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Alte Mühle und Jugendstil-Herrenhaus von Dudenhofen

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Straßenfront des Mühlenturms
Eingang Turmhaus
Herrenhaus von der Straße aus
Hinteransicht vom Woogbach aus
grün glasierte Ziegel auf dem Turm des Herrenhauses
Herrnhaus-Fensterfornt
Kleine Müllerfigur und der Woogbach
Showroom im ehemaligen Stall
Turm von der Hofseite aus
Der Woogbach rauscht unter dem Turmhaus durch
Das ehemalige Stallgebäude vor und während der Sanierung (Foto: H.Zimmermann, Architektin)
Das strahlende Herrenhaus vom Balkon des Mühlenturms aus (Foto: H. Zimmermann, Architektin)
Gussträger im Originalzustand vor der Sanierung und im neuen Ambiente (Foto: H. Zimmermann, Architektin)
Mühlenhaus vor der Sanierung  mit Efeu bewachsen (Bild: H. Zimmermann, Architektin)
Mühlenturm vor der Sanierung, die eng gegliederen Fenster prägen auch heute den Bau (Foto: H. Zimmermann,  Architektin)
Die Villa: Vor und nach der Sanierung - bitte vergrößern! (Foto: H. Zimmermann, Architektin)
Die Villa vor der Sanierung (Foto: H. Zimmermann, Architektin)
Alte Türen wurden wenn möglich renoviert und wieder eingebaut (Foto: H. Zimmermann, Architektin)

Wie ein Schloss überragt das viergeschossige Backsteingebäude mit seinen Zinnen und Lisenen die sonst überwiegend niedrigen dörflichen Gebäude der „Spargelgemeinde“ Dudenhofen. Gleich nebenan zieht das gelbe Jugendstilhaus mit Treppengiebel, einem Türmchen unter glasierten grünen Ziegeln und sandsteingerahmten Fenstern die Aufmerksamkeit auf sich. Hohe Bäume und viel Grün ringsum verstärken das Gefühl von „verwunschenem Park“.

Dass es sich bei dem Ensemble um eine ehemalige Mühle, das zugehörige Herrenhaus, eine Stallgebäude und Gesindehaus handelt, bemerkt man erst bei näherer Betrachtung. Der Woogbach fließt noch immer mit Getöse unter dem Mühlenturmhaus hindurch. Wo früher Betriebsamkeit geherrscht haben muss - die Villa als Wohnhaus des Müllers zeugt von dessen gutem Auskommen - breitet sich heute hoher Wohnkomfort und Kreativität aus.

Insgesamt sind auf 1200 qm Wohnfläche13 Lofts und eine Gewerbeeinheit von hoher Qualität und in einzigartigem Ambiente entstanden (Fußbodenheizung, Wärmedämmung, Aufzug, teilweise Barrierefreiheit). Die an den Turm angebauten großzügigen und doch filigranen Stahlbalkone an der Süd- und Westseite des 16x16 Meter großen Mühlenturms fügen sich in die Optik des Hauses und werden mit Liebe gepflegt und genutzt. Die feingliedrige Sprossenteilung der Industriefenster ist in den Holzfenstern erhalten. Die ornamentalen Ziegelvorlagen der Fassaden kommen nach der Sanierung wieder voll zu Geltung.

Diese Industriemühle - am Ende mit Dampfturbine und Gasmotor betrieben - entstand aus einer klassischen „klappernden Mühle am rauschenden Bach“, wie es sie am Speyer- und Woogbach vor 200 Jahren in großer Zahl gegeben hat. Die alte Mühle - auch Wingerts-, Wingarts- oder Morschmühle genannt - und das Jugendstil-Wohnhaus sind ein gelungenes Beispiel für die Umnutzung eines gewerblichen Gebäudeensembles, das wegen über 30-jährigem Leerstand schon beinahe total verfallen war.

Wer der traurigen Zustand der unter Denkmalschutz stehenden Gebäude vor 2006 gekannt hat, oder wer Bilder davon betrachtet (verg. www.panoramio ) wird sich freuen, dass der Umbau so erfolgreich und Dank der Unterstützung durch die Verbandsgemeinde Dudenhofen so schnell zu schaffen war. Übrigens: Nicht weit von der Mühle entfernt harrt eine alte leerstehende Metallwarenfabrik ihrer Verwandlung in Wohnungen. Man darf gespannt sein.

Nutzung (ursprünglich): 

Roggenmühle

Nutzung (derzeit): 

Wohnungen und Showroom eines Möbeldesigners, Künstlerhaus

Geschichte: 

Urkundlich erwähnt wurde eine Mühle am gleichen Standort bereits 1719. Zahlreiche Dokumente erzählen von relativ kurzfristigen Pachtverträgen (6 bis 12 Jahre) und sich häufig erhöhendem Pachtzins – meist in Naturalien. Probleme gab es auch mit Wasserrechten und Perioden der Trockenheit oder der Umleitung des Bachs durch die französischen Revolutionstruppen. Doch als das linke Rheinufer Anfang des 19. Jahrhunderts an Frankreich fiel, konnte sich der Pächter die Mühle in Eigentum erwerben. Sie blieb etwa 70 Jahre in Familienbesitz.

