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Süßwarenfabrik Eugen Trauth & Söhne in Herxheim bei Landau

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Ein Foto von ca. 2005, vor der Renovierung des Anwesens
Fertige Kokosbälle werden in 25er Kartons verpackt (Foto: Frank Hügle)
Schokokuss auf der frischen Fassade (Foto: Frank Hügle)
Ausstellung im Museum zum 100. Jubiläum: Schneebesen, Trockengestelle und ein überdimensionaler Karton
Formen für Schokolade-Osterhasen und -Nikoläuse in der Ausstellung zum 100. Jubiläum
Ein Aquarell aus den 1950er Jahen zeigt noch alle alten Gebäudeteile, die inzwischen dem Parkplatz gewichen sind
Kindernahrung als Spezialprodukt in den 1930er und 40er Jahren
Ein Schild, das nur noch im Museum zu sehen ist.
Lebkuchen wurden in dern 1940er Jahren mit Papierbildern verziert auf Märkten verkauft
Trauth-Werbung in einem alten Programmheft für die legendären Sandbahn-Motorradrennen in Herxheim
Ein alter Waffelroller als Ausstellungsobjekt
Produktionsstraße für Schokoküsse - noch ohne Schoko-Bezug (Foto: Frank Hügle)
Die Belegschaft im Jubiläumsjahr 2011 (Foto: Frank Hügle)
Modernste Produktionsanlage im Jahr 2011  (Foto: Frank Hügle)
Frisch mit Schokolade überzogen  (Foto: Frank Hügle)
Große Gerätschaften für kleines Naschwerk  (Foto: Frank Hügle)

An der Fassade prangt ein überdimensionaler brauner Schokokuss auf rotem Grund, darüber das Firmenlogo der Süßwarenfabrik Trauth. Zum hundertjährigen Jubiläum sind die Firmengebäude, die aus mehreren Bauphasen stammen, alle renoviert worden. Sie sind einheitlich in dezentem Grau und hellen Tönen verputzt.

Die zwei- und dreistöckigen Gebäude gruppieren sich über Eck um einen großen Hof, der früher bebaut war. Vom großen Parkplatz auf dem Hof eilen ständig Kunden in den mit grauen Stahlrahmenfenstern verglasten Verkaufsraum. Sie kehren kurz darauf meist mit mehreren gebündelten roten Pappschachteln zurück. „Schokoküsse“ in verschiedenen Geschmacksrichtungen und andere Leckereien werden hier ständig frisch produziert und gehen ausschließlich im Direktverkauf an die Kundschaft, die oft von ziemlich weit her kommt.

Nutzung (ursprünglich): 

Kolonialwarenladen und Bäckerei, Süßwarenfabrik

Nutzung (derzeit): 

Süßwarenfabrik

Geschichte: 

Eugen Trauth und seine Frau Alice betrieben seit 1911 eine Bäckerei und einen Kolonialwarenladen in Herxheim. Ihre Geschäftsidee war es, Backwaren für Jahrmärkte herzustellen. Diese Körbe voll Magenbrot lieferten sie zunächst auch selbst zu Fuß aus.

Nach dem ersten Weltkrieg entdeckte Eugen Trauth bei den Jahrmarktbesuchen das aus Frankreich stammende Naschwerk „Mohrenkopf“, dort „Tête de nègre“ - „Negerkopf“ - genannt. Um 1928 stellte er den Schokolatier Josef Krekeler ein. Die Produktion der ersten „Herxemer Mohrekepp“ war ein voller Erfolg, die Firma und das Sortiment konnte erweitert werden: Magenbrot, Lebkuchen „Mohrekepp“ und „Trauth’s Kindernahrung“, die vor allem während des zweiten Weltkrieges eine Rolle spielte. Die Söhne Otto und Robert traten ins Geschäft ein. Mit 25 Beschäftigten im Jahr 1939 war Trauth neben den Zigarrenfabriken ein bedeutender Arbeitgeber in Herxheim. Die Bäckerei und der Laden wurden weiterbetrieben.

In den frühen 1950er Jahren erneuerte man die maschinelle Ausrüstung der Fabrikation, 1951 gab es bereits 85 Beschäftigte, darunter viele Frauen. Der Lebensmittelladen entwickelte sich zum ersten Selbstbedienungsladen REWE in Herxheim. In ihm wurden leicht beschädigte Mohrenköpfe billig verkauft, „A Dutt voll Mohrekepp fer än Mark“. Ansonsten wurde die Produktion mit eigenen LKW in ganz Süddeutschland an Lebensmittelgeschäft und Markthändler verkauft. Die Produktpalette erweiterte sich: Lebkuchenherzen, -brezeln, -sterne mit individuellem Dekor, Magenbrot, Schokoladenhasen, Schokoladennikoläuse, Schaumzigarren, Schaumbananen, Sportwaffeln. Und natürlich „Negerküsse“ – wie man sie jetzt nannte - für besondere Anlässe in schrilles Stanniolpapier gewickelt.

Die Umstellung von Fettglasur auf Schokoladenglasur erforderte weitgehende Umstrukturierungen im Produktionsablauf. Die Entwicklung des Einzelhandels weg von kleineren Lebensmittelläden zu großen und noch größeren Supermarktketten brachte die Süßwarenfabrik ab den 1970er Jahren immer wieder in Krisen. Um große Ketten zu beliefern, war die Produktionskapazität zu klein, andererseits brachen langjährige Abnehmer weg.

Marie-Luise Trauth, die Tochter von Robert und Liesel, die 1968 als Lehrmädchen begann, erkannte die Zukunftsfähigkeit des Direktverkaufs. Als sie 1986 Inhaberin der Firma Eugen Trauth & Söhne wurde, stellte sie den Vertrieb mit eigenen LKW ein und baute die ehemalige Garage zum heutigen Ladengeschäft um. Der Erfolg gibt ihrem Konzept recht. Die Herxheimer Schokoküsse habe wegen ihrer Qualität einen sehr großen Liebhaberkreis.

Eigentümer: 
Marie-Luise Trauth
Quellen: 
  • Rosa Tritschler, Vom Brot zum Magenbrot zum Schokokuss
  • 100 Jahre Eugen Trauth&Söhne Ein Herxheimer Firmenjubiläum 1911-2011 in Herxheimer Heimatbrief 2011
Autor/in: 
Barbara Ritter auf den Grundlagen von Rosa Tritschler