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  • Hinein in den Konsumverein!

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    GEGEN BLENDE
    15. Dezember 2013
    Rezension

    Header der Site GEGEN BLENDE - DGB

    von: Ralf Seidler

    Eigentlich schreit die heutige Zeit nach einer Renaissance der Konsumvereinbewegung. Ehemals wurde sie durch Wirtschaftskonzentration und eine fehlverstandene Angebotspolitik Keynes in den siebziger Jahren, aber auch durch das staatlich regulierte Wirtschaften in der DDR, wo man zum Einkaufen in den -Konn'summ ging, diskreditiert. Es ist ja oft so, dass eine schlechte Erfahrung die positiven Seiten einer an sich guten Idee und erfolgreichen Struktur überdeckt.

    In der großen Ausstellung des Mannheimer Technoseums „Durch die Nacht zum Licht? Geschichte der Arbeiterbewegung 1863 bis 2013“ präsentierte der Verein Rhein-Neckar-Industriekultur eine kleine sehenswerte Ausstellung zur Entwicklung der Konsumvereine, zu der auch der thematisch erweiterte Ausstellungskatalog „Hinein in den Konsumverein!“ erschienen ist. Ausstellung und Katalog erinnern an eine mittlerweile über 200 Jahre alte Bewegung, die im Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit unterging und heute im Zuge der Finanz-, Wirtschafts- und Ökologiekrise wieder ein mögliches Modell des eigenverantwortlichen Handelns wäre.

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  • Beschilderter Rundweg durch Industriehafen

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    Mannheim und Mühlen gehören zusammen: Solche Bauwerke - wie hier die Pfalzmühle - würdigt natürlich auch das Projekt „Wege zur Industriekultur”. Realisiert werden soll eine beschilderte Hafen-Rundroute. © Tröster
    Mannheimer Morgen
    4. Oktober 2013
    NECKARSTADT-WEST
    Bezirksbeirat beschäftigt sich mit dem Projekt „Wege zur Industriekultur“ / Mehr Informationen über Bauwerke und Panoramablicke

    Von unserem Redaktionsmitglied Waltraud Kirsch-Mayer

    Wege zur Industriekultur als beschilderte Rundroute im Mannheimer Industriehafen – dieses dem Bezirksbeirat Neckarstadt-West vorgetragene Konzept erhielt nicht nur einhelliges Lob. Es ließ auch Begeisterung aufblitzen. Stadträtin Gabriele Thirion-Brenneisen (Grüne), die am Abend vor dem Tag der deutschen Einheit die Sitzung leitete, hob die breite Verankerung des Vorhabens in der Stadt hervor: Die kommunale Verwaltung, insbesondere, Kulturamt nebst Stadtplanung, und das Stadtarchiv haben gemeinsam mit dem Verein Rhein-Neckar-Industriekultur das von der SPD-Gemeinderatsfraktion initiierte Rundweg-Projekt der besonderen Art weiterentwickelt.

    Wichtiges Erbe

    Das Konzept stellte Dr. Andreas Schenk vom Stadtarchiv vor. Die positive Resonanz auf Mannheims Stadtpunkte-Tafeln belege, so Schenk, dass bei Bürgern wie Besuchern das Interesse groß ist, in Geschichte einzutauchen und dabei Geschichten zu erfahren. Dieses Erfolgsrezept will die Industriehafen-Rundroute jedoch nicht kopieren – es sollen im wahrsten Sinne des Wortes neue Wege beschritten werden. Hauptanliegen ist, den zentralen Ort der industriellen Entwicklung an Rhein und Neckar sichtbar machen. Auch als kulturelles Erbe. Entlang der Industrie-, Insel- und Friesenheimerstraße gibt es 27 Standortvorschläge für Objektschilder. Dazu kommen sieben größere Panoramatafeln – jeweils dort, wo der Blick nicht nur einzelne Bauten, sondern Herzstücke der Industrielandschaft erfasst.

    Insgesamt 34 Stationen

    Der geplante Rundweg soll mit dem ersten Mannheimer Elektrizitätswerk beginnen, zu dem Industriehallen und ein Jugendstilanbau gehören. Der erste Panoramastandort bietet sich bereits an der Inselstraße 2 (Ufer vor dem BMW-Händler) an – weil an dieser idyllischen Stelle der Blick auf die Ölmühle und alle Mühlen des Westufers fällt. Die etwas weiter entfernte Kammerschleuse ermöglicht sogar in zwei Richtungen zu schauen.

