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Wasserhäuser bei Guntersblum

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Wasserhaus Guntersblum
Wasserhaus Guntersblum - Detail
Wasserhaus Guntersblum - Detail
Wasserhaus für Dienheim (Foto Ritter)
Wasserhaus von Ludwigshöhe (Foto Ritter)
Wasserhaus für Dienheim (Foto Ritter)
Detail des Wasserhauses für Uelversheim (Foto Ritter)
Detail des Wasserhauses für Uelversheim (Foto Ritter)
links im Hintergrund das Wasserhaus von Uelversheim, vorne das Stahlgerüst für die Weinbergschützen (Foto Ritter)
Wasserhaus von Einsheim (Foto Ritter)
Wasserhaus Eimsheim um 1907 (Foto aus Boehmer, Die Wasserversorgung des Rhein-Selz-Gebietes 1907)
Zeitgenössisches Bild vom Wasserturm in Winterheim (Foto um 1907, aus 100 Jahre Wasserversorgung in Rheinhessen, S. 66)
Einweihung des Haupthochbehälters 1907 (Wasserturm Wintersheim) Foto aus: 100 Jahre Wasserversorgung Rheinhessen S. 82
Plan des unterirdischen Wasserbehälters beim Wasserturm von Wintersheim (aus: Boehmer, Die Wasserversorgung des Rhein-Selz-Gebietes)
Detail des Wasserturm bei Wintersheim (Foto Ritter)
Eingang zum Wasserturm von Wintersheim (Foto Ritter)
Moderner Hochbehälter der WVR neben dem Wasserturm von Wintersheim (Foto Ritter)

Man findet in Rhein-Hessen eine Vielzahl von auffallend schön gestalteten kleinen Gebäuden am Wegesrand, viele davon etwas abseits der Straßen. Oft sind sie wie kleine Tempel  oder Kapellen etwas erhöht und außerhalb des Dorfes gelegen. Auf der Rückseite sind sie mit einem Grashügel bedeckt.  Es geht hier um „Wasserhäuser“ oder noch technischer ausgedrückt: um „Wasserbehälter“. Genau so steht es - in Stein gehauenen  Jugendstillettern – samt Baujahr auf jedem dieser Bauwerke. Sie gehörten zu Wasserversorgung des  Rhein-Selz-Gebietes, die zwischen 1906 und 1907 unter der Leitung von Baurat Bruno von Boehmer und Architekt  Wilhelm Lenz eingerichtet wurden. Sie stehen unter Denkmalschutz, einige sind jedoch nicht mehr in Betrieb. Ihre Geschichte ist ausführlich beim Objekt "Pumpwerk Guntersblum" beschrieben.

Fast alle haben  moderne funktionale Metalltüren mit robusten Schlössern, die ziemlich sicher erst seit wenigen Jahrzehnten die bauzeitlichen Metalltüren ersetzen. Außerdem sind sie in der Regel von einem mehr oder weniger aufdringlichen Zaun umgeben. Die Einzäunung ist wohl tatsächlich schon zur Bauzeit vorgenommen worden. Die Wasserhäuser sind deshalb nur aus einer  Entfernung von 3-5 Metern zu betrachten.

Die Türe führt in der Regel zu einem Vorraum, von dem aus es ein Stockwerk tiefer zu den Druck- und Entnahmeleitungen geht, die in den Wasserbehälter führen, bzw. aus ihm heraus. Der Wasserbehälter ist in der Regel aus Stampfbeton, die Decke aus armiertem Eisenbeton und von der Oberfläche her mit einer dicken Erdschicht geschützt. Die von außen sichtbaren Bauteile der Wasserbehälter sind oft aus hellem Sandstein, der in Flonheim gebrochen wurde, gearbeitet. Das Dach ist in der Regel mit Titan-Zinkblech eingedeckt.

Guntersblum

Wasserhaus GuntersblumDer Wasserbehälter von Guntersblum liegt  nordwestlich des Ortes an der L 437, linkerhand der Landstraße nach Uelversheim oder Eimsheim.
Er ist einer der wenigen Häuser mit rundem Grundriss und rundem Kuppel-Dach. Vier eckige Säulen bilden einen offenen Vorraum. Zwischen den Säulen sind im oberen Bereich Steinplatten angebracht, die so behauen sind, dass sie fast wie gewebt wirken. Das viel fotografierte Motiv gilt als eines der schönsten Wasserhäuser dieses Gebiets. Der Behälter fasst 255 m3 und wurde 1906 errichtet. Höhe 141 m über NN.

