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Wäscherei und Kesselhaus der städtischen Krankenanstalten – heute Nutzbau der Universitätsmedizin Mannheim

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Kesselhaus mit Kohlehalle und Türmen von Westen
Turm mit grün glasierten Kachelstreifen
Von Süden wie eine Villa
Innenhof
Mediengang
Kohlehalle mit Schonstein
Schornstein mitten im Gebäudekomplex
Dach der Maschinenhalle
Desinfektionsanstalt
Altes Geländer und Bodenkacheln im Kesselhaus
Turm-Tor
Die Werkstatt vor der Kesselhalle wirkt wie ein Wintergarten mit Veranda
Abends vom Klinikum aus gesehen
Werkstatt im Erdgeschoss mit den schmalen alten Fenstern
Auch von innen wirkt die Werkstatt wie ein Wintergarten, belichtet durch ein Glasdach
Alte Desinfektionsanstalt hat noch die alten Funktionskacheln der 1920er Jahre
Gesamtansicht :Vom Dach der Alten Brauerei aus sieht man, dass der größte Teil des Komplexes unter Straßenniveau liegt

Zwei Türme mit gestuften Helmen begrenzen den langen mit grün glasierten Klinkern verzierten Bau entlang der Straße. Der größte Teil der Anlage liegt unter Straßenniveau. Es handelt sich um das Kessel- und Maschinenhaus des Heizkraftwerks, die ehemalige Wäscherei und die separat gebaute ehemalige Desinfektionsanstalt des benachbarten Klinikums. Der Architekt war Richard Perrey. 

Mitten in dem Gebäudekomplex steht der mächtige Schornstein, um den sich steile und vielfach versetzte Dächer ordnen. Die Gebäude sind aus Sandstein und rotbraunem Klinker gebaut, dekoriert mit grün glasierten Streifen in Jugendstilart. Die Dächer wirken dunkel und sind von Gauben und nach Süden von bizarren kleineren Schornsteinen und Entlüftungen geradezu bevölkert.

Die grünen Dekorstreifen an den Türmen und am Schornstein, die vertikale Gliederungen der Fassaden, die schmalen, gruppierten Sprossenfenster und die monumentale Dachformation wirken streng und klar. Die raumgreifende Symmetrie zeigt sich vollendet in einer Luftaufnahme.

Zur Straßenseite liegt die ehemalige Kohlenhalle mit ihren zehn relativ schmalen Doppeltüren. Ursprünglich wurde die Kohle direkt per Bahn angeliefert. Die Tore sind jedoch seit langem mit Glasbausteinen und Holzplatten versiegelt. Das Mauerwerk ist an einigen Stellen marode. Die Türme sind heute ohne Funktion (wenn man vom Unterschlupf für Tauben absieht). Sie haben offenbar eine wechselvolle Geschichte. Nachdem die Kohlen nicht mehr direkt von der Straße (bzw. der Bahnlinie) aus durch die Tore eingeschüttet wurden, dienten die Türme eine Zeit lang für Kohleförderanlagen im Paternostersystem. Die Kohlen wurden von einer Kohlehalde mit Loren in die Türme eingebracht und im ersten Stockwerk des Längsbaus an der Straße in die Schütttrichter verteilt.

Der rechte Turm wurde später auch als Weichwasserspeicher für die Erzeugung von Dampf genutzt. Die Erfindung von Herrn Furcht, dem damaliger Leiter der Technik, hat sich jedoch nicht bewährt, da die Anlage zu schwer war.

Die südliche Ansicht mutet eher wie eine Villa an: mit dem nach außen gebauten mehreckigen Treppenhaus, einer vor die Halle gebauten Werkstatt mit Glas-Dach - fast im Stil eines Wintergartens - und der darüber liegenden angedeuteten Dachterrasse.

Die Maschinenhalle – belichtet durch zwei riesige Bogenfenster an den Giebelseiten (eines davon weitgehend abgedeckt) beherbergt heute moderne gasbetriebene Aggregate der MVV, die der Dampferzeugung dienen, der für das Klinikum über den langen unterirdischen Mediengang bereitgestellt wird. Der Hallenbau selbst, der Fußboden, teilweise die Geländer und die Dachkonstruktion sind im Originalzustand (bzw. saniert) erhalten.

Der Schornstein, der in einem kleinen Innenhof liegt, wurde in den 1980er Jahren im Zuge des Einbaus neuer Filter verkürzt. Das Erdgeschoss des an die Maschinenhalle angebauten Komplexes war und ist die Metallwerkstatt des Klinikums. Die drei weiteren Stockwerke dienten der Wäscherei, in denen bis in die 1970er Jahre die Krankenhauswäsche sortiert, gewaschen, getrocknet, gebügelt und sogar geflickt wurde.

Der von Norden her einsehbarer Bügelsaal (große Fenster im 1. OG) steht leer und ist funktionslos abgemauert. Früher befanden sich im obersten Stockwerk noch Wohnungen für Bedienstete, die neben dem benachbarten Friedhof über eigene Gärten verfügen konnten.

Von der alten Funktion des Gebäudes gibt es heute keine Spuren mehr. Alle Räume sind inzwischen durch Labors für Forschung (incl. Tierversuchen) und Verwaltung genutzt. Im Osten umschließt ein moderner abgerundeter Funktionsanbau den unteren Teil des Gebäudes. Auch im Süden ist die Sicht auf die geniale Dachlandschaft verbaut.

Die separate ehemalige Desinfektionsanstalt auf dem Hof ist ein kleiner einstöckiger, kreuzförmig angelegter Bau, der heute zur Fakultät gehört. Er steht vollkommen leer. Die Räumen sind bis oben mit schlichten grauen Kacheln versehen.

Der Mannheimer Architekt Richard Perrey hat auch das Krankenhaus gebaut. Das Heizkraftwerk und die Wäscherei galten als „notwendige, aber nicht sehr erwünschte Anlagen“, sie wurden deshalb etwas abseits des eigentlichen Krankenhauses und mit anderen Materialien gebaut (Krankenhaus überwiegend in hellem Sandstein). Durch die räumliche Nähe zum Friedhof wird das monumentale etwas düster wirkende Gebäude fälschlicherweise oft für ein Krematorium gehalten.

Nutzung (ursprünglich): 

Heizkraftwerk, Desinfektionsanstalt und Wäscherei für die städtischen Krankenanstalten (damals schon über 1000 Betten)

Nutzung (derzeit): 

Dampferzeugung für das Klinikum (und andere Abnehmer der MVV), Werkstatt, Labors, Büros der Universitätsmedizin Mannheim

Eigentümer: 
Universitätsklinikum Mannheim
Erbauer: 
Stadt Mannheim
Architekt: 
Richard Perrey
Bauzeit / Umbauten: 
1913
Quellen: 

Mannheim und seine Bauten 1907-2007, Band 4, Seite 110

Autor/in: 
Barbara Ritter