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Siedlung der Einfamilienhaus-Rheinau GmbH in Mannheim

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Siedlung der Einfamilienhaus-Rheinau GmbH (Zwischen-Bruchsaler-Durlacher Straße) Luftbild um 2010
Siedlung der Einfamilienhaus-Ges. Durlacher Str. 129 und 131 (Foto: FB 61, Norbert Gladrow um 2010)
Siedlung der Einfamilienhaus-Ges. Durlacher Str. 113 und 115 (Foto: FB 61, Norbert Gladrow)
Siedlung der Einfamlienhaus-Ges. Durlacher Str. 117 und 119 (Foto: FB 61, Norbert Gladrow um 2010)
Siedlung der Einfamilienhaus-Ges. Durlacher Str. 121 und 123 (Foto: FB 61, Norbert Gladrow um 2010)
Siedlung der Einfamilienhaus-Ges. Zwischenstr 3 und 5 (Foto: FB 61, Norbert Gladrow um 2010)
Siedlung der Einfamilienhaus-Ges. Zwischenstr. 4 und 6 (Foto: FB 61, Norbert Gladrow um 2010)
Siedlung der Einfamilienhaus-Ges. Zwischenstr. 8 und 10 (Foto: FB 61 Norbert Gladrow um 2010)
Siedlung der Einfamilienhaus-Ges. Zwischenstr. 19 und 21 (Foto: FB 61, Norbert Gladrow um 2010)
Siedlung der Einfamilienhaus-Rheinau GmbH links (Bruchsaler-Zwischen-Durlacher Straße) sowie Siedlung der Chemischen Fabrik Rhenania (Hallenstraße-Distelsand) rechts unten, Lageplan 1921
Grundriss des Erdgeschosses um 1900
Grundriss des Kellergeschosses um 1900
Grundriss des Dachgeschosses um 1900
Einfamilienhaus-Rheinau GmbH, Querschnitt 1900 (Stadtarchiv Mannheim NL Ludwig Nr. 487)
Einfamilienhaus-Rheinau GmbH, Seitenansicht 1900 (Stadtarchiv Mannheim NL Ludwig Nr. 487)
Siedlung der Einfamilienhaus-Rheinau GmbH, Ansichtszeichnung eines Doppelhauses, 1900 (Stadtarchiv Mannheim NL Ludwig Nr. 487)

Unweit der Relaisstraße als Hauptverkehrsachse wurden entlang der parallelen Durlacher Straße (ungerade Nummern 113 - 131) und Bruchsaler Straße (gerade Nummern 122 - 140) jeweils an einer Straßenseite und in der Zwischenstraße (Nr. 3 - 22) auf jeder Straßenseite fünf Doppelhäuser angeordnet. Die Siedlung besteht somit aus 40 traufständigen eingeschossigen Einzelbauten.

Die Fassaden zweier Nachbargebäude werden durch einen großen Zwerchgiebel, der als Risalit etwas vorspringt, optisch verbunden. Der Sockel besteht aus rotem Sandstein, das aufgehende Mauerwerk aus gelbem Backstein. Vertikale und horizontale Gliederungen sowie Fenster- und Türrahmungen heben sich durch roten Klinker ab. Das Hauptdach ist als Krüppelwalmddach ausgebildet. Das Zwerchhaus schließt variierend entweder mit einem Krüppelwalm- oder Satteldach ab. Die Haustür liegt an der Schmalseite.