    Aus den insgesamt 34 Rundweg-Stationen seien einige Bauwerke und Blickpunkte beispielhaft herausgegriffen. Klar, dass jene Mühlen vorgestellt werden, die einst für Mannheim ein riesiger Wirtschaftsfaktor bedeuteten - sei es die Pfalzmühle mit ihrer beeindruckenden Architektur aus der Gründerzeit und mit Jugendstilelementen oder die moderne Hildebrand Mühle, die noch einen gründerzeitlichen Siloanbau aufweist. Nach wie vor imposant: die Diffenébrücke mit ihrer Hebekonstruktion. Hier drängt sich ein Rundblick geradezu auf, weil die Nordseite des Industriehafens, der Altrhein und seine Anlieger sichtbar werden. Den Blick schweifen lassen, das ist auch am Trafohaus möglich: Hier kann das Auge den Luzenberg-Wasserturm, das Kohlemahlwerk (Musikinsel), die Hildebrand-Mühle, die ehemalige Ölraffinerie Brillux und das Lagerhaus (einst Kaffeerösterei) wahrnehmen. Machen wir einen Sprung zu dem letzten Drittel des Rundwegs: Die Route führt beispielsweise am Haus des Roten Kreuzes, ursprünglich eine Lackfabrik, an der ehemaligen Badischen Eisenbahnverwaltung, an dem Wohnheim in der Alten Konsumzentrale und an dem Backsteingebäude der Huber-Mühle vorbei. Bei der Schluss-Station (Industriestraße 2) kündet die als Gewerbepark und Lager genutzte ehemalige Fermentieranlage für Tabak von einer einst großen Branche in Mannheim.

    Bei der Sitzung zeigten sich nicht nur Bezirksbeiräte quer durch die Parteien von dem Engagement des Vereins für Industriekultur beeindruckt – auch die beiden als Gäste erschienenen Stadträte Reinhold Götz (SPD) und Konrad Schlichter (CDU). Die frühere Gewerkschaftssekretärin Hilde Seibert, die sich mit dem Verein dafür einsetzt, die frühe Industrie samt der Leistungen ihrer Pioniere als „Identität stiftend und Image bildend” zu pflegen, zeigte sich bei der Sitzung „tausendprozentig überzeugt”, dass ein beschilderter Rundweg durch den Industriehafen bestens bei den Menschen ankommen wird. „Bei den Exkursionen, die wir bieten, haben wir meist mehr Anmeldungen als Kapazitäten”, schilderte sie das Interesse.

    Und wie geht es nun weiter? Das Beschilderungsprojekt, für das im laufenden Haushalt 40 000 Euro zur Verfügung stehen, geht am 10. Oktober in den Kulturausschuss und am 22. Oktober in den Gemeinderat. Ein Logo wurde bereits entwickelt. „Wege zur Industriekultur” sollen im September 2014 beim Tag des offenen Denkmals präsentiert werden.
    © Mannheimer Morgen, Freitag, 04.10.2013

  • Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?

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    Denkmalpflege in Baden-Württemberg
    1. Oktober 2013
    Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege
    Tag des offenen Denkmals 2013

    Seit der ersten bundesweiten Feier des Tags des offenen Denkmals 1993 ist es zu einer Tradition geworden, dass am zweiten Sonntag im September auch Denkmale, die meist unzugänglich sind, kostenfrei öffnen. Hauptberuflich und ehrenamtlich Tätige in der Denkmalpflege, Vereine und Stiftungen, Eigentümer und Kommunen bieten Führungen an, stehen bei Fragen zur Verfügung und machen mit einem Rahmenprogramm archäologische sowie Bau- und Kunstdenkmale erlebbar. Vier Millionen Besucher nutzten bundesweit in diesem Jahr die Gelegenheit, Denkmale unter dem diesjährigen Motto „Jenseits des Guten und Schönen. Unbequeme Denkmale?” kennenzulernen.

    Abbildung der Seite 207

  • Unbequeme Mahner der Geschichte

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    Mannheimer Morgen
    9. September 2013
    Tag des offenen Denkmals:
    Bunker und Industrieanlagen stoßen auf großes Interesse. Von unserem Redaktionsmitglied Karin Urich.

    „Erst hier entlang durch die Schleuse, dann in die dritte Etage.” So empfing Dr. Ulrich Nieß, der Leiter des Stadtarchivs, die Gäste zur offiziellen Eröffnung zum Tag des offenen Denkmals. Der Ort hätte passender nicht gewählt sein können. Der Bunker Ochsenpferch ist der größte Hochbunker Mannheims. Die Besucher bekamen so gleich einen Eindruck von der beklemmenden Atmosphäre in dem Luftschutzraum.

