Startseite »

Gesangbuchfabrik J. Schäffer, Grünstadt

Druckversion
Namenszug auf der Fassade
Von der Straßenekreuzung aus gesehen
Seite vom Hof aus gesehen, mit künstlerischer Illumination
Gesangbücher  - Teil einer Kunstausstellung
Eingangsbereich
Dachdetail
Die Rückseite
Stein neben dem Lieferanteneingang
Treppe mit Lichtinstalltation Die Stufen gehen unter dem gemauerten Geländer weiter
vom Hof, rechts das Treppenhaus mit Ladezone  (Lichtinstallation anlässlich einer Ausstellung)
Lichtinstallation von Ingo Bracke zur Eröffnung einer Fotoausstellung (Rober Häusser) an der Außenfront am 12.09.2008
seit 2006 steht auch diese Stechuhr still. Im Inneren dominieren schmuckloses beige und weiß
Die Betondecke zeigt noch jedes Detail der Herstellung von knapp 100 Jahren
Alles im Original erhalten: Heizung und Fenster mit alten Beschlägen

Das kompakte, vier Stockwerke hohe Jugendstil-Ensemble beherbergte bis vor kurzem eine Großbuchbinderei. Auffallend sind vor allem die in den Putz eingearbeiteten Bauzierden. Die schmale, im obersten Geschoß abgewalmte Giebelseite mit dem Eingangsvorbau ist von Bäumen und Gebüsch verstellt.

Die durch ein Zwerchhaus, (ein zwei Stockwerke umfassender quergestellter Giebel) asymmetrisch zweigeteilte Längsseite hat 50 interessant gegliederte Fenster. Ihre Größe lassen erahnen, wie Licht durchflutet die Produktionsräume gewesen sind, die sich auf vier Geschossen zu je 700 Quadratmetern erstreckten. Die lange Fassade wirkt ausgesprochen geschlossen, sie hat auch keinen Zugang zur Saarlandstraße. Ornamente im ergrauten Putz und die Gliedung der Fenster lassen die wuchtige Fassade dennoch leicht wirken.

Ganz besonders auffällig ist der Bauschmuck um und unter dem ca. 5 Meter breiten Firmenschriftzug, der ganz ungewöhnlich rechts auf Erdgeschosshöhe angebracht ist. Der Schriftzug wiederholt sich auch auf der schmalen Giebelseite (allerdings verdeckt durch Bäume). Die Zufahrt für Lieferverkehr erfolgte durch den Hof, der in einen parkartigen verwilderten Garten übergeht. Auch hier ist die Fassade mit Fenstern und Giebel gegliedert. Ein zweites Gliederungselement ist hier das Treppenhaus, das unten in die überdachte Ladezone übergeht und oben einen eigenen Giebel aubildet.

In einen großen Sandstein neben dem Lieferanteneingang ist auf Augenhöhe "Erbaut 1912" gemeiselt. Gut sichtbar ist von der Straßenkreuzung das Biberschwanz gedeckte Mansardendach mit seinen zwei breiten Schleppgauben (je 7 Fenster) im 2. Obergeschoß und den sehr flachen Fledermausgauben obersten Stockwerk.

Weitere originale Details wie die kantigen Dachrinnen und Fallrohre, die mit gusseisernen floral gebildeten Schellen befestigte sind, fallen auf. Die Unterseiten der Traufen sind ebenfalls mit Ornamenten versehen.

Im innern ist die damals höchst moderne Eisenbeton-Konstruktion sichtbar. Die Räume sind funktional und ohne weiteren Bauschmuck, mit Ausnahme der Treppe. Ihre Stufen reichen durch das gemauerte, mit geschungenen Stahlbändern versehene Geländer hindurch. Die Metall-Sprossenfenster sind doppelt verglast, außen mit Kathedralglas. Auffaljend sind die original erhaltenen Heizungen in den unterschiedliche groß geschnittenen Räumen

Nutzung (ursprünglich): 

Großbuchbinderei

Nutzung (derzeit): 

Leer stehend, wird gelegentlich als Ausstellungsort durch den Kulturverein Grünstadt genutzt

Geschichte: 

Gründung des Unternehmens 1865 Schnelle Vergrößerung des Betriebs auf ca 100 Beschäftigte, Bau der damals sehr modernen Fabrik 1912. Es wurden au0er Gesangbüchern auch wissenschaftliche Bücher hergestellt. Schließung der Buchbinderei 2006

Eigentümer: 
Dr. P. Decker
Erbauer: 
J. Schäffer
Bauzeit / Umbauten: 
1912
Autor/in: 
Barbara Ritter