Google-Koordinaten: 49.801574, 8.332559

Ludwigshöhe

Wasserhaus LudwigshöheDer 1907 gebaute Wasserbehälter Ludwigshöhe hat eine quadratische Grundfläche und fasst nur 85 m3. In einer Höhe von 121 m über NN liegt er am Südrand des Dorfes, mitten in den Weinbergen, umgeben von einer Baumgruppe. Man kann ihn auf der Anhöhe links der K40 zwischen Guntersblum und Ludwigshöhe leicht erkennen. Einen direkten Zugang hat man nur über einen Feldweg westlich des Ortes Ludwigshöhe. Eine Treppe führt zur Eingangstür, die von mächtigen halbrunden Wänden optisch fast erdrückt wird. Das Dach ist beeindruckend, wirkt aber etwas überdimensioniert.

Google-Koordinaten: 49.815343, 8.341409

Dienheim

Wasserhaus DienheimSüdlich von Dienheim, an der Einmündung der K 41 (aus Richtung Uelversheim) auf die K 40 steht ein weiterer Wasserbehälter. Er ist auf einem kleinen Hügel mit Betonfundament und Maschendrahtzaun errichtet. Er ist umgeben von viel Efeu, fast wie in einem verwilderten Garten. Auch dieses Wasserhaus hat einen quadratischen Grundriss mit abgerundeten Ecken zu Front und ein etwas unförmiges Dach. Der Wasserbehälter fasst 120 m3 und liegt in einer Höhe von 118 m.

Google-Koordinaten: 49.827505, 8.346720

Uelversheim

Wasserhaus UelversheimUelvesheim liegt im „bergigen“ Rhein-Hessen. Sein Wasserbehälter wurde 1906 inmitten des Weinbaugebietes auf 217 m über NN auf quadratischem Grundriss  gebaut. Er fasst 145 m3. Im Eingangsbereich zieht sich ein Rundbogen über der Tür hoch bis ins Dach hinein, rechts und links bilden angedeuteten Säulen einen abgerundeten Anschluss der Frontseite. Das Dach wirkt leicht und zurückgenommen.
Man findet das Wasserhaus an der L 437 Richtung Gutersblum östlich des Ortes Uelversheim. Bei einem Park- und Rastplatz geht es ca. 100 Meter auf einem Feldweg rechts in die Weinberge.

Ganz in der Nähe steht ein hohes von Ranken bewachsenes Metallgerüst mit einer überdachten Plattform. Von dort oben aus vertrieben früher die Wingertschützen die räuberischen Vogelschwärme aus den reifenden Trauben. Hier hatten sie den Überblick über die flachen Hügel der Hochebene und schossen mit Schwarzpulver in die Luft. Man sieht diese Gestelle immer wieder in der Gegend. Seit einigen Jahren kommen in der Reifezeit der Trauben jedoch sog. „Schreier“ zum Einsatz, das sind kleine Apparate, die Panikschreie von Vögeln so gut imitieren, dass die Schwärme dieses Gebiet meiden.

Google-Koordinaten: 49.806321, 8.296133

Eimsheim

Wasserhaus EimsheimDer Wasserbehälter südlich von Eimsheim fasst 250 m3 und liegt auf einer Höhe von 219 m über NN unmittelbar an der Landstraße K 41 zwischen Eimsheim und Wintersheim. Mit seinem Dreiecksgiebel, der sich über der Tür noch einmal gestalterisch wiederholt, wirkt er ganz ausgefallen. Das Dach ist von vorne nicht zu sehen. Die Gliederung der Fassade wirkt antik inspiriert. Von der fast sakralen Stimmung der Architektur bleibt allerdings angesichts der Umgebung wenig übrig.

In unmittelbarer Nähe des Behälters steht ein martialischer Sendemast mit drei tellerartigen Etagen und mehreren modernen Gebäuden. Nicht weit entfernt drehen sich mehrere Windräder in den Feldern. In Sichtweite ist auch den Wasserturm von Wintersheim. Dieser Hochbehälter ist nicht mehr in Betrieb.

