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Wasserturm Altrip

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Wasserturm als Wahrzeichen von Altrip, Foto Daniel Werner 2017
Wasserturm von Altrip, Foto Daniel Werner 2017
Mittelpunkt der Gemeinde Wasserturm von Altrip, Foto Daniel Werner 2017
Altrip-eingerüsteter Wasserturm 12-2917-Ritter
Altrip Wasserturm Glocken Foto Ritter 2017

Der Wasserturm ist nicht nur die bestimmende Landmarke des Ortsbildes, sondern gilt auch als Wahrzeichen Altrips. Dabei erschließt sich seine ursprüngliche Funktion gar nicht auf den ersten Blick, was auch an dem eher ungewöhnlichen Umstand liegt, dass er sowohl mit einer Turmuhr als auch mit Glocken ausgestattet ist.

Der 42 m hohe, verputzte Turm wird von einer Laterne mit zwei Glocken bekrönt. Auf fast quadratischem Grundriss wurde er mit fünf Geschossen einschließlich eines Uhrengeschosses errichtet. Der kupferne Wasserspeicher fasst 150 Kubikmetern in 25 Metern Höhe.

Der Turm war damals und ist heute noch das höchste Gebäude in der Gemeinde. Zu seiner Zeit war er ein modernes multifunktionales Architekturobjekt mit starken Anklängen an den Stil der neuen Sachlichkeit, eben mehr nur als ein einfacher Wasserturm.

Nutzung (ursprünglich): 

Wasserturm

Nutzung (derzeit): 

Wasserwirtschaftlich außer Betrieb, Turmuhr noch in Funktion

Geschichte: 

Bis in die 1920er Jahre war es um die Wasserversorgung Altrips nicht zum Besten bestellt. Am Beispiel der Trinkwasserversorgung von Altrip  ist der krasse Gegensatz von Stadt und Land in der Zeit der Industrialisierung recht deutlich erkennbar. Während es in Mannheim bereits ab 1888 eine öffentliche Wasserversorgung gab, mussten sich die Bewohner des Dorfes in unmittelbarer Nähe noch 40 Jahre lang mit teilweise unhaltbaren Umständen herumschlagen.

Dorfbrunnen wiederholt "unbrauchbar"

Es gab „von Alter her“ neben privaten Brunnen zwei öffentliche Dorfbrunngen aus denen sich die Bewohner ihr Wasser holen konnten bzw. mussten. Da jedoch Altrip teilweise im Überschwemmungsgebiet des Rheins liegt, kam es immer wieder zu Verunreinigungen des Brunnenwassers. Nach Klagen der Bevölkerung ließ die Gemeinde 1906 das Wasser untersuchen, und kam zu dem Ergebnis, "daß das Wasser zu Genußzwecken augenscheinlich ganz unbrauchbar ist, sowohl seines schmutzigen Aussehens als auch dessen widerlichen Geschmackes nach." Rund 150 Bewohner des betroffenen Gebiets wurden auf den zweiten – noch guten – Brunnen verwiesen, der ca. 200 m weit entfernt lag. Es wurden in den folgenden Jahren einige Wasserleitungen von den Brunnenanlagen zu wenigen Nutzer gebaut, es gab Streit bis vors Gericht um die Kostenbeteiligung, doch die Leute aus dem Unterdorf, die "Unnagäßla", hatten 1913 schon wieder Ärger mit ihrem Brunnen.

Noch im ersten Weltkrieg besichtigte der Gemeinderat moderne Wasserversorgungsanlagen in anderen Gemeinden. Die Ludwigshafener Firma Sulzer legte im Juni 1918 Pläne sogar Pläne dafür vor, und der Gemeinderat stellte erste Finanzmittel für ein Wasserwerk im Haushalt ein. Doch nachdem der Krieg verloren war, gab es für solche Investitionen kein Geld mehr. Die Brunnen verkamen immer mehr, Anfang des Jahre 1919 waren beide unbrauchbar.

