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Alte Feuerwache Mannheim

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Alte Hauptfeuerwache Luftbild (Foto: FB 61, Norbert Gladrow um 2006)
Alte Feuerwache, Fassade (im Hintergrund Neckaruferbebauung Nord), Foto 2012
Alte Feuerwache Eingang zum Kinder- und Jugendtheater Schnawwl mit später angebauter Brücke, Foto 2012
Brückenstraße Alte Feuerwache Einfahrtstore 2012.jpg
Alte Feuerwache Nordflügel, Foto 2012
Alte Feuerwache Rückseite, Foto 2012
Alte Feuerwache Rückseite, Dampfspritzenvorbau, Foto 2012
Alte Feuerwache Schlauchturm, Foto 2012
Alte Hauptfeuerwache Grundrisse Keller, EG, 1.OG, 2.OG

Das Gebäude gliedert sich in einen langgestreckten Teil entlang der Hauptverkehrsstraße in Verlängerung der Breiten Straße und der Kurpfalzbrücke sowie zwei Quertrakte parallel zum Neckar. Den Südflügel überragt ein ca. 50 m hoher Turm mit zweifach gebrochenem Helm. Ursprünglich wurden in dem Turm die zum Einsatz gekommenen Schläuche getrocknet. Um zusätzlichen Platz zu schaffen, verlegte man die Treppe des südlichen Querschiffes in den Turm und brachte hier auch zusätzlich einen Aufzug unter. Die eigentlichen Turmgeschosse beherbergen darüber hinaus drei Gästewohnungen für das Kulturzentrum.

Das Bauwerk erhebt sich auf einem Granitsockel. Sämtliche Außenwände werden durch gelbe Verblendklinker mit gelben Sandsteingliederungen charakterisiert. Fenster und Türen weisen Sandsteinrahmen mit Schlusssteinen auf. Neun rot-weiße Bogenportale aus Holz, durch die ehemals die Feuerwehrfahrzeuge ein- und ausgefahren sind, dominieren die beiden Hauptfassaden. Seit 1995 sind diese aus Schallschutzgründen von innen zugemauert. Der Zutritt in das Gebäude erfolgt über die beiden Flügelbauten. Die beiden Querschiffe haben kräftige genutete Ecklisenen und geschweifte Giebel mit Sandsteinvoluten in barockisierendem Jugendstil. Sandsteingirlanden zieren die obersten Giebelfenster zum Messplatz. Alle Baukörper tragen Mansarddächer mit Einzelgauben. Im westlichen Teil des südlichen Querschiffes befand sich die Wohnung des Brandmeisters.

Das Erdgeschoss des Mittelteils - die eigentliche Fahrzeughalle - ist durch eine optisch ansprechende Stützenfolge gegliedert und weist noch die alten Bodenfliesen auf. Die Halle misst 41,82 m Länge, 14,64 m Breite und 4,90 m Höhe. Sie ist also insgesamt ca. 630 qm groß. Davon nehmen Bühne und Nebenbühne heute eine Grundfläche von ca. 160 qm ein. Über der Wagenhalle im 1. Obergeschoss waren ursprünglich die Schlafräume eingerichtet. Heute befindet sich dort die ca. 210 qm große Galerie für kleinere Kulturveranstaltungen. Darüber im Dachgeschoss lagen früher ein Turnsaal und kleinere Nebenräume. Heute nutzt diese Ebene das "Schnawwl", das Kinder- und Jugendtheater des Nationaltheaters. Das nördliche Querhaus nahm die für die Feuerwehr notwendigen Werkstätten - Schmiede, Schreinerei, Tüncherei, Montageräume - auf. An der Südwestecke der Feuerwache lädt eine Gaststätte zum Verweilen ein.