Google-Koordinaten: 49.789937, 8.288324

 

„Der Wasserturm“ Haupthochbehälter II Wintersheim

Wasserturm vom WintersheimMit 231m über NN liegt der  Haupthochbehälter II 600 m nördlich von Wintersheim am höchsten Punkt der gesamten Gruppenwasserversorgung des Rhein-Selz-Gebietes (der Haupthochbehälter I steht westlich von Hangen-Wahlheim). Hier her wurde vom Guntersblumer Pumpwerk das Wasser gepumpt und floss dann in die örtlichen Wasserbehälter. Mit dem Pumpwerk war er durch eine elektrische Wasserstandsfernmeldeanlage verbunden. Aufzeichnung der wechselnden Wasserstände besorgte ein selbsttätiger Registrierapparat. Heute ist dieser Hochbehälter nicht mehr in Betrieb.

Der Hochbehälter ist als 18 Meter hoher quadratischer Turm gestaltet. Das Wasser befand sich jedoch in den unterirdischen Wasserbehältern von 1000 m3 . Es handelt sich also nicht um einen klassischen Wasserturm mit einem Wasserbehälter im „Kopf“ des Turmes, sondern um reines "Zierwerk". Schließlich wurde dort die gesamte Wasserversorgungsanlage des Rhein-Selz-Gebiets im Oktober 1907 feierlich eingeweiht. Seine massive Form erinnert stark an sogenannte Bismarcktürme, die um 1900 an vielen Orten Deutschlands als Feuertürme oder Aussichtstürme in Mode kamen.

Er wird als „Aussichtsturm mit Balkon und Aussichtsplattform“ beschrieben. Allerdings ist er seit Jahren völlig unzugänglich. Eine Besichtigung ist nicht möglich. In der Aussichtsplattform sind offensichtlich Funkantennen angebracht. Der Turm ist von hohen Bäumen, einer dichten Hecke und massiven Gittertüren umgeben, die selbst einen Blick auf den üppig ausgearbeiteten Eingang fast verdecken.

Doch schon bei der Einweihung des Turmes im Jahr 1907 war das Areal mit einem banalen, lieblosen Zaun umgeben, der im krassen Gegensatz zur opulenten Ausstattung des Turmes steht. Den vielgepriesenen „weiten Blick über das rheinhessische Hügelland und die Rheinebene“ (einschließlich der Kühltürme des Atomkraftwerks Biblis) hat man übrigens auch vom Straßenniveau aus. In der Gemeinde Wintersheim wird jedoch darüber nachgedacht, den Turm für den Tourismus wieder zu öffnen, ihn gar als "Weinturm" zu vermarkten.

Neben dem Turm hat die WVR Wasserversorgung seit den 1970er Jahren bis 1996 weitere moderne Wasserbehälter und Anlagen gebaut. Sie sind in unauffälligen weißen Flachbauten untergebracht und können Sie können im Rahmen des Wintersheimer Weinwandertages (am ersten Sonntag im September) in der Regel besichtigt werden.

Google-Koordinaten: 49.784352, 8.282570

Nutzung (ursprünglich): 

Wasserhochbehälter

Nutzung (derzeit): 

Wasserhochbehälter

Geschichte: 

Die Geschichte der Wasserversorgung des Rhein-Selz-Gebietes ist bei der Objektbeschreibung des Pumpwerks in Guntersblum ausführlich dargestellt.

Erbauer: 
Wasserversorgung des Rhein-Selz-Gebietes
Architekt: 
Baurat Bruno von Boehmer und Architekt Wilhelm Lenz
Bauzeit / Umbauten: 
1906/7
Quellen: 
  • Webseite von Regionalgeschichte Rheinhessen
  • Webseite von Winterheim, abgerufen im Februar 2016
  • Wikipedia zum Wasserturm von Wintersheim abgerufen am 19.2.2016
  • Bruno von Boehmer: Die Wasserversorgung des Rhein-Selz-Gebietes, 1907
  • 100 Jahre Wasserversorgung Rheinhessen GmbH, Beiträge zur Natur, Geschichte und Entwicklung, HG. Wasserversorgung Rheinhessen GmbH, 2003
  • Von der Autobahnbrücke bis zur Ziegelei, Zeugnisse aus Technik und Wirtschaft in Rheinland-Pfalz, Hg. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, 2014
  • Broschüre: Rundgang durch das historische Pumpwerk Guntersblum, Hg. WVR
  • Wikipedia über Bruno von Boehmer, abgerufen 14.2.2016
Autor/in: 
Barbara Ritter