    „Jenseits des Guten und Schönen - Unbequeme Denkmale?” lautete das Motto in diesem Jahr. „Ein Motto, das zur Diskussion einlädt”, so Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz in seiner Begrüßung. Als Beispiele nannte er neben den Bunkern die KZ-Außenstelle in Sandhofen und das Jüdische Bad in B 7. Aber er erwähnte auch technische Bauwerke, die den heutigen Anforderungen nicht mehr genügen oder Nachkriegsarchitektur, die den Geschmack der heutigen Bevölkerung nicht mehr treffen. Daraus folgt für ihn die Frage, wo Denkmalschutz hinführt. „Wir brauchen die gesellschaftliche Diskussion, was schützenswert ist”, lud er alle ein und dankte denjenigen, die den Tag des offenen Denkmals in Mannheim möglich gemacht hatten.

    Schutz und Belastung

    Ulrich Nieß sprach über die Geschichte der 56 Schutzbunker in Mannheim, die für ihn ein Grund dafür sind, dass im Bombenkrieg „nur” 2000 Tote in Mannheim gezählt wurden. Er blickte aber auch auf die Geschichte der Bunker nach dem Krieg, denn sie wurden aufgrund der großen Wohnungsnot bis 1965 noch als Unterkunft genutzt, wobei die Menschen sehr unter den Bedingungen litten, was in den vielen Briefen der Betroffenen an die Stadt deutlich wird. Vertieft wurde dies in einer Ausstellung. Außerdem waren Fundstücke der Reiss-Engelhorn-Museen zu sehen, die diese bei Räumungen im Bösfeld, in der Stadt oder auf Feldern entdeckt haben. Und Uscha Rudek-Werlé zeigte ihre Ausstellung „Erblast D”.

    Einen lange unentdeckten Bunker konnten die Besucher der ehemaligen Großherzoglichen Rheinbauinspektion im Parkring 39 besichtigen. Die Kellerräume des 1897 errichteten Verwaltungsgebäudes wurden erst vor eineinhalb Jahren, als die Renovierung des Hauses begann, entdeckt. Sie dienten den Angestellten der Rheinbauinspektion als Schutzraum und wurden seither kaum verändert. Bei Bombenangriffen konnte so vom Keller aus weitergearbeitet werden. Demnächst wird das Gebäude wieder von der Universität Mannheim genutzt, die vor der Sanierung das Studentenwerk hier untergebracht hatte.

    Kampf um die Teufelsbrücke

    Wie unbequem Denkmalschutz sein kann, berichtete Albert Gieseler vom Verein Rhein-Neckar-Industriekultur bei seiner Drei-Brücken-Tour durch den Handelshafen. Er berichtete von den Plänen der Hafengesellschaft, die Teufelsbrücke, an der die Tour startete, abzureißen, um einen direkten Schiffsverkehr über den Neckar zum benachbarten Betonwerk zu ermöglichen. Dagegen regte sich heftiger Widerstand, der aber erst Erfolg hatte, als die Mühlaubrücke, die ebenfalls hätte verschwinden sollen, unter Denkmalschutz gestellt wurde. Einen Zwischenstopp machte die Gruppe an der Spatzenbrücke. Gieseler erklärte anhand dieser drei Brücken nicht nur den Konflikt mit der Hafengesellschaft, sondern auch die Geschichte des Hafens und die Funktionsweise dieser technischen Denkmäler.

    Ebenfalls keine einfache Aufgabe haben die neuen Eigentümer der ehemaligen GEG-Mühle, die heute von einer Spedition genutzt wird. Diese Großmühle entstand 1928 bis 1931 in der Friesenheimer Straße wurde bis Mitte der 1970er Jahre genutzt. Der ehemalige Geschäftsführer Peter Voermann gab den zahlreichen Interessierten - pro Führung kamen statt der eigentlich geplanten 30 rund 200 Besucher - einen Überblick über den Gebäudekomplex und dessen Geschichte. Von innen konnte der Klinkerbau nicht besichtigt werden - mit Ausnahme von zwei Ateliers, die geöffnet hatten. Das riesige Interesse macht den Denkmalschützern Mut, den Bau weiter erhalten zu können.

    © Mannheimer Morgen, Montag, 09.09.2013