Nutzung (ursprünglich): 

Hauptfeuerwache

Nutzung (derzeit): 

Kulturzentrum

Geschichte: 

Mit Errichtung des Herschelbades in U 3 musste für die im Jahre 1891 gegründete und dort ansässige Berufsfeuerwehr ein neuer Standort gesucht werden. Am 3.März 1911 bewilligte der Bürgerausschuss die Mittel für den Neubau einer Feuerwache jenseits des Neckars am Messplatz. Im selben Jahr noch wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Die Entwürfe des neubarocken Gebäudes mit Jugendstileinflüssen lieferte das städtische Hochbauamt unter Leitung von Richard Perrey. Am 25.Juni 1912 konnte die neue Hauptfeuerwache mit 72 Mann bezogen werden.

Während des Ersten Weltkriegs übernahm der Turm die Funktion, die Bevölkerung durch Warnschüsse auf Luftangriffe aufmerksam zu machen.

Die zahlreichen Eingemeindungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts machten in den Zwanziger Jahren den Bau einer zweiten Feuerwache notwendig. 1927 konnte die mittlerweile zur Straßenverbreiterung wieder abgebrochene Feuerwache II in der Neckarauer Straße in Betrieb genommen werden.

Während des Zweiten Weltkriegs erhielt die Hauptfeuerwache zahlreiche Bombentreffer vor allem im Dachbereich. Nachdem in den 1960er Jahren die Feuerwache Süd in Rheinau ihrer Bestimmung übergeben wurde sowie 1975 in Hinblick auf die Bundesgartenschau die Feuerwache Mitte in den Lindenhof verlegt und die Feuerwache Nord in Käfertal eingeweiht wurde, schien das Schicksal des Bauwerks am Messplatz besiegelt zu sein. Das Grundstück sollte als Teil des Gesamtkonzepts Neckaruferbebauung überplant werden.

Gegen den drohenden Abriss stand aber das Interesse vieler Mannheimer Bürger und Bürgerinnen. Dies zeigte sich deutlich in der 1974 erfolgten Gründung einer Bürgerinitiative, die schließlich durch ihr großes Engagement zum Erhalt des historischen stadtbildprägenden Gebäudes beitrug. 1979 wurde mit den ca. 13 Mio. Mark teuren Sanierungs- und Umbaumaßnahmen für ein Kulturzentrum Alte Hauptfeuerwache nach Plänen des Mannheimer Architekten Andreas Plattner begonnen. Das Veranstaltungshaus, das zunächst als eigenständiges städtisches Amt geführt, dann dem Kulturamt angegliedert und heute als städtische Gesellschaft organisiert wird, sollte auch Räumlichkeiten für die Interessengemeinschaft Mannheimer Künstlerorganisation, den Bezirksverband Bildender Künstler, die IG Jazz sowie die Musikwerkstatt bieten.

1995 mussten kostenintensive Schallisolierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Im Jahre 2000 erfolgten weitere Grundsanierungen, um dem Anspruch als zentrales Haus der freien Szene gerecht zu werden. Für ca. 10 Jahre war ab 1995 auch das Kulturamt hier untergebacht. Seit 1998 zeigt die Fotogalerie Alte Feuerwache nationale und internationale Fotografen. Der Schwerpunkt der Veranstaltungen liegt im Bereich der Musik und geht von Rock, Pop über Jazz, neue experimentelle Musik bis zur außereuropäischen Musik.

Eigentümer: 
Stadt Mannheim
Erbauer: 
Stadt Mannheim
Architekt: 
Städtisches Hochbauamt unter Leitung von Richard Perrey; Umbau zum Kulturzentrum durch Andreas Plattner
Bauzeit / Umbauten: 
1911-12; Umbau zum Kulturzentrum ab 1979
Quellen: 

Volker Keller: Die Alte Hauptfeuerwache in Mannheim. Geschichte eines Gebäudes, in: Mannheimer Hefte 1980, H. 1, S. 3553

Andreas Schenk: Bauten für die Sicherheit, in: Mannheim und seine Bauten 1907-2007, Bd. 4, S. 118-119

Autor/in: 
Monika Ryll