieht von Hand in großen Holzbutten. Gebaut wird nur im Winter, im Sommer müssen die Gesellen und Lehrlinge sich andere Arbeit suchen, meist auf dem Bau. Die Entlohnung ist gering. Nach Beendigung der Lehre folgen Wanderjahre, Wohlverhalten gegenüber dem Meister wird eingefordert. Die „freie Kost und Logie“ und der „Haustrunk“, die Abgabe von Freibier für die Beschäftigten, sind vor allem für den Brauereibesitzer ein Vorteil, weil er sich so die ständige Verfügbarkeit seiner Leute sicher stellte

Auf die andere Neckarseite ins Wohlgelegen

1820: Nach einem glücklosen Zwischenbesitzer erwirbt der 23 jährige Heinrich Forschner aus Schriesheim das Brauhaus bei einer Versteigerung. Unter seiner Ägide wächst das Brauhaus über die Quadrate hinaus. Erleichtert wird dies durch verstärkte Mobilität für Menschen und Waren. (1833: Deutscher Zollverein, damit Wegfall der exporthinderlichen Binnenzölle, die bereits jenseits der Quadrate anfielen. 1840: Eisenbahnlinie Mannheim-Heidelberg. 1845: Kettenbrücke über den Neckar). Seit der Begradigung des Neckars (1805 beendet) wird das Gebiet nördlich des Neckars erschlossen, denn es gibt dort überschwemmungssichere Grundstücke, z.B. gründete Paolo Giulini 1827 eine chemische Fabrik und 1842 wird der neue Hauptfriedhof eingeweiht.  Das sandige Gebiet ist „wohlgelegen“, es wird dort sogar Wein angebaut. Den Namen „Wohlgelegen“ soll der Stadtteil erst später erhalten.

Nach 1850: nicht nur der Bierkeller, sondern auch eine gediegene Brauereivilla gehörten zu den ersten Gebäuden im WohlgelegenIn diesen umtriebigen Zeiten erwirbt Forschner 1845 ein großes Grundstück im flussnahen 5.Sandgewann, um einen gemauerten Gewölbekeller zur Lagerung des Biers zu bauen, das er vorerst noch in den Quadraten braut. Später kommen noch mehr Keller dazu. Diese Keller sind die Keimzelle des heutigen Brauereistandorts. (Sie wurden noch bis 1975, zuletzt als Hopfenkeller, genutzt. Im 2. WK dienten sie als Luftschutzkeller.)

Vom Handwerk zur Industrie

1850: Mannheim hat jetzt 25.000 Einwohner und nur noch 20 Brauereien. Nicht etwa der Bier-Konsum ist zurückgegangen, sondern die Produktion der Brauereine ist mit Hilfe von technischen Neuerungen stark gestiegen. Mit dem Gesetz über die Gewerbefreiheit (1862/1869) werden die Bierbrauerzünfte abgeschafft. Der Sprung zur industriellen Produktion von Bier an dem neuen Standort im Wohlgelegen gelingt der Eichbaum erst unter den Nachfolgern von Forschner.

Mauer des alten Sudhauses (vermutlich um 1890 gebaut) kurz vor dem Abriss 2015 1865 übernimmt der 20jährige Christoph Hofmann zusammen mit seinem Bruder Edmund die Eichbaum-Brauerei und lässt 1870 das erste Sudhaus für die Produktion in wirklich großem Maßstab in der Käfertaler Straße – am heutigen Standort – bauen. (Christoph Hofmann verkauft später seine Anteile an seinen Bruder und gründet 1886 direkt neben der Eichbaumbrauerei die Badische Brauerei, heute „Alte Brauerei“(LINK) genannt.)

Bierkrawalle

Auch die verbliebenen 14 Mannheimer Brauereien stellen zunehmend auf technisierte Massenproduktion um. Als sie 1873 mittels einer drastischen Preiserhöhung von 25% ihre Investitionen in Maschinen wieder einspielen wollen, kommt es zu den »Mannheimer Bierkrawallen« mit erheblichem Glasbruch in den Quadraten. Die Polizei sei völlig machtlos gewesen. Die Brauereien nehmen die Preiserhöhung zurück. Übrigens auch die Einführung von Flaschen 1885 führt zu Unruhe, diesmal unter den Wirten, denn mit dieser neuartigen "Verpackung" kann Bier auch zu Hause getrunken werden, und nicht nur in den Kneipen. Tatsächlich macht Flaschenabfüllung bei Eichbaum aber nur 5-10 % des Umsatzes aus.

