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Pumpwerk Ochsenpferch in Mannheim

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Eingang
von Westen: wenig weist auf die profane Funktion hin
Fenster der Pumpenhalle
Fenster mit aufwändig gestaltetem Pfälzer Sandsteingesims
Hintertor
Historische Innenaufnahme zeigt auch die Jugenstilverzierung
historische Aufnahme
von gleichen Standpunkt aus fotografiert, kurz nach der Fertigstellung
Kanal mit Schmutzwasser im Untergeschoss
Pumpen mit  moderster Technik, umgeben von historischen Geländern
Von der West-Seite

Zwischen Neckar und Industriehafen gelegen verbirgt das anachronistisch anmutende Bauwerk in seinem Innern modernste Technik - ein mit elektronischem Prozessleitsystem gesteuertes Abwasserhebewerk. Man könnte das Gebäude-Ensemble, das zwischen üppigem Grün auf einer großen Verkehrsinsel liegt, von weitem für eine Kirche halten, der deutliche Geruch bei der Annäherung lässt aber über seine Funktion keine Zweifel.

Die neuromanische, von mittelalterlicher Burgen- und Kirchenarchitektur angeregte Fassadengestaltung mit Giebelmotiven, großen Rundbogenfenstern und der Mauerverkleidung aus grob behauenen Pfälzer Sandstein entsprach dem Stilempfinden zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Bei der architektonischen Planung des Pumpwerks legte der Architekt Perrey großen Wert auf „eine malerische Gruppierung der Gebäudeteile“ mit Rücksicht auf die Lage in unmittelbarer Nähe zur Stadt und zur damals gerade im Bau befindlichen zweiten Neckarbrücke (heutige Jungbuschbrücke).

Der hohe Turm diente einstmals sowohl zur Entlüftung des Kanalnetzes als auch zur Trocknung der Spritzwasserschläuche. Historische Fotos zeigen, dass im Inneren die Funktionsräume mit Kacheln in Jugendstildekor ausgekleidet waren. Diese sind nicht erhalten. Die Dachkonstruktion und die historischen Geländer um die Maschinen sind jedoch noch vorhanden.

Die vier Pumpen im Inneren können heute im Dauerbetrieb bis zu maximal 6.200 Liter Schmutzwasser pro Sekunde aus den südlichen Stadtteilen und Feudenheim in Richtung Kläranlage im Mannheimer Norden befördern. Bei starken Regenfällen und Hochwasser schalten sich automatisch zwei Regenwasserpumpen mit einer Förderleistung von 4.200 Liter pro Sekunde zu, um weit reichende Überschwemmungen im gesamten südlichen Stadtgebiet zu vermeiden.

Nutzung (ursprünglich): 

Abwasserpumpwerk

Nutzung (derzeit): 

Abwasserpumpwerk

Geschichte: 

Nach einer grundsätzlichen Entscheidung des Stadtrates vom Jahre 1875, die Abwasserbeseitigung der Stadt Mannheim neu zu ordnen, wurden in den Jahren 1876 bis 1888 die ersten Entwässerungseinrichtungen erstellt. Nachdem um 1900 der Ausbau des innerstädtischen Kanalnetzes weitgehend abgeschlossen war, sollte das Abwasser nicht mehr in den Neckar fließen, sondern in den Rhein.

Sämtliche Abwässer südlich des Neckars strömten nun in Höhe der Grabenstraße (am MVV Hochhaus) durch den Neckar-Dücker zum zwischen 1902 und 1904 nach Plänen des städtischen Hochbauamts unter Leitung von Richard Perrey errichteten Pumpwerk Ochsenpferch. Von dort wurden sie direkt in die 1903 ebenfalls neu errichtete Kläranlage auf der Friesenheimer Insel geleitet.

Im Jahr 2004 wurde eine grundlegende Sanierung des Pumpwerks Ochsenpferch durchgeführt. Witterungseinflüsse, Luftverschmutzung und Kriegseinwirkungen hatten an Fassade und Mauerwerk nachhaltige Schäden verursacht. Unter Berücksichtigung der Auflagen des Denkmalschutzes wurden die Sandsteinoberflächen im Heißwasserstrahlverfahren gereinigt, beschädigte Steine ausgetauscht und der Außenputz vollständig erneuert. Die alten Dachrinnen wurden durch neue Kupferblechrinnen ersetzt, ebenso schadhafte Dachziegel ausgetauscht. Auch im Inneren des Gebäudes erfolgte eine gründliche Renovierung. Das Pumpwerk Ochsenpferch ist eines der wenigen gut erhaltenen Industriedenkmale im Besitz der Stadt Mannheim und das einzige, das seinem ursprünglichen Zweck auch heute noch dient.

Eigentümer: 
Stadt Mannheim
Erbauer: 
Stadt Mannheim
Architekt: 
Richard Perrey
Bauzeit / Umbauten: 
1902-1904
Quellen: 

Informationsblatt zum Tag des Offenen Denkmals 2008

Autor/in: 
Barbara Ritter, Eigenbetrieb Stadtentwässerung Mannheim