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Tattersall Straßenbahn-Wartehalle in Mannheim

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Im Süden wurde die Halle erweitert
Die offene Tattersallwartehalle in ihrer ganzen Länge
Die genieteten Dachträger weisen auf die Bauzeit hin
alte genietet Eisenträger und neue geschweiste
Kontrastreiche Fassadengestaltung
Eisenträger

Etwas heruntergekommen und „zeit- und schmucklos“ sieht die langgestreckte, offene Wartehalle mit den abgerundeten Ecken aus. Das Flachdach wird von unverkleideten Stahlstützen getragen, die meisten davon sind genietet und nicht verschweißt. Genau das lässt auf ihre Entstehungszeit schließen: im April 1928 wurde die im Bauhausstil errichtete Wartehalle eröffnet. Schon damals waren die drei Gebäudeelemente – Kiosk, Fahrkartenverkauf und Wartehalle – mit Keramikplatten verkleidet. In den 50er Jahren wurde das Ensemble im Süden um einige Meter verlängert. Man erkennt an den geschweißten Stützen den Anbau unschwer. In Mannheim gibt es sonst keine individuell gestalteten Straßenbahnstationen mehr. Die im Stil der neuen Sachlichkeit ebenfalls von Zizler gebaute Wartehalle in der Waldhofstraße existiert nicht mehr. Der Betriebshof der städtischen Straßenbahn in der Collinistraße, ein in prunkvoller Turm- und Giebelarchitekur um 1900 ausgeführtes Gebäudeensemble, das in großen Teilen sogar den Weltkriegen standhielt, wurde 1971 zugunsten des Collinicenters abgerissen.

Nutzung (ursprünglich): 

Straßenbahnwartehalle

Nutzung (derzeit): 

Straßenbahnwartehalle

Geschichte: 

Der erste Mannheimer Bahnhof stand von 1840 bis ca. 1875 in etwa an dieser Stelle. (Bilder und Geschichte auf dem „Stadtpunkt” im Downloadbereich). Er wurde nach dem Bau des neuen (heutigen) Bahnhofs (1871-76) aufgegeben. Planungen für eine Wartehalle an dieser Stelle für die Straßenbahnlinie nach Süden gab es bereits seit 1908, zustand kam ein aufwändiges Backsteingebäude jedoch erst 1922. Dieser Neubau wurde bereits fünf Jahre später wieder abgerissen, als es der Neuverlegung der Gleise im Weg stand. Dass das 1928 erbaute Wartehaus bis in die heutige Zeit überdauert hat, ist ausgesprochen bemerkenswert.

Zum Namen „Tattersall”: Tattersall bezeichnet ein Unternehmen zur Unterbringung und Pflege fremder Pferde, auch dem Verleih und Verkauf von Pferden. Häufig wird der Begriff synonym für Reitbahn oder Reithalle benutzt. (Wikipedia)

Erbauer: 
Hochbauamt der Stadt Mannheim
Architekt: 
Josef Zizler
Bauzeit / Umbauten: 
1928
Quellen: 
  • Mannheim und seine Bauten 1907 -2002, Band 4, Herausgegeben vom Stadtarchiv Mannheim und Mannheimer Architektur und Bauarchiv e.V.,
  • Artikel von Andreas Schenk und Kurt Dusch, S. 46 Dr. Susanne Schlösser: "Stadtpunkt" des Stadtarchivs Mannheim
Autor/in: 
Barbara Ritter