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Wohnhäuser Heinrich und Julia Lanz in Mannheim

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Mannheim-Innenstadt, A 2,6 um 2010 (Foto: FB Städtebau, Norbert Gladrow)
Mannheim-Innenstadt, A 2,7 um 2010 (Foto: FB Städtebau, Norbert Gladrow)
A 2,6 Innenhof (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
A 2,6 Innenhof mit französischen Balkonen (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
Mannheim-Innenstadt, A 2,6 um 1950
Mannheim-Innenstadt, A 2,7 um 1950
Mannheim-Innenstadt, A 2,7 um 1950
Mannheim-Innenstadt, A 2,6 (links) und A 2,7 (rechts), vor 1945,  Foto: Stadtarchiv Album 01622-072a
Mannheim-Innenstadt, St. Hedwigsklinik A 2,5-7 (im Vordergrund Erweiterungsbau aus der Nachkriegszeit), Foto: Stadtarchiv Album 01622-073a
St. Hedwig-Klinik, Warteraum A 2,6, um 1930, Foto: Stadtarchiv Album 01622-074a
A 2,6 Durchgang (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
A 2,6 Durchfahrt (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
A 2,6 Diele (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
A 2,6 Diele mit Treppe (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
A 2,6 Treppe in der Diele (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
A 2,6 Diele, Ledertapete (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
A 2,6, Diele Türbeschlag (Foto Stadt Manheim FB 61 Gladrow)
A 2,6 Diele, Holzschnitzwerk mit Leuchter (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
A 2,6 Diele , Holzschnitzwerk (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
A 2,6 Diele, Holzschnitzwerk (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
A 2,6, Diele Stuckdecke (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
A 2,6, Vorraum zur Diele, Tür mit Supraporte (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
A 2,6 Tür mit Supraporte (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
A 2,6 Galerie, historische Fensterfront (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
A 2,6 Galerie (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
A 2,6 Galerie, heute Cafe (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
A 2,6 Galerie Fenstergriff (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
A 2,6 Herrenzimmer (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
A 2,6 Herrenzimmer  (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
A 2,6 Salon (heute Kapelle).jpg
A 2,6 Salon Deckenstuck (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
A 2,6 Salon Intarsienparkett (Foto Stadt Mannheim FB 61 Gladrow)
St. Hedwig-Klinik, Satzung- und Geschäftsordnungs-Auszug, um 1930, Stadtarchiv Album 01735-028
St. Hedwig-Klinik, Baubescheid um 1929, Foto: Stadtarchiv Album 01735-027

Die beiden dreigeschossigen Gebäude unterscheiden sich durch die Fassadengestaltung.

Das ältere Wohnhaus A 2,6 ist ein monochromer Putzbau im Stil der Neorenaissance. Der heutige cremefarbene Anstrich erfolgte auf der Grundlage einer restauratorischen Befunduntersuchung. Im Erdgeschoss befindet sich die Durchfahrt in den Hof und ein separater Zugang für Fußgänger. Die schönen schmiedeeisernen Gitter, die sich bis zur letzten Sanierung 1995 im Keller befanden, wurden auf die neuen Türflügeln wieder aufmontiert. Die Fenster des Erdgeschosses weisen einen Segmentbogen, die der Obergeschosse einen geraden Sturz auf. Die oberen Fenster sind durch Rahmung, Giebelbekrönung und Schlusssteine gestalterisch besonders hervorgehoben. Die Öffnungen des mittleren Stockwerks sind zudem als Fenstertüren mit schmiedeeisernen Brüstungsgittern ein Hinweis auf das piono nobile, der Wohnetage der Industriellenfamilie. Hier befand sich an der mittleren Fensterachse früher ein Balkon. Die betreffende Balkontür wird durch eine weit ausladende Segmentgiebelverdachung charakterisiert. Das Dachgeschoss wurde im Zweiten Weltkrieg stark in Mitleidenschaft gezogen und anschließend mit der "Gaubenbatterie" ausgebaut. Ursprünglich hatte die Traufe eine hohe Attikazone abgeschlossen, die den Eindruck der klassischen Architektursprache noch verstärkte.

Im Innern sehr sehenswert sind besonders die Räume im 1. Obergeschoss: Diele, Herrenzimmer, Bibliothek, Salon, Speisesaal. Im Salon befindet sich heute die Kapelle der St. Hedwig-Klinik.

Das 35 Jahre jüngere Wohnhaus in A 6,7 weist eine hellgelbe Sandsteinfassade auf. Das Erdgeschoss ist rustiziert. In der Mittelachse des Erdgeschosses liegt die schöne zweiflüglige Zufahrt zum Innenhof. Obwohl Heinrich Lanz bei Baubeginn bereits verstorben war, tragen die beiden Türflügel das Monogramm "H L". Die Bauherrin Julia Lanz hat dies als Zeichen tiefer Verehrung und Zuneigung in Erinnerung an ihren Ehemann anbringen lassen. Die ebenerdigen Fenster sind segmentbogig, die im mittleren Geschoss rundbogig und die in der obersten Etage gerade. Auch in diesem Gebäude ist das erste Stockwerk durch die hohen Fenstertüren als Beletage ausgewiesen. Die drei mittleren Achsen sind durch einen nischenartigen Rücksprung sowie durch eine Pilastergliederung architektonisch zusammengezogen. Fenster- und Balkongitter lassen bereits Anklänge an Jugendstilformen erkennen. Sandsteinvasen, Kartuschen und Girlanden sind als weitere Fassadenzier zu erkennen. Auch bei diesem Anwesen hat der Zweite Weltkrieg zu erheblichen baulichen Veränderungen geführt. Ursprünglich wurden die beiden äußeren Fensterachsen im Dach durch einen Segmentgiebel bekrönt.