Als Aktiengesellschaft auf der Überholspur

Neue Erfindungen beschleunigen den Ersatz von Handarbeit durch Maschinen, und erlauben eine wesentlich bessere Lagerung wie auch den Export des Bieres über weitere Strecken. 1876 kauft die Eichbaum zwei Linde-Kältemaschinen, mit denen sie große Mengen Stangeneis erzeugt. Es entstehen in Mannheim Brauerei-Aktiengesellschaften, um die moderne Produktion im Industriemaßstab zu finanzieren. 1881 wird auch Eichbaum in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

1885 gewinnt Eichbaum auf der Weltausstellung in Antwerpen eine Goldmedaille. Der Bierausstoß erreicht 1887 erstmals 100 000 hl. Es wird hauptsächlich in die Region geliefert, aber auch nach Frankreich.  1900 hat die Eichbaum Brauerei 147 Beschäftigte, davon 13 Bürobeamte sowie vier leitende Angestellte in der Produktion. Der Fuhrpark besteht aus 32 Wagen und 50 Pferden für den Biertransport sowie eigene Eisenbahnwaggons. 1911 steht die Eichbaum mit 110.000 hl auf Rang 96 in Deutschland, in Mannheim ist sie die größte Brauerei.

Arbeitsbedingungen in einer Bierfabrik

Im Flaschenkeller der 1950er Jahre gab es auch Arbeitsplätze für FrauenDie Industrialisierung des Braugewerbes führt dazu, dass ein immer größerer Teil der Beschäftigten wenig qualifizierte, austauschbare Industriearbeiter sind. Nur noch weniger als 1/3 sind Brauer oder Mälzer, die anderen sind Heizer, Handwerker, Fuhr- und Stallpersonal, Flaschenkellerarbeiter, Hilfsarbeiter. Die Arbeit ist zwar „leichter“ geworden, denn es gibt jetzt Aufzüge und Maschinen, aber dennoch gilt ein Brauereiarbeiter mit über 30 Jahren als „verbraucht“ und wird meist nicht mehr eingestellt. Der ständige krasse Temperatur-Wechsel von Darre (60 Grad) und Keller (4 Grad) führt zu Rheuma und Schwindsucht, die Staugeschwängerte Luft der Malzverarbeitung, die Pechdämpfe bei der Fassherstellung zu Erkrankung der Atemwege, die Einlagerung der Fässer in den Keller führen zu vielen Unfällen.
Geblieben sind die lange Arbeitszeit und die ständige Verfügbarkeit. Die „freie Kost und Logie“ wird zunehmen als „Zwangsküche“ und „Wohnungszwang“ abgelehnt. Diese Arbeitsverhältnisse - eher ähnlich wie bei Dienstboten - sind auf Dauer in Industriebetrieben nicht mehr zu halten.

Eichbaum hatte sechs Schlafsäle (Schalander), in denen die Arbeiter kostenlos schlafen konnten. 85% der Eichbaum-Belegschaft von 1890 war zwischen 20 und 40 Jahre alt, die Ältesten waren unter 50 Jahre alt. Beschäftigte konnte Kohle zum Einkaufspreis bei ihrem Betrieb kaufen. Zu Weihnachten gab es ein Geschenk von 5-30 Mark. Als einzige Mannheimer Brauerei hatte die Eichbaum eine eigene Kantine, die für 50 Pfennig ein ordentliches Mittagessen anbot (was gemessen am Stunden-Lohn von 25-40 Pfennig durchaus teuer war).

Gewerkschaftliche Organisation

Gewerkschaftlich organisierten sich die Brauereibeschäftigten erst relativ spät. 1885 wurde der „allgemeine Brauereiverband“ in Berlin gegründet, der zunächst nur gelernte Brauer aufnahm. Das änderte sich 1891 mit dem Zusammenschluss zum Zentralverband Deutscher Brauarbeiter. Dieser Verband focht in Karlsruhe schwere, lang andauernde Streiks und Boykottmaßnahmen aus. (Der Organisationsgrad war in Baden jedoch mit 15% (1903) recht gering. Für Mannheim liegen uns keine Zahlen vor.)

