Startseite »

Zentralwerkstatt von Bilfinger Berger im Industriehafen Mannheim

Druckversion
Front mit Inschrift: Der Anfang war schwer - doch - schwerer das Ende. 1916-1920
Werkstattbau und mit Eisenplatten befestigte Ufermauer um 1906
umgenutzte alte Brücke als Dach für eine Halle (Foto: Christine Schröter, NABU)
Munitionskistenhaus 1921
Neubau 1920 (alle historischen Fotos aus Stier, Krauß: Drei Wurzeln – ein Unternehmen, siehe unten)
Zentralwerkstatt mit eigenen Spezialmaschinen (historisches Foto um 1920)
Turmfalkenkasten an der Ex-Brücke (Foto: Christine Schröter, NABU)
Der älteste Bauabschnitt - frisch renoviert
Anbau von 1920 mit Anbau von 2008 (rechter Bildrand)
Treppenhaus
Alles gut erhalten - selbst die Kaimauer mit Metallplatten - neu: der behindertengerechte Aufgang
Ansicht vom Industriehafen aus
Die selbe Ansicht in heutiger Zeit: mit  Treppenhausanbau (weiß-blau) ohne Werksmauer mit Schriftzug

Stat. 26Das prächtige rote Backsteingebäude des Bauunternehmen Bilfinger Berger an der Diffenéstraße fällt sofort ins Auge. Nicht zu übersehen ist die eigenartige Inschrift, die sich über die gesamte Fassadenbreite erstreckt: „Der Anfang war schwer – doch schwerer das Ende”. Sie bezieht sich auf die Bauzeit im Ersten Weltkrieg von 1916 bis 1920 und die Nachkriegszeit.

Vier Stockwerke hoch mit langen, in Vierergruppen zusammengefassten Fenstern, so hebt sich das Werkstattgebäude von den Funktionsbauten der Umgebung ab. Das Gebäude erstreckt sich entlang des Altrheins gut 100 Meter in die Tiefe. Von der Diffenébrücke aus ist erkennbar, dass das historische Gebäude in zwei Abschnitten gebaut wurde: Das 1904 errichtete Werkstattgebäude mit den großen Rundbogenfenstern ist das ältere, der linke (vordere) Teil mit dem schräg angeordneten Treppenhausfenstern kam 1920 hinzu. Vor beiden Bauten ist ein moderner Anbau in weiß und aus Glas gestellt worden, der über Brücken ins Haus führt – ein behindertengerechter Zugang mit Aufzug.

Der ganze Gebäudekomplex ist trotz seines Alters in bester Verfassung –  ein langjähriges Vorzeigeprodukt einer renommierten Baufirma. Ebenso ist die 1904 gebaute 100 Meter lange, mit Eisenplatten befestigte Uferwand noch heute zu sehen, an der die schwimmenden Großgeräte der Firma festmachen konnten. Noch sehr lange war an der heute nicht mehr existierenden Werksmauer der große Namenszug des Vorläuferunternehmens aufgemalt: Grün & Bilfinger.

Das weitläufige Gelände rund herum ist Lagerfläche für Baugeräte und Bauutensilien. Im hinteren Bereich, der von der Straße nicht einzusehen ist, steht ein Kuriosum: eine ehemalige Holzbrücke aus Heidelberg, die – auf Stahlständer gestellt – als Dach für eine offene Lagerhalle genutzt wird. Diese erstaunliche Dachkonstruktion ist nun auch noch Träger eines Kastens für einen Nistplatz von Turmfalken, der von der AG Turmfalken des NABU-Mannheims aufgehängt wurde.

Nutzung (ursprünglich): 

Zentralwerkstatt

Nutzung (derzeit): 

Maschinentechnische Abteilung und Lager

Geschichte: 

Die Grün & Bilfinger OHG ist ein auf Brücken- und Wasserbau spezialisiertes Unternehmen. Sie ist eine der drei Wurzeln der heutigen Bilfinger Berger AG.

Schon um 1900 war Grün & Bilfinger mit Abstand das größte Bauunternehmen in Mannheim und Umgebung. Die Verwaltung befand sich in der Akademiestraße im Jungbusch. 1905 waren rund 3000 Arbeiter und 110 Angestellte für sie tätig. Von Beginn an war es nicht nur an vielen prominenten Stellen in Deutschland und seinen Kolonien aktiv, sondern ab den 1920er-Jahren weltweit unterwegs.

Im Ersten Weltkrieg erwirtschaftete Grün & Bilfinger – entgegen dem pathetischen Spruch auf der Fassade – bedeutende Gewinne, ebenso im Zweiten Weltkrieg (ausführlicher zur Geschichte von Bilfinger Berger siehe PDF-Datei zum Downloaden). Ab 1900 war Grün & Bilfinger führend mit dem Ausbau des nördlichen Ufers vom Mannheimer Industriehafen sowie der Diffenébrücke beauftragt.

1903 erwarben sie das Gelände direkt im neu erschlossenen Areal der Friesenheimer Insel. Auf dem 7.750 m² großen Grundstück nordwestlich der gerade erbauten Diffené-Brücke errichtete das Unternehmen seine eigene Werkstätte samt Lager und Schiffsanlegeplatz, denn es verfügte schon damals über mehrere Schwimmbagger, Elevatoren (Hebe- und Aufzugsvorrichtungen) Schleppboote und Schuten (kleine flache Schiffe ohne eigenen Antrieb).

Im Gebäude war die maschinentechnische Abteilung untergebracht. Dort wurden nicht nur die vorhandenen Geräte gewartet, sondern auch Sonderanfertigungen und Neukonstruktionen durch Maschineningenieure hergestellt. Das Gelände wurde in den folgenden Jahren mehrfach erweitert. So entstand 1912 eine Anlage zur Serienfertigung von Betonpfählen. Sie wurden über den Rhein bis zur Baustelle nach Tansania verschifft.

1916 bis 1920 kam der große Anbau hinzu, der heute den Komplex dominiert. Die Umnutzung der alten hölzernen Brücke zu einer bedeckten Lagerhalle ist nicht die einzige Weiterverwertung gebrauchter Materialien. So bauten sie nach dem Ersten Weltkrieg versuchsweise zwei Häuser und Bauhütten aus hölzernen Munitionskisten, die relativ lange in Betrieb waren. In Heidelberg besteht noch heute eine Reiterhalle, deren Dach aus einer hölzernen Behelfsbrücke gefertigt ist. Das Alter und die genaue Herkunft der ehemaligen Brücke auf dem Lagerplatz am Industriehafen ist noch offen.

Eigentümer: 
Bilfinger Berger
Erbauer: 
Grün & Bilfinger
Bauzeit / Umbauten: 
1904, 1916-1920
Quellen: 

Bernhard Stier, Martin Krauß: Drei Wurzeln – ein Unternehmen, 125 Jahre Bilfinger und Berger AG, Heidelberg 2005

Autor/in: 
Barbara Ritter