In diesem Gebäude führten Umnutzung und Kriegszerstörung auch im Innern zu erheblichen Modernisierungen, so dass das ursprüngliche Wohnambiente der Bauherrin Julia Lanz heute nicht mehr nachvollziehbar ist.

Nutzung (ursprünglich): 

Industriellenwohnhaus

Nutzung (derzeit): 

Klinik

Geschichte: 

1859 ist das Gründungsjahr der späteren Weltfirma Lanz. In diesem Jahr trat Heinrich Lanz (Friedrichshafen 1838 - Mannheim 1905) in das Geschäft seines Vaters ein. Das Unternehmen spezialisierte sich auf die Produktion landwirtschaftlicher Maschinen. Die Fabrik umfasste damals zwei voneinander getrennte Bereiche: der ältere baute ausschließlich Dampfdreschmaschinen und Lokomobilen und war in der Schwetzingerstadt ansässig; der jüngere fertigte kleinere Dreschmaschinen, Göpel- und Futterschneidemaschinen und umfasste ein Gebiet im Lindenhof. 1865 heiratete Heinrich Lanz die Mannheimerin Julia Faul (1843-1926), die 1910 die erste weibliche Ehrenbürgerin der Stadt wird.

Die Familie Lanz, zu der bald drei Töchter und ein Sohn zählen, ließ sich 1875 in dem neu errichteten Wohnhaus A 2,6 nieder. Nach dem Tode des Firmengründers im Jahre 1905 vergrößerte die Witwe durch Ankauf des Nachbargrundstücks A 2,7 und Neubau eines zusätzlichen Wohnhauses 1909 das Lanz'sche Anwesen. Die Pläne hierfür lieferte der bekannte Mannheimer Architekt Rudolf Tillessen (1857-1926).

Nach dem Tode von Julia Lanz wurden ihrem Wunsch entsprechend beide Häuser im Jahre 1928 einem karitativen Zweck zur Verfügung gestellt. Die Umbauten leitete der Architekt Drinneberg. Am 30.10.1928 wurde unter Regie des Prälats Josef Bauer und des Frauenarztes Dr. K. Lämmle der "St. Hedwigs-Klinik-Verein im Lanz-Haus e.V." gegründet. Am 13.01.1929 fand in der Klinik für Geburtshilfe und Frauenkrankheiten der erste operative Eingriff, einige Tage später die erste Geburt statt. Die Pflege erfolgte zunächst durch die Schwesternschaft Veronika (München). Am 01.05.1929 übernahmen die Niederbronner Schwestern der Wohltätigkeitsgesellschaft "Kloster Maria Hilf" in Bühl auf Bitten von Prälat Bauer die Krankenpflege. Ein Jahr später am 01.03. erwarben die Bühler Schwestern schließlich auch die beiden Anwesen.

Bei einem Fliegerangriff in der Nacht vom 11. auf den 12.02.1942 erlitten die beiden Gebäude im Dach und obersten Vollgeschoss erhebliche Schäden. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte ein veränderter Wiederaufbau im oberen Bereich. Im Jahre 1995 wurden die bis dahin eigenständigen Kliniken St. Hedwig und Theresien zur "Theresienkrankenhaus und St. Hediwg-Klinik GmbH Mannheim" zusammengelegt. Nach Übergabe der Geschäftsanteile der Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Erlöser (Niederbronner Schwestern) verblieb im Jahre 2010 als einziger Gesellschafter der Orden der barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul (Freiburg). Trotz mehrerer Eigentumwechsels blieben die qualitätvollen Räumlichkeiten weitgehend im Original erhalten. Bei der zwischen 1995 und 1997 erfolgten Sanierung wurden nachträgliche bauliche Veränderungen wieder rückgängig gemacht, so dass die wertvolle und einzigartige Innenausstattung der Familie Lanz heute im alten Glanz erscheint. Die Maßnahme wurde durch den Restaurator Hans Dieter Zopf (Weinheim) betreut.

Eigentümer: 
Theresienkrankenhaus und St. Hedwig-Klinik GmbH Mannheim (Orden der barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul, Freiburg)
Erbauer: 
A 2,6: Julia und Heinrich Lanz; A 2,7:Julia Lanz
Architekt: 
A 2, 6: unbekannt; A 2,7: Rudolf Tillessen
Bauzeit / Umbauten: 
A 2,6: 1875; A2,7: 1909; Umbau zu einer Klinik 1928
Quellen: 
  • Ferdinand Werner: Mannheimer Villen. Architektur und Wohnkultur in den Quadraten und der Oststadt, Worms 2009 (= Beiträge zur Mannheimer Architektur- und Baugeschichte, Bd. 6), S. 50-57
  • Tobias Möllmer: Ein bürgerlicher Palazzo: Das Stadthaus der Familie Lanz in Mannheim, in: Mannheimer Geschichtsblätter Bd. 17, 2009, S.7-24
  • www.albert-gieseler.de
Autor/in: 
Monika Ryll