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Luftschiffwerft Schütte-Lanz in Brühl

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Die -Taufgesellschaft- am 30.04.1910   Foto: ©  Heimat- und Brauchtumsverein Brühl
Das „Standardluftschiff“ SL2 1912   Foto: ©  Heimat- und Brauchtumsverein Brühl
Gasthaus zum Luftschiff - die Versorgungsstation der Beschäftigten, erbaut 1910   Foto: ©  Heimat- und Brauchtumsverein Brühl
Luftschiff Schütte-Lanz 1   Foto: ©  Heimat- und Brauchtumsverein Brühl
Luftschiffhalle der Schütte-Lanz 1909   Foto: ©  Heimat- und Brauchtumsverein Brühl
Werksgelände 1933   Foto: ©  Heimat- und Brauchtumsverein Brühl
Luftbild 1950   Foto: ©  Heimat- und Brauchtumsverein Brühl
Sperrholz-Maschinenhalle  in den 1930er Jahren   Foto: ©  Heimat- und Brauchtumsverein Brühl
Werksgelände 1916   Foto: ©  Heimat- und Brauchtumsverein Brühl
Sperrholz-Maschinenhalle in den 1930er Jahren   Foto: ©  Heimat- und Brauchtumsverein Brühl
Werft-Eingang um 1990   Foto: ©  Heimat- und Brauchtumsverein Brühl
Hallen der ehemaligen Luftschiffwerft 2010                  Foto : ©  Heimat- und Brauchtumsverein Brühl
Hallen Straßenseite 2010   Foto: ©  Heimat- und Brauchtumsverein Brühl
Baubeginn der ersten Luftschiffhalle 1909      Foto: Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg
Bau 1909, Foto: Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg
Flug 1912 über Mannheim (Zeughaus und Quadrat C6)       Foto: Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenbur
SL1 über Mannheims Innenstadt 1912, Foto: Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

Wer in der Region kennt nicht den Spruch „Ketsch - Brühl - Antwerpen” ? Wer aber weiß, dass er bedeutet: „Ketsch - Brühl - An den Werften”? Die Großherzoglich Badische Staatseisenbahnen hatte an der Schiffsbauwerft von Schütte-Lanz in Brühl einen eigenen Haltepunkt eingerichtet. 1909 gründen der Schiffsbauingenieur Johann Schütte und der luftfahrtbegeisterte Mannheimer Unternehmer Heinrich Lanz die Firma „Luftschiffbau Schütte Lanz OHG” (noch) auf der Gemarkung Seckenheim / Rheinau.

Bis heute sind drei der im Jahr 1916 erbauten ehemaligen riesigen Werkshallen vorhanden, in denen bis 1919 die Luftschiffe gebaut wurden. Es handelt sich um nebeneinander aus Ziegelmauerwerk errichtete Hallengebäude auf einer Grundfläche von jeweils 50 m X 18 m. Ein tonnengewölbtes Dach überspannt jedes Gebäude. In der mittleren Halle durchzieht ein spitzgiebeliges Oberlichtband das Dach. Die Außenwände sind durch abgestufte Lisenen und Gesimse gegliedert. Im Erdgeschoß sind großformatige Metall-Sprossenfenster, im Obergeschoß Holz-Sprossenfenster eingebaut. Im Innenraum fallen großformatige Binderkonstruktionen auf. Die Binder bestehen aus gebogenen Fachwerkträgern mit Brettnagelträgern als Ober- und Untergurt. Gekreuzte Streben verbinden diese miteinander.

Auch in Längsrichtung ist die tonnenartige Deckenkonstruktion über Streben zum Untergurt abgestützt. Die Last der Binderkonstruktion wird über Auflagerkonsolen und Holzstützen abgetragen. Zusätzlich sind die Auflagerpunkte in Querrichtung durch Zugstangen oder Zugbänder miteinander verbunden. Von der vorletzten Jahrhundertwende bis zur Katastrophe der „Hindenburg” 1937 waren Luftschiffe für die Entwicklung der Luftfahrt von großer Bedeutung. Bis zum 1. Weltkrieg 1914 konkurrierten die drei Typen Parseval, Zeppelin und Schütte-Lanz um die Anerkennung der Öffentlichkeit und des Militärs. Technisch setzte sich Schütte-Lanz durch und prägte den Bau der Zeppeline in Friedrichshafen. Nach dem Ersten Weltkrieg mussten die Anlagen zum Luftschiffbau auf der Werft abgebrochen werden. Die Firma spezialisierte sich schließlich sehr erfolgreich auf die Produktion von Sperrholzplatten.

Nutzung (ursprünglich): 

Luftschiffwerft

Nutzung (derzeit): 

Gelände mit denkmalgeschützten Gebäuden steht zum Verkauf!