1875 ist Martin Grundhöfer als neuer Besitzer eingetragen. 17. November 1901 brannte die Mühle ab, doch Martin Grundhöfer baute die Mühle und das Wohnhaus größer und schöner wieder auf. Er setzt dabei auf eine tragende Stahlkonstruktion und bis zu 75 cm dicke Backsteinwände. Und offenbar verlässt er sich jetzt nicht mehr nur auf Wasser, sondern hat eine Francis-Dampfturbine in Betrieb genommen. 1909 verzeichnet der Betrieb „Martin Grundhöfer & Söhne“ mehrere Angestellte, darunter einen Heizer und einen Hilfsheizer.

Die gesamte Geschichte der Mühle ist von Frank Mohr  detailliert beschrieben worden. Die Geschichte der letzten 50 Jahre ihres Betriebes seien hieraus zitiert:

„Nach dem l. Weltkrieg wird die Roggenmühle von einem Sohn der Familie, Eugen Grundhöfer, weiterbetrieben. Nach seinem Tode geht die Betriebsführung am 16. Nov. 1928 an seine Witwe und seine Kinder über. Die Frau konnte allerdings der Mühle auf die Dauer nicht allein vorstehen. Am 1. Nov. 1930 verpachtet sie die Firma als Grundhöfer'sche Roggenmühle G.m.b.H. an die Herren Gollmart und Bachofner. Von diesem Zeitpunkt an wird der Mühlenbetrieb intensiver und rationeller geleitet und kann einen günstigen Geschäftsgang aufweisen. Aus einem Geschäftsbericht geht hervor, daß das Anteilsverhältnis der Handelsmüllerei zur Kundenmüllerei 2 : 3 ist. Das Getreide wird zu dieser Zeit waggonweise von der Mannheimer Produktenbörse bezogen.
Am 30. 12. 1931 wird eine räumliche Vergrößerung des Mühlenbaues beschlossen: er wird viergeschossig mit einer Bodenfläche von 16,50 x 16,50 m. Ein einstöckiges Maschinen- und Kesselhaus wird angeschlossen. Die Mühle arbeitet mit einer Dampfturbine mit 35 PS Normalleistung (die benachbarte Neumühle arbeitet damals mit 4 PS). Die Leistung verringerte sich allerdings bei starkem Frost oder abnormaler Trockenheit. Die Grundhöfer'sche Mühle besitzt daneben nach Angaben des damaligen Inhabers Walter Bachofner noch einen 50 PS Sauggasmotor. Beide Antriebsquellen ergänzen sich. Bei plötzlichem Ausbleiben der Wasserkraft (Winter 1929 extreme Kälteperiode) musste das Werk allerdings stillstehen, weil der Saugmotor nicht angekurbelt werden konnte.
Am 8. Sept. 1941 wechselt die Mühle zu Dudenhofen abermals den Besitzer. Heinrich Morsch aus Walshausen bei Pirmasens übernimmt sie zusammen mit seiner Frau, geb. Böllinger. Am 18. Juni 1948 wird die Mühle in die Heinrich Morsch Getreidemühle OHG umgewandelt.
Aber das allgemeine Mühlensterben erfasst auch die sog. Morschmühle in Dudenhofen. Am 22. Aug. 1961 wird der Mahlbetrieb eingestellt und die Mühle im Jahre 1962 endgültig stillgelegt.“

Nach der Stilllegung verfielen die Mühle, das Herrschaftshaus und die zugehörigen Gebäude „in einen Dornröschenschlaf“. Tatsächlich war es Efeu, der eine Fassadenseite fast ganz überwucherte. Die Backsteinfassade darunter war dennoch gut erhalten. Problematisch war dagegen das jahrelang eindringende Wasser über das defekte Flachdach, das die Auflagerköpfe der Holzbalkendecken zerstörte. Die Decken und Wände drohten einzustürzen. Je schlimmer der Zustand, umso weniger Kaufinteressenten gab es. Das gesamte Ensemble schien nur noch für Fotografen von echtem Interesse zu sein. Hier einige Fotos.

2006 fand sich ein privater Investor „mit viel Liebe und Gespür für das historische Denkmal“. Der Umbau der Mühle zu Wohnungen ist auf der Webseite der Architektin Heidrun Zimmermann mit vielen Bildern und Erklärungen anschaulich dokumentiert.

Architekt: 
Umbau: Heidrun Zimmermann
Bauzeit / Umbauten: 
Heutige Bausubstanz stammt von 1902 und 1931, Umbau zu Lofts 03/2007-08/2008
Quellen: 

Geschichte der Mühlen am Speyerbach und Woogbach

Autor/in: 
Barbara Ritter, 05-2012