Es muss im Dorf zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen sein. Im Februar 1919 beklagten sich alle 53 Anschlussnehmer bei der Gemeinde, „dass die Gemeinde zwar das Wassergeld pünktlich erhebe, aber das Funktionieren der Brunnen nicht gewährleiste.

Die Bewohner der drei Straßen im Hochwassergebiet waren gezwungen, in der Ludwigstraße bei Privatleuten ihr Wasser zu schöpfen und wegen der ständigen Laufereien sperrten die Betroffenen oftmals ihre Hoftore zu. Auch die Privatleute in der Rupprechtstraße verschlossen wiederholt ihre Tore vor den Wilhelmsträßlern.“  (Heimat und Geschichtsverein Altrip)

Von idyllischem Dorfleben zeugt das nicht. Die gesicherte öffentliche Wasserversorgung wurde offensichtlich immer wichtiger, insbesondere für Leute, die keinen eigenen "Grund und Brunnen" hatten.

öffentliche, gesicherte Wasserversorgung

Abhilfe schaffte man endlich 1925/26, als unter der Regie des Bayrischen Landesamtes für Wasserversorgung das Ortsnetz für Wasserleitungen gelegt wurde und der Wasserturm gemeinsam mit einem Pumpenhaus errichtet wurde. Für letztere lag die Bauleitung beim Landbauamt Speyer, ausführend war zunächst der Ludwigshafener Bauunternehmer Karl Liebe und im Anschluss die Gemeinde Altrip im Eigenbau. Die Turmuhr fertigte die Firma Porth aus Speyer. Während  das Wasserleitungsnetz bereits in den Jahren 1925 und 1926 verlegt wurde, begannen am 7. November 1926 die Arbeiten für den Wasserturm. Am 6. August 1927 floss bereits erstmals Wasser in den Hauswasserleitungen. Kohlensäure, Eisen und Mangan wurden im Wasserwerk herausgefiltert, das Wasser mit Hilfe von Elektromotoren und einem Benzinmotor ins Netzt gepumpt, der Überschuss in den Wasserturm.

Trinkwasserverbund mit Ludwigshafen

Die Gemeinde Altrip hatte 1927 ca. 2700 Einwohner*innen, im Jahr 2000 war sie auf fast 8000 gewachsen. Das lokale Wasserwerk reichte nicht mehr aus. Man trat nach mit den Technischen Werken Ludwigshafen wegen des Anschlusses an deren Wasser-Netz in Verhandlung. Die 2006 gebaute Trinkwasserverbundleitung nach Altrip ist nur 4,8 km lang. Seit dem Anschluss daran wurde der Wasserturm nicht mehr als Wasserbehälter genutzt. Aber sicherheitshalber blieb das Wasserwerk Altrip in Betrieb, wenn auch in einer Art „Stand by“-Modus.

Weitere ausführliche Beschreibung und viele Geschichten findet man beim Heimat und Geschichtsverein Altrip  e.V. unter http://www.hgv-altrip.de/

Als Wasserturm wird der Bau zwar nicht mehr genutzt, im Inneren befindet sich aber nach wie vor der Wasserbehälter; für die Öffentlichkeit ist der Turm nicht zugänglich.

Eigentümer: 
Gemeinde Altrip
Erbauer: 
Karl Liebe, Gemeinde Altrip
Bauzeit / Umbauten: 
1926/27
Quellen: 

Jacob, Adam: Die Gemeindewerke Altrip. In: Altrip – Porträt eines Dorfes. Festschrift aus Anlaß seines 1600jährigen Bestehens. Gemeindeverwaltung Altrip, 1970, S. 239 – 243

Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Bd. 7: Kreis Ludwigshafen. Düsseldorf, 1989 (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland)

Heimat- und Geschichtsverein Altrip e.V. webseite

Autor/in: 
Daniel Werner, Barbara Ritter