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Siedlung der Chemischen Fabrik Rheinau in Mannheim

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Siedlung der Chemischen Fabrik Rheinau, Posthornweg 9, Haustyp II (Foto FB 61, Norbert Gladrow ca. 2010)
Siedlung der Chemischen Fabrik Rheinau, Posthornweg 11a, Haustyp II (Foto: FB 61 Norbert Gladrow um 2010)
Siedlung der Chemischen Fabrik Rheinau, Relaisstr. 156/Karlsruher Str 2, Haustyp I (Foto FB 61 Norbert Gladrow um 2010)
Siedlung der Chemischen Fabrik Rheinau, Relaisstraße/Posthornweg, Lageplan 1921
Siedlung der Chemischen Fabrik Rheinau, Relaisstraße-Posthornweg, Grundrisse und Ansichtszeichnungen 1921

In zwei Bauphasen wurden sieben Backsteinhäuser mit insgesamt 28 Wohnungen errichtet. Von den Gebäuden stehen heute noch drei. Der Typ I (Baujahr 1873), der auf die Chemische Fabrik Rheinau zurückgeht, ist nur noch mit einem einzigen Beispiel vertreten. Hierbei handelt es sich um das später verputzte und im mediterranen Stil farblich gefasste Haus Relaisstraße 156. Vom Typ II (Baujahr 1892, nach Übernahme des Unternehmens durch die Chemische Fabrik Rhenania) sind zwei Häuser erhalten: Posthornweg 9 und 11. Die Siedlung wurde nach dem Mühlhausener Modell errichtet. Ein Baukörper ist aufgeteilt in vier Wohnungen, wobei jede Wohnung einen eigenen Zugang hat und über Räume im Erd- und Obergeschoss verfügt. Durch die Anlage der inneren Brandwände bildet sich ein Kreuz heraus, weshalb dieses Modell als Kreuzschema bezeichnet wird. Der ältere Haustyp ist mit ca. 60 qm etwas kleiner als der jüngere mit ca. 65 qm. In der Siedlung kamen ausschließlich Dreizimmer-Wohnungen mit Küche zur Ausführung. Die Toiletten lagen im Außenbereich. Die Konzeption von 1873 sieht einen direkten Zugang von außen in die Wohnküche vor. Von dieser gelangt man in das ebenerdig liegende Wohnzimmer bzw. über eine schmale Stiege nach oben in die Schlafräume. Diese Erschließung wurde 20 Jahre später modernisiert. Nun betritt man zunächst ein Treppenhaus, von dem die Küche und ein gefangener Wohnraum abgehen bzw. der Weg zu den Schlafzimmern im Obergeschoss führt. Interessant ist, dass nun der Küchenraum zugunsten der Stube verkleinert ist.

Zu jeder Wohneinheit gehörte ein großer Nutzgarten sowie ein Kleintierstall. Dieser stand direkt an der Grundstücksgrenze, so dass auch dieser Baukörper insgesamt aus vier Ställen zusammengefügt war. Im Kreuzungspunkt von vier Gärten lag der gemeinsam genutzt Brunnen.

Nutzung (ursprünglich): 

Werkswohnungen

Nutzung (derzeit): 

Wohnungen

Geschichte: 

Lange vor der Eingemeindung des ursprünglich zur Seckenheimer Gemarkung gehörenden heutigen Stadtteils Rheinau entstand 1873 durch die Chemische Fabrik Rheinau eine Siedlung mit fünf Wohnhäusern nach Mühlhausener Modell. Im elsässischen Mühlhausen war Mitte des 19. Jahrhunderts eine vorbildliche Arbeitersiedlung entwickelt worden, deren Charakteristikum die sogenannten Kreuzhäuser sind. Die Entwürfe zur Rheinauer Anlage lieferte der Schwetzinger Baumeister Wipfinger. Die Chemische Fabrik Rheinau war im selben Jahr als Aktiengesellschaft gegründet worden, gab dem Ortsteil seinen Namen und hatte ihren Firmensitz in der heutigen Mülheimer Straße. Die Gründungsväter waren Max Dinkelspiel, Rudolf Haas, Wilhelm Köster, Wilhelm Kopfer und Jakob Nauen. Das Unternehmen stellte Soda, Düngesalze, Pottasche und sonstige chemische Produkte her. Nachdem das Industrieunternehmen im Jahre 1887 von der Chemischen Fabrik Rhenania (Aachen) übernommen wurde erweiterte die Mannheimer Baufirma F. & A. Ludwig die Arbeitersiedlung im Jahre 1892 mit zwei zusätzlichen Gebäuden nach eigenen Entwürfen. Im Jahre 1912 erwarb die Chemische Fabrik Theodor Goldtschmidt AG die gesamten Werksanlagen und teilte die Wohngebäude später in Einzeleigentum auf.

Eigentümer: 
Privateigentum
Erbauer: 
Chemische Fabrik Rheinau sowie Chemische Fabrik Rhenania
Architekt: 
Wipfinger (Schwetzingen); F. & A. Ludwig (Mannheim)
Bauzeit / Umbauten: 
1873-1892
Baubestand: 

Von den ehemaligen sieben Kreuzhäusern stehen heute nur noch drei Gebäude.

Quellen: 
  • Roland Eisenlohr: Das Arbeitersiedlungswesen der Stadt Mannheim, Karlsruhe 1921
  • Monika Ryll: Das Arbeitersiedlungswesen in Mannheim, in: Mannheim und seine Bauten, Bd. 5, Mannheim 2005, S. 106.115
  • www.albert-gieseler.de
Autor/in: 
Monika Ryll