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Wasserturm in Speyer

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Wasserturm
Wasserturm mit Häuserzeilen
Ansicht von Osten
Turm von Süden
Eingangstüre
Eingang mit Fenster

Der stattliche Wasserturm aus dem Jahr 1883 steht zentral inmitten einer Siedlung, die ursprünglich für Postbedienstete gebaut wurde. Der Grundriss des dunkelroten Backsteinturms ist 12-eckig. Die Eingangstür aus dunklem Holz mit schön ausgebildeten Kassetten zeigt nach Süden und ist mit einer wuchtigen Rahmung aus hellem Sandstein betont. Über dem Türsturz ist das Baujahr 1883 eingemeißelt.

Über dem Turmsockel, der mit einem umlaufenden Sandsteinfries endet, erhebt sich der etwas schmalere zylindrische Schaft, der mit senkrechten angedeuteten Säulen (Lisenen) gegliedert ist und drei Reihen von Fenstern aufweist. Alle Fenster sind sehr schmal, kräftig blau-türkis gestrichen, haben einen breiten hellen Fenstersturz, der sich seitlich etwas herunterzieht und einen ausladenden hellen Sims. Der Turmkopf kragt über den Schaft aus, abgesetzt mit hellen lamellenartigen Bogenverzierungen, in denen ebenfalls schmale Fenster untergebracht sind. Er enthält den Wasserbehälter.

Auch hier sind Blind-Fenster der gleichen Art erkennbar, d.h. die Fensteröffnungen sind angedeutet, jedoch mit Backsteinen vermauert. Wie ein Hut mit Krempe liegt darüber das dunkle Dach, das man in voller Höhe und Form nur von weitem erkennen kann.

Die Siedlung am Wasserturm ist als Gesamtanlage ebenfalls eine Denkmalzone. Sie wurde erst 40 Jahre nach Errichtung des Wasserturms kurz nach dem ersten Weltkrieg gebaut. Um den Wasserturm bildet sie einen kleinen Platz, der jedoch nur als Parkplätze genutzt wird. Die einfachen meist zweigeschossige Putzbauten der Siedlung sind unterschiedlich groß, vom Doppelhaus bis zur Häuserzeile. Sie sind für ihre Bauzeit in den 1920er Jahren recht niedrig, haben ca. 45 Grad geneigt Walmdächer, manchmal auch Zwerchhäuser sowie Gauben und sind meist mit einem Vorgarten ausgestattet.

Der Turm, heute der Mittelpunkt der Siedlung, stand zur Zeit seiner Erbauung weit ab vom Stadtzentrum. Als Trinkwasserreservoir wurde er damals dennoch in einer ansprechenden Form architektonisch gestaltet.

Nutzung (ursprünglich): 

Wasserturm (Speicherfunktion) und Wohnsiedlung

Nutzung (derzeit): 

Wasserturm (Druckregulierungsfunktion) und Wohnsiedlung

Geschichte: 

Der Wasserturm ist im Zusammenhang mit der Geschichte der städtischen Trinkwasserversorgung von Speyer interessant. Bereits 1881 hatte die Stadt Speyer Adolph Friedrich Lindemann (1846-1927) die Konzession zur Herstellung und Betrieb eines Wasserwerks erteilt. Die Mannheimer Firma Bopp & Reuther führt die Bohrversuche für das Wasserwerk durch, im Juli 1882 wird im Speyerer Wald eine Pumpstation errichtet und ein Brunnen niedergebracht, eine Wasserleitung von der Quelle zum projektierten Wasserturm wird verlegt.

Innerhalb von 5 Monaten (September 1882 bis Februar 1883) wird der Wasserturm gebaut und das erste Wasser kann nach Speyer gepumpt werden. Im März 1883 wird die Wasserwerksgesellschaft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt (Kapital: 30.000 engl. Pfund in 3.000 Aktien à 10 Pfund). Der Ingenieur und Geschäftsmann Lindemann war gebürtiger Pfälzer mit englischer Staatsbürgerschaft. Im September 1883 wird das Wasserwerk im Stadtwald mit einer festlichen Feier eingeweiht.

Es wird schon 1891, also neun Jahre später, mit Inbetriebnahme eines neuen Wasserwerks in Speyer, das an die Firma Lindenmann für 500 000 Mark verkauft worden war, bereits wieder geschlossen. Die Firma Lindenmann erweitert in den kommenden 10 Jahren das Wasserleitungsnetz nach Heiligenstein und Berghausen. Weitere Brunnen werden durch Bopp und Reuther gebohrt. Lindemann ermittelt 1911 einen Verkaufswert des Wasserwerks von 1.600.000 M und unterbreitet dieses Angebot dem Bürgermeisteramt. Es werden Gutachten erstellt, aber der Eigentümerwechsel kommt wegen des Kriegsausbruches nicht zustande.

Am 31. Mai 1917 ordnet Reichskanzler Bethmann-Hollweg die Liquidation des Wasserwerks als ausländisches Unternehmen an. Am 4.11.1918 wird die Stadt Speyer als Eigentümerin des Wasserwerks in das Grundbuch eingetragen. Weitere Brunnen werden gebaut. Ab dem zwölften Brunnen (gebaut 1949) wird eine 20/0,4-kV- Trafostationen im Wasserwerk errichtet und es werden die Dampfmaschinen mit den zugehörigen Kesseln bis 1958 abgebaut.

1975 baut man zwei Erdbehälter mit je 2500m3 Speicherinhalt und einem Netzpumpwerk. Die Stadtwerke Speyer (SWS) versorgen heute etwa 70.000 Einwohner in Speyer, Römerberg, Hanhofen und Harthausen mit Trinkwasser. 2008 wurden ca. 4,1 Mio. m³ Trinkwasser gefördert. Der Wasserturm war als Speicher noch bis 1978 in Betrieb. Seine heutige Funktion ist die Unterstützung der Regelung des Wasserdrucks.

Eigentümer: 
Stadtwerke Speyer
Erbauer: 
Wasserwerksgesellschaft von A.F. Lindemann
Architekt: 
Wasserturm nach Plänen von Adolf Friedrich Lindemann Die Siedlung nach Plänen von Postbaurat Heinrich Müller
Bauzeit / Umbauten: 
Wasserturm 1883 Siedlung in den frühen 1920er Jahren
Quellen: 
Autor/in: 
Barbara Ritter, Albert Gieseler