Die Wohnungen verfügen über vier Räume mit Küche. Im Erdgeschoss befinden sich gartenseitig die Küche und straßenseitig zwei Zimmer. Die Schlafräume sind im geräumigen Dachgeschoss angeordnet, das durch das Zwerchhaus und das Krüppelwalmdach nur wenige Schrägen aufweist. Schon von Anfang an war hier zur Rückseite auch eine Innentoilette eingeplant, die mittels einer kleinen Gaube belichtet wird. Elektrisches Licht, Wasserleitung und Kanalisation boten schon früh modernen Lebensstandard. Der historische Wohnungszuschnitt hat eine Grundfläche von ca. 90 qm. Allerdings wurden im Laufe der Zeit bei den meisten Häusern die Flächen durch rechtwinklige hofseitige Anbauten vergrößert. Leider wird das einheitliche Erscheinungsbild der Siedlung infolge unterschiedlicher Holzanstriche von Giebelfachwerk, Klappläden oder Fenster etwas beeinträchtigt. Auch die Form der Dachziegel ist nicht homogen.

Jedes Haus umgibt ca. 200 qm Freifläche, die in Hof und Nutzgarten unterteilt ist. Es liegen keine Kenntnisse über Stallgebäude vor. Aber vermutlich wurden in älterer Zeit auch in dieser Siedlung hölzerne Schuppen zur Kleintierhaltung im Garten aufgestellt.

Nutzung (ursprünglich): 

Wohnungen

Nutzung (derzeit): 

Wohnungen

Geschichte: 

Die Siedlung mit den 20 Doppelhäusern ist keine Werksiedlung, sondern wurde von der Baugesellschaft Einfamilienhaus-Rheinau GmbH nach Plänen der Mannheimer Baufirma F. & A. Ludwig im Jahre 1900 errichtet, um der allgemeinen Wohnungsnot im sich rasant entwickelnden industriellen Stadtteil Rheinau Abhilfe zu schaffen. Die betriebliche Zugehörigkeit zu einem speziellen Rheinauer Unternehmen war somit nicht erforderlich, um hier wohnen und leben zu können. Ziel der Baugesellschaft war es, für die Arbeiter in Rheinau im Gegensatz zu den Mietskasernen Einfamlienhäuser zum Ankauf für 8000 M bei 1000 M Anzahlung zur Verfügung zu stellen. Kaufinteressenten konnten bei der Baugesellschaft die Hypotheken von je 1000 M mit 4,5 % aufnehmen und sie in Form einer Sparkasse abtragen. Dennoch konnten die Mieter dieses Angebot wegen der fehlenden Finanzkraft zunächst kaum wahrnehmen. Die jährliche Miete betrug nach Fertigstellung 180 M.

Nach Auflösung des Wohnungsbauunternehmens im Jahre 1920 übernahm die in Rheinau ansässige Firma Th. Goldschmidt AG 38 der 40 Gebäude und erhöhte die Miete im Jahre 1921 auf 432 M. Die beiden anderen Hausbewohner hatten sich bereits zu früherer Zeit ihren Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen können. Die Goldschmidt AG beabsichtigte allerdings nicht, die Siedlung ihrem Grundbesitz zuzufügen, sondern begann umgehend mit der Veräußerung der 38 Anwesen. Die Verkaufsverhandlungen waren Ende der Zwanziger Jahre abgeschlossen. Obwohl sich das Ensemble nur ungefähr zehn Jahr im Besitz der Goldschmidt AG befand, ist die kleine städtebauliche Anlage im Gedächtnis der Mannheimer seit vielen Jahren tief mit der Firma verankert. Die Kolonie, die heute noch ein geschlossenes Bild bietet, war die fortschrittlichste der drei historischen Rheinauer Siedlungen.

Eigentümer: 
Privateigentum
Erbauer: 
Baugesellschaft der Einfamlienhaus-Rheinau GmbH
Architekt: 
F. & A. Ludwig
Bauzeit / Umbauten: 
1900
Quellen: 
  • Roland Eisenlohr: Das Arbeitersiedelungswesen der Stadt Mannheim, Karlsruhe 1921
  • Monika Ryll: Das Arbeitersiedlungswesen in Mnanheim, in: Mannheim und seine Bauten, Bd. 5, Mannheim 2005, S. 106-115
Autor/in: 
Monika Ryll