Flaschenbier 1893 konnten die Beschäftigten bei Eichbaum und er Badischen Brauerei nach eine Streikandrohung folgendes erreichen:  eine 10-stündige Arbeitszeit, 24 Mark Mindestwochenlohn für gelernt Brauer, Bezahlung der Überstunden, Beschränkung der Sonntagsarbeit auf zwei Stunden, „anständige  Behandlung von Seiten der Vorgesetzten“ und Koalitionsfreiheit. Ein Viertel der Belegschaft verdiente jedoch nur 15-18 Mark pro Woche. Alle erhielten täglich 4 Liter Bier kostenlos.
Die Löhne bei der Eichbaum galten als durchschnittlich auch im Vergleich zu anderen  Industriebetrieben in Mannheim.

Kriegsbier und Fusion mit der Brauerei Werger

Während des Ersten Weltkrieges wird sog. »Kriegsbier« mit geringerem Extrakt gebraut. Die Gerstenzuteilung wird auf 10% der Vorkriegsmenge reduziert. Die Brauereien produzieren nur noch 2%iges Einfachbier. Ende 1917 stellt die benachbarte Badischen Brauerei gar ihren Braubetrieb ganz ein.

Nach Ende des Krieges 1918 schneidet die alliierte Besetzung der linksrheinischen Gebiete die Eichbaum- Brauerei von wichtigen Absatzmärkten in der Pfalz ab. Seit 1923 kooperiert die Eichbaum deshalb mit der linksrheinischen Wormser Werger-Brauerei, was 1929 zur Fusion zur „Eichbaum-Werger-Brauereien AG“ mit Sitz in Worms führt. Beide Brauereien bleiben mit ihrem bisherigen Personalbestand erhalten.

„Deutsches Bier“? und NS-Zeit

Viele der Aktionäre der Brauerei sind bekannte Persönlichkeiten jüdischen Glaubens, wie z.B. der Mannheimer Rechtsanwalt Max Hachenburg, der Verleger Heinrich Gütermann, der Präsident der Mannheimer Handelskammer Richard Lenel und der Malzfabrikant Jacob Feitel, der etwa 1/5 der Aktien besitzt. Sie ziehen sich schon 1933 aus dem Aufsichtsrat der Eichbaum-Wergner Brauerei AG zurück. Dennoch wird die Brauerei als „Palästina-Brauerei“ verunglimpft. Auf Fastnachtsumzügen werden gegen die Brauerei Schilder gehalten mit: „Deutsches Bier will der Babe hawe“ (eine Verhöhnung des Eichbaumwerbeslogans „Eichbaumbier will de Vatter hawe“)  und als Juden verkleidete Personen rufen: „Sauft, dass wir Dividenden bekommen“. Dagegen wehrt sich die Brauerei 1935 erfolgreich vor Gericht. Erst als das Unternehmen 1937 versichert, dass es komplett „arisch“ sei, gibt es wieder öffentliche Aufträge. Neuer großer Aktienbesitzer war nun u.a. Richard Greiling, der in der NS-Zeit mehrere Firmen von Juden erworben hatte, unter anderem die Felina(LINK). Im zweiten Weltkrieg bricht die Bierproduktion der Eichbaum weitgehend zusammen. Schon 1941 war eine Bombe auf das Sudhaus gefallen.

Wirtschaftswunder

Den schnellen Wiederaufbau zwischen 1945 und 48 verdankt die Eichbaum ihrem Status als Lieferant für die amerikanische Armee. Nur vier Brauereien dürfen produzieren, zunächst ausschließlich für die Amerikaner. Doch ab 1948 setzt das Wirtschaftswunder ein. Innerhalb von acht Jahren, von 1950-58 verdreifacht die Eichbaum ihre Produktion. Etwa die Hälfte wird jetzt als Flaschenbier verkauft. Sie bringt neue Bier wie das „Eichbaum-Pilsener“ mit Kronkorken heraus. Auch die Gewinne steigen: schon 1950/51 wird wieder eine 4%-Dividende ausgeschüttet, von Ende der 1950er Jahre bis Mitte der 60er werden regelmäßig sogar 16 Prozent und mehr an die Aktionäre gezahlt.  Ob auch die Beschäftigten etwas mehr vom großen Kuchen bekommen, ist nicht überliefert.