Geschichte: 

Nach Gründung der „Luftschiffbau Schütte-Lanz OHG” 1909 wurde in den Jahren 1910 und 1911 das erste Luftschiff mit einer Länge von 131 m und einem Durchmesser von 18,4 m entworfen und gebaut. Bei diesem Schiff wurde das gesamte tragende Gerüst aus Sperrholz ausgeführt. Dies dürfte die erste ingenieurmäßige Anwendung von Sperrholz überhaupt gewesen sein. Das Sperrholzgerüst bewies auf 56 Probefahrten eine hohe Festigkeit und Elastizität. Am 01. November 1911 überfliegt die erste „Schütte-Lanz” die Stadt Mannheim. Der allererste Aufstieg aus der Luftschiffwerft geschah am 17.Oktober 1911. Daher wurde auch das zweite 1912 -1913 gebaute Luftschiff mit einem Sperrholzgerüst versehen. Dieses verband hohe Festigkeitswerte mit niedrigem Gewicht, hohe Elastizität mit leichter Reparaturfähigkeit. Die Konstruktion des zweiten SL-Schiffes erwies sich als so erfolgreich, dass es zum Standardtyp für alle späteren Luftschiffbauten im In- und Ausland wurde. Mit Ausbruch des Weltkrieges 1914 wurde das Werk durch eine große Montagehalle in Eisenkonstruktion sowie 6 neue Werkstatthallen erweitert. Hierin wurden bis 1919 zwanzig weitere Luftschiffe mit Sperrholzgerüsten gebaut, von denen die letzten eine Länge von ca. 200 m, einen Durchmesser von ca. 23 m und einen Rauminhalt von 56.000 cbm hatten. Sie konnten Lasten von etwa 50 Tonnen mit einer Geschwindigkeit von 30 m pro Sekunde durch die Luft bewegen. Als Folge der Versailler Verträge wurden nach dem 1. Weltkrieg der Luftschiffbau verboten und die Montagehallen demontiert. Es lag nahe, die in der Herstellung von Sperrholz gesammelten Erfahrungen weiterhin zu verwerten. Die sehr großen Werkstatthallen aus dem Luftschiffbau ermöglichten die Aufstellung von für damalige Zeiten riesigen Maschinen, die Sperrholzplatten in konkurrenzloser Größe erzeugen konnten. Im Jahre 1922 erfolgte die Umfirmierung der alten Luftschiffbaufirma in die „Schütte-Lanz Holzwerke AG”, die sämtliche Anlagen und das ca. 42 ha umfassende Gelände übernahm. Für die Herstellung von großflächigen Sperrholzplatten wurde aus Westafrika Okoume-Rundholz eingeführt. Diese Platten begründeten im Laufe der folgenden Jahre den sich ständig steigernden Export von SL-Sperrholzplatten in das europäische Ausland und nach Übersee. Die Firma bestand – in unterschiedlicher Rechtsform – bis ins Jahr 2007.

Eigentümer: 
FINNFOREST SCHUETTE-LANZ GMBH
Erbauer: 
Geh. Reg.- Rat Prof. Dr. Ing.h.c. Johann Schütte und Kommerzienrat Dr. Karl Lanz
Bauzeit / Umbauten: 
ab 1909
Quellen: 
  • Der Brockhaus Mannheim, Leipzig-Mannheim, 2006, S. 296
  • Auf Achse und Schiene, 100 Jahre Nahverkehr in Mannheim, MVG, 1978, S. 51

Literatur zum Thema Luftschifffahrt:

  • Jürgen Bleiber, Der Traum vom Fliegen: Johann Schütte, ein Pionier der Luftschifffahrt; Veröffentlichungen des Stadtmuseum Oldenburg, Bd. 38, Oldenburg 2000
  • Jürgen Bleiber, Schütte-Lanz, Im Schatten des Titanen, Friedrichshafen 2001
  • Dorothea Haaland, Der Luftschiffbau Schütte-Lanz, Mannheim-Rheinau (1909 - 1925) Südwestdeutsche Schriften (Bd. 4); Institut für Landeskunde u. Regionalforschung der Universität Mannheim, Mannheim 1987
  • Ludwig Friedrich, Hans Weihe, Schütte-Lanz. Vom Luftschiff zum Sperrholz. in: Verein für Heimat- und Brauchtumspflege Brühl/Rohrhof (Hg.): Brühl und Rohrhof. Das Heimatbuch. 850 Jahre Geschichte der Gemeinde Brühl. Brühl 2007
  • Johann Schütte (Hg.), Der Luftschiffbau Schütte-Lanz 1909-1925, München, Berlin 1926
  • Der Luftschiffbau Schütte-Lanz 1909 - 1925; Dr. Ing. e.h. Johann Schütte; Verlag von R. Oldenbourg München und Berlin 1926, herausg. von Johann Friedrich Jahn, Neudruck Oldenburg i.O., 1984
  • Helmut Vinzentz, Die Schütte-Lanz-Luftschiffe, o.O., 1997
  • Sebastian Wentzler, Die Schütte-Lanz Innovation: Technische Neuerungen des Zeppelin, Luftschiffbaus Schütte-Lanz in den Jahren 1909 - 14 im Vergleich zum Luftschiffbau Oldenburg 2000
  • Rudolf Wolf, Maybach-Motoren und Automobile im Rhein-Neckar-Dreieck und der Pfalz, Speyer 2008
Autor/in: 
Hilde Seibert / Dr. Volker Kronemayer