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Villa Hermannshof mit Schau- und Sichtungsgarten in Weinheim

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Westseite des Seminarhauses mit Terrasse
Ostseite des Seminarhauses - Bitte vergrößern !
Seminarhaus von Nordwesten
Seminarhaus Eingang an der Nordseite
Sandstein-Sturz an der Ostseite des Nebenhauses
Ansicht von Westen mit den zwei Burgen im Hintergrund und dem Riesen-Mammutbaum davor - Bitte vergrößern !
Gartentor an der Grabengasse und Rote Turmstraße
Detail vom Gartentor
Tür in der Ostseite des Nebenhauses
Nebenhaus mit Wintergarten-Anbau
Winterumhausung für die 1879 gezogene Myrte
Tafel zur Erklärung der Brautmyrte
Steinerne Sitzbänke mit Aufgang im Garten
Steinerne Sitzbank am Aufgang im Garten
Wohnhaus (heute Seminarhaus) Bild von Carl Schütte um 1899 -  Quelle: Stadtarchiv Weinheim - Zur Gesamtansicht vergrößern!
Hermann Ernst Freudenberg um 1910 - Quelle: Stadtarchiv Weinheim

Zum Ensemble „Hermannshof” gehören das klassizistische Herrenhaus (heute Seminarhaus) mit Erd- und Obergeschoß sowie den übergiebelten Mittelrisaliten, das ehem. Gärtner- oder Nebenhaus sowie der 2,2 ha große Garten. Die Benennung erinnert an Hermann Ernst Freudenberg (1856-1923), der hier als wichtiger Weinheimer Unternehmer seinen sehr repräsentativen Wohnsitz hatte. Grundstücksgröße, Vorgeschichte des Gebäudes und die heutige Lage in der Innenstadt machen diese ehem. Unternehmer-Villa zu einem außergewöhnlichen Objekt.

Neben den Gebäuden beeindruckt der 1888 gepflanzte Riesen-Mammutbaum (Sequoiadendron giganteum) mit über 30m Höhe und 8m Stammumfang einen Meter über dem Boden. Die 1879 gezogene Brautmyrte (Myrtus communis) wird gegen Winterfröste mit einer temporären Umhausung geschützt.

Nutzung (ursprünglich): 

Villa

Nutzung (derzeit): 

Seminarhaus

Geschichte: 

Weitgehend nach den Informationen der Firma Freudenberg:

Schon am Ende des 18.Jahrhunderts gab es an dieser Stelle einen barock gestalteten Garten mit einem „Lusthaus”. Ferdinand Anton Becker und Lambert Babo waren die Eigentümer. Lambert von Babo wurde von Kurfürst Karl Theodor in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Nach seinem Tod 1799 erwarben seine Witwe und sein Sohn (mit gleichem Vornamen) angrenzende Grundstücke. Um 1820 entstand aus dem vorhandenen Haus ein herrschaftliches Landhaus. Maßgeblich war dabei Baudirektor Weinbrenner aus Karlsruhe.

Lambert von Babo (1790-1862) galt als Fachmann fortschrittlicher Landwirtschaft, veröffentliche agronomische Schriften und entwickelte neue Gerätschaften und Düngemethoden. Durch seinen Kunstsinn wurde das Haus zu einem Zentrum des gesellschaftlichen Lebens in Weinheim.

Nach seinem Tode lebten seine Erben zeitweise noch in Weinheim, zeitweise war das Haus auch vermietet. 1888 erwarb Hermann Ernst Freudenberg (1856-1923) das für ihn günstig gelegene Anwesen und baute es zu einem dreigeschossigen Wohnhaus um, zunächst 1888 den Nord- und zwei Jahre später den Südtrakt. Im Jahre 1900 erhielt das Ensemble aus Häusern und Garten den Namen „Hermannshof”.

1981 entschloss sich die Firma Freudenberg, den Hermannshof zu einem Seminar- und Empfangszentrum für das Unternehmen umzugestalten. Zu diesem Zwecke wurde Umbauten vorgenommen.

Der Garten wurde 1983 in eine öffentliche Stiftung „Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof” überführt. Er ist als einziger von 13 Schau- und Sichtungsgärten in Deutschland in privater Hand. Mit 20 Prozent beteiligt sich die Stadt Weinheim am Unterhalt der öffentlich zugänglichen Anlage.

Prof. Urs Walser hatte von 1981-97 die Gesamtleitung dieser wissenschaftlichen Einrichtung der Carl Freudenberg Stiftung in Weinheim inne. Seit 1998 ist Landschaftsarchitekt Cassian Schmidt für die rund 2,2 Hektar verantwortlich.

Studenten der Fachhochschule Wiesbaden, angehende Landschaftsplaner, studieren hier „en natur” botanische Kompositionen. Welche Stauden sind besonders einfach zu pflegen, eignen sich deshalb besonders für die Pflanzung in öffentlichen Bereichen - und schmücken trotzdem? Etwa 5200 Arbeitsstunden jährlich erfordert die gepflegte Blütenpracht. Allein 18 000 Blumenzwiebeln werden im Herbst in die Erde gesteckt. Regelmäßig tauschen die Weinheimer mit 250 Gärtnereien in Nordamerika Samen aus.

Zu den Besonderheiten im Park gehören auch ehrwürdige Bäume (Bezug ist 2006):

eine 230 jährige Riesenplatane, bei welcher man durch einen geheimen Gang unter die Wurzel und in den hohlen Stamm gelangen kann.

ein eindrucksvoller Ginkgo biloba(110 Jahre), - ein über 100 Jahre alter Sequoiadendron gíganteum (Stammumfang 8m), - ein Taschentuchbaum ( Davidia involucrata),

eine immergrüne Eiche (Quercus turneri pseudoturneri),

eine Pergola mit 70 Jahre alten, besonders langdoldigen Glyzinen. (Wisteria japonica 'Macrobotris'),

eine echte Myrte aus dem Jahr 1879, 8 Meter hoch und breit, ursprünglich ein Zweiglein im Brautstrauß der Helene Freudenberg.

Zu jeder Jahreszeit zeigt die Oase ein anderes „Gesicht”. Übers ganze Jahr verteilt spazieren rund 100 000 Gäste durch den Haupteingang an der Babostraße.

Bauzeit / Umbauten: 
1820, ca. 1981
Quellen: 
  • Carl Freudenberg G.m.b.H. Kalblederfabriken Weinheim in Baden 1899 (?)
  • Grau, Ute und Guttmann, Barbara: Weinheim - Geschichte einer Stadt, Edition Diesbach Weinheim 2008
  • Stadtarchiv Weinheim: Zusammenfassung aus dem Faltblatt „Der Hermannshof“, hrsg. von der Presse- und Informationsabteilung der Firma Freudenberg und Bergsträßer Anzeiger 04.08.2006, Weinheim August 2006
  • Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof e.V.: Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof / Weinheim, ohne Jahr
  • Stadt Weinheim Grünflächen- und Umweltamt: Weinheims Grüne Meilen, Weinheim August 2006
Autor/in: 
Jürgen Herrmann