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Heinsteinwerk Heidelberg

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Heinsteinwerk Heidelberg
Heinsteinwerk Heidelberg

Der weithin sichtbare Schriftzug „Heinsteinwerk“ ziert das Dach des markanten Industriegebäudes unweit des Heidelberger Hauptbahnhofs. Doch dass dort einst Öfen, Ofenkacheln und Sanitärbedarf hergestellt wurden, dürfte nur noch den wenigsten bekannt sein. Wurde die Produktion in dem Gebäude doch schon vor zwei Jahrzehnten eingestellt.

Nutzung (ursprünglich): 

Produktionstätte einer Ofenfabrik

Nutzung (derzeit): 

Unterschiedliche gewerbliche Nutzung

Geschichte: 

Das „Heinsteinwerk“ ging aus einem Handwerksbetrieb hervor, der sich zunächst in der Neckarstraße und später in der Bienenstraße befand. Nach dem Tod seines Vaters übernahm Jean Heinstein (1852-1937) das Geschäft. 1885 gründete er die „Heidelberger Ofenfabrik Jean Heinstein“. Die Fabrik stellte sowohl zeitgenössische Modelle sowie Öfen im historischen Stil her, wobei man bekannte Museumstücke kopierte. 1895 zog der Betrieb in ein neues Fabrikanwesen in der Eppelheimer Straße um. Doch schon nach wenigen Jahren war auch die dortige Fläche zu klein. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde das Fabrikgebäude am Wieblinger Weg errichtet.

Zu Beginn der 1920er Jahren beschäftigte das Unternehmen, das nun auch Sanitärbedarf wie Spülanlagen, Waschtische und Ausgüsse produzierte, mehr als 200 Mitarbeiter. Im Zuge der Wirtschaftskrise ging die Zahl 1924 auf 100 zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg umfasste die Belegschaft noch 180 Personen, bis Ende der 1960er Jahre sank deren Größe auf 120 Arbeiter ab.

1978 wurde das Werk von der Firma Duravit übernommen. Mit dem Ende des Jahres 1995 gab das Unternehmen seine Heidelberger Niederlassung, in der zuletzt noch rund 100 Arbeiter beschäftigt waren, auf. 2004 erwarb ein Immobilienunternehmen die Fabrik und wandelte das Areal unter Einbeziehung des historischen Baubestandes in ein Wohn- und Gewerbegebiet um.

Erbauer: 
Ofenfabrik Jean Heinstein
Architekt: 
Julius Zinser
Bauzeit / Umbauten: 
1911-14
Baubestand: 

Der Fabrikkomplex besteht aus zwei parallelen Gebäuden, in denen die gesamte Produktion untergebracht war. Das Dach des fünf Stockwerke hohen nördlichen Flügels wird von zwei oktogonalen Turmaufbauten abgeschlossen. Die Fassade dieses Gebäudeteils ist in elf zu drei Achsen gegliedert. Der der Bahnstrecke zugewandte Flügel ist dreigeschossig. Im Erdgeschoss des Komplexes waren 16 Gasöfen aufgestellt. In den Stockwerken darüber waren die Werkstätten, das Atelier und das Lager untergebracht. Neben der Fabrik befand sich die Villa des Firmeneigentümers.

Das Fabrikgebäude wird heute unterschiedlich genutzt. In der ehemaligen Fabrikantenvilla ist heute ein deutsch-französischer Kindergarten untergebracht.

Quellen: 
  • Peter Blum, Vom Kachelofen zur Sanitärkeramik – Quellen zur Wirtschaftsgeschichte im Stadtarchiv Heidelberg am Beispiel des Depositums HWH Heinsteinwerk Heidelberg, in: Mannheimer Geschichtsblätter NF 4 (1997), S. 579-596.
  • Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg (Hrsg.), Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, II.5.2. Stadtkreis Heidelberg – Teilband 2, Osfildern 2013, S. 628.
Autor/in: 
Sebastian Parzer