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ehemaliges Volksbad Mannheim-Neckarau

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Rathausstraße 3, ehemaliges Volksbad, Foto Januar 2012
Rathausstraße 3 (ehem. Volksbad), Rückseite, Foto: 13.01.2012
Rathausstraße 3 (ehem. Volksbad)  Lang- und Rückseite, Foto: 13.01.2012
Rathausstraße 3 (ehem. Volksbad)   Eingang.jpg
Rathausstraße 3 (ehemaliges Volksbad), Lageplan nach 1950
Rathausstraße 1a - 3, Grundrisse und Schnittzeichnungen, Rathaus Neckarau, Feuerwehrgerätehaus und Brausebad 1904 (mit Darstellung der Entwässerung)
Rathausstraße 3 (ehemaliges Volksbad), Plan zum Anbau eines Boilerraums, August 1953
Rathausstr. 3 (ehemaliges Volksbad), Ansicht und Schnitt, Juni 1950
Rathausstraße 3 (ehemaliges Volksbad), Plan zur Erweiterung durch einen Anbau Juli 1950 (nicht ausgeführt)

Das eingeschossige Gebäude steht auf einem Sockel aus roten rustizierten Sandsteinquadern. Die Außenwände sind aus gelben Backsteinen mit roten Zierklinkern gemauert. Die Zierklinker finden an den Ecklisenen, Rundbögen der Fenster, in den horizontalen Bänderungen der Fassaden sowie im Giebelaufsatz Verwendung. Der Aufsatz erhebt sich über abgetreppten Konsolen aus Klinkersteinen. Er trug ursprünglich sicherlich die Inschrift "Volksbad". Heute weist die Inschrift auf die Nachnutzung als Heimatmuseum hin. Das niedrige kaum wahrnehmbar Dach hat in der Mitte ein Oberlicht. Der Hauptzugang liegt an der östlichen Langseite. Die Treppe führte direkt zur Straße und wurde erst zu späterer Zeit um 45 Grad gedreht. Zur Straße belichten drei große Rundbogenfenster mit Sandstein-Schlusssteinen die Räumlichkeiten. An den Längsseiten befinden sich heute jeweils vier niedrige Rechteckfenster. Hier waren zunächst kleine Rundbogenfenster mit einem steinernen Mittelpfosten ausgeführt gewesen. Hinter den früheren Fensterpfosten verliefen die Wände der Duschkabinen. Die hintere Fensterachse tritt risalitartig aus der Flucht leicht hervor, was durch eine Lisene optisch verstärkt wird.

Im Jahre 1953 wurde an der Rückseite ein eingeschossiger Boilerraum anbaut, der bei Außerbetriebnahme des Bades wieder entfernt worden ist. Dabei erhielten die Backsteine der betreffenden Außenwand einen Putzüberzug mit weißem Anstrich. Die Rückfassade wird charakterisiert durch einen eingeschossigen Turmaufbau mit Zeltdach, der der Entlüftung diente und ursprünglich noch ein hohes Entlüftungsrohr aufwies. Auch die kleinen Rundbogenbogenfenster mit Schlussstein sind hier erhalten geblieben.

Im Innern waren die Brause- und Wannenbäder nach Geschlechter getrennt. Die Aufsicht über die männlichen Gäste hatte der Bademeister, die über die weiblichen Gäste dessen Ehefrau. Im Vorraum mussten die Badegäste auf die Zuweisung der Kabine warten. Hier lag separat auch die Kasse. Ingesamt verfügte das Volksbad über drei Wannenzellen und neun Duschkabinen. Im Jahre 1953 wurde rückwärtig ein ca. 30 qm großer Boilerraum mit zwei Tankanlagen angebaut, der von außen zugänglich war. Die Dusch- und Leichtbauwände sowie technischen Armaturen wurden bei der späteren Umnutzung entfernt.

Heute dienen die Flächen dem öffentlich zugänglichen Schauraum für die Sammlungsbestände des Vereins Geschichte Alt-Neckarau.

Nutzung (ursprünglich): 

städtisches Volksbad

Nutzung (derzeit): 

seit 1995 Heimatmuseum

Geschichte: 

Der Direktor der Rheinischen Gummi- und Celluloid-Fabrik Adolf Bensinger spendete 10000 Mark zum Bau eines öffentlichen Volksbades in der damals noch selbständigen Gemeinde Neckarau. Der Gemeinderat gab noch einmal die gleiche Summe hinzu und beschloss am 1. Juni 1895 den Bau eines Badehauses hinter dem Rathaus neben dem Spritzenhaus. Im März 1896 wurde das Volksbad eröffnet.

Im Sommer war das Bad 15 Stunden zwischen 6 Uhr morgens und 21 Uhr abends offen; im Winter war es 12 Stunden zwischen 8 Uhr morgens und 20 Uhr abends offen. Die Kosten differierten zwischen Wannen- und Brausebädern sowie zwischen 1. und 2. Klasse. Der Eintrittspreis lag zwischen 10 und 60 Pfennigen. Handtuch und Seife konnten auf Wunsch geordert werden. Im Jahre 1897 wurden über 20000 Eintrittskarten verkauft; das waren 55 Bäder täglich.

Das Volksbad hatte seit dem 1. Januar 1898 einen fest angestellten städtischen Bademeister, dem auf dem Grundstück auch kostenlos eine Wohnung zur Verfügung gestellt wurde. Der erste fast 20 Jahre im Dienst stehende Bademeister hieß Johann Hornig. Ihm folgte nach dem Ersten Weltkrieg August Reber. Der letzte Bademeister vor Schließung zu Beginn der 1970er Jahre war Gustav Schönemann.

Mit der Eingemeindung des Ortes zu Mannheim zum 1. Januar 1899 ging das Grundstück mit den Liegenschaften in den Besitz der Stadt Mannheim über. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte man das Gebäude als städtische Unterkunft für die Abfallwirtschaft und das Neckarauer Rote-Kreuz-Domizil. Seit 1995 beherbergt es das Heimatmuseum.

Eigentümer: 
Stadt Mannheim
Erbauer: 
Gemeinde Neckarau
Bauzeit / Umbauten: 
1895-96
Quellen: 
  • Verein Geschichte Alt-Neckarau
  • Hansjörg Probst: Neckarau, Mannheim 1989
Autor/in: 
Monika Ryll