Im alten Lagerkeller mit seinen Gusseisen-Stützen lagert in den 1950er Jahren das Bier in Metallfässern Von Henninger zu Actris

In den 1970er Jahren kommt Eichbaum zum Henniger Konzern, denn große Aktionäre verkaufen ihre Aktienpakete an diese Frankfurter Brauerei (drei Banken und die Feitel-Erben). Sie nennt sich jetzt nur noch „Eichbaum-Brauereien AG“. 1973 übernimmt sie die Mannheimer Brauerei "Durlacher Hof AG". Damit steigt die Zahl die Mitarbeiter auf  777 Personen in Mannheim und Worms. Aufgrund von Sparmaßnahmen wird 1978 die Wormser Betriebsstätte geschlossen. Der Hauptsitz kommt wieder nach Mannheim.

Anfang der 1990er Jahre überschreitet „Eichbaum“ die Marke von 1 Mio. hl. Sie ist damit die produktivste Brauerei in Baden-Württemberg. Doch der Mutterkonzern gerät in Schwierigkeiten. Ende der 1990er Jahre bricht die Henniger-Gruppe auseinander. Dietmar Hopp (einer der SAP-Gründer) investiert in Henninger-Aktien, kauft so die Eichbaum frei und führt sie unter das Dach des Getränkeunternehmens Actris, das seinerseits noch weitere Unternehmen aufkauft wie z.B. "Odenwaldquelle Gmbh" und die "Park&Bellheimer AG". Die Marken „Karamalz“ und „Gerstel“ vom „Actris“-Konzern werden nun in Mannheim gebraut und abgefüllt.

Ein harter Streik

Graffiti zum Streik bei Eichbaum2002 tritt Eichbaum Ende Januar aus dem Flächentarif Baden-Württemberg aus und schließt mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) einen Haustarifvertrag. Als die Geschäftsleitung 2004 bei Tarifverhandlungen das Weihnachtsgeld kürzen will, kommt es Anfang 2005 mit 28 Streiktagen zu einem der härtesten Arbeitskämpfe in die NGG-Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Groß ist die Solidarität gegenüber den Streikenden und die von vielen Seiten geleistete Unterstützung im Arbeitskampf.  Ein akzeptabler Tarifvertrag kann geschlossen werden.

Restrukturiert in Eigenständigkeit

Dietmar Hopp will sich von der kriselnden Getränkesparte wieder trennen. So bleibt auch die Actris eine Episode für die Eichbaum. 2006 wird ein Management-Buy-out angeboten: das Management selbst sollte die Mehrheit des Kapitals erwerben. Ende 2009 einigt man sich. Die Eichbaum wird jetzt als „Privatbrauerei Eichbaum GmbH & Co. KG“ geführt, mit Jochen Keilbach als geschäftsführender Gesellschafter und einem weiteren stillen Teilhaber. „Die Privatbrauerei ist durch die Restrukturierungsmaßnahmen, die mit den leitenden Mitarbeitern und dem Betriebsrat abgestimmt sind, schlanker und damit effektiver geworden.“ Mit diesen Worten beschreibt Eichbaum selbst ihre neue Unternehmenskultur.

Brauereien in der Krise

500 Jahre Reinheitsgebot sind das eine, doch die Bierproduktion hat sich in der globalisierten Welt stark verändert. Amerikanisch-belgisch-brasilianische Brauriesen und chinesische Brauereien beherrschen den Weltmarkt. In Deutschland gibt es im Jahr 2015 etwa 1.400 Brauereien mit ca. 5.000 Biersorten. Doch nur 11 Brauereien verkaufen die Hälfte des gesamten Pils-Bieres in Deutschland. Dazu kommt, dass hierzulande seit Jahren immer weniger Bier konsumiert wird. Der Bierpreis ist gefallen, die Rohstoffpreise sind gestiegen, Billigbiere vom Discounter erobern den Markt.

Ein Lichtblick für die Bierindustrie, besonders für mittelständische Brauereien, ist der Boom von regionalen Produkten.

Eigentümer: 
Privatbrauerei Eichbaum GmbH & Co. KG
Erbauer: 
Edmund und Christoph Hofmann
Bauzeit / Umbauten: 
1870 erster Bau am heutigen Standort. Seither häufige Umbauten
Quellen: 
  • Adolf Drüppel und Michael Caroli: Die Eichbaumchronik 333 Jahre Eichbaum-Geschichte (2012)
  • Barbara Guttmann: Hopfen und Malz, Die geschichte des Brauwesens in Karlsruhe, 1998
  • Sylvie Brackenhofer: Wohl gelegene Bierquelle, in: 125 Jahre Neckarstadt, 1997
Autor/in: 
Barbara Ritter