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Westendsiedlung in Ludwigshafen

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Doppel-Eckhaus mit Laden und Gastronomie
Durchblick von der Westendstraße entlang der Bahnhofstraße
Bahnhofstraße mit Uhr und Tor
Balkone sind auf der Innenhofseite für jede Wohnung angebaut
Modernisierter Eingang und Sozialarbeit vor Ort
Die Uhr der Westendsiedlung ist original erhalten.
Westseite der Westendstraße
Hauseingang fast im Originalzustand
Querstreifen durch rote senkrechte Fugen. LSR. zeigt den Eingang zum Luftschutzraum

In der Friedrich-Lux-Straße ist der Charakter der Westend-Siedlung noch am besten erhalten. Hier sind die Häuser quergestreift und wirken geradezu spartanisch, aber gleichzeitig extrem modern und stylisch. Diese Häuserzeile ist die südliche Seite eines großen Siedlungquadrats, das von der Bürgermeister-Kutterer-Straße, der Benckiser-Straße und der Westend-Straße gebildet wird. Die Bahnhofstraße führt mitten hindurch.

Alle Häuser sind fünfgeschossige Baublöcke aus rotem Backstein mit flachem Dachabschluss. Ihre strenge symmetrische Anordnung, die kubische Form und die sehr funktionale, schmuck- und schnörkellose Gestaltung vor allem der Fenster lassen den Einfluss der Bauhausarchitektur und des Expressionismus erkennen.

Die Westend-Siedlung wurde in den Jahren 1929 und 1930 von der Gemeinnützigen Aktiengesellschaft für Wohnungsbau unter der Leitung von Markus Sternlieb errichtet. Im Unterschied zu anderen etwa zeitgleich erbauten Siedlungen in Ludwigshafen sollte sie den „Bedürfnissen der werktätigen Bevölkerung mit geringem Einkommen“ entsprechen. Die Wohnungen waren sehr klein (um 50qm) und ohne Zentralheizung (wie z.B. die Ebertsiedlung). Sie waren zu ihrer Zeit dennoch mit hohem Komfort wie Bad und WC in den Wohnungen ausgestattet. Sie hatten niedrigere Stockwerke, was aber heute längst nicht mehr als ein Nachteil gilt.

Die einheitlich geplante und spiegelsymmetrische Anlage ist ursprünglich um den damaligen Messplatz gebaut worden. Die große - und vermutlich ohne Messe recht triste – Freifläche ist seit den 1950er Jahren mit zwei Wohnblocks (einer davon schon seit Ende der 1930er) bebaut und mit großen Bäumen begrünt. An der Kreuzung Bahnhofstraße / Bgm. Kuttererstraße lassen die verschachtelt wirkenden Eckbauten mit den pavillonartigen Geschäften und Gaststätten einen Platz entstehen.

Von hier aus sieht man gegenüber die riesige Uhr am oberen Rand der Westfront, die auch heute noch die genaue Uhrzeit anzeigt. Die Bahnhofstraße führt mit einem Tor durch die eigentlich geschlossene Westseite hinaus auf die Westendstraße.

Die Häuser wurden und werden in jüngster Zeit grundlegend saniert und renoviert. Zur Erhöhung des Komforts wurden Balkone an- und Doppelglasfenster eingebaut. Bei der Reinigung der Fassaden wurde allerdings auch die rote Einfärbung der senkrechten Stoßfugen zwischen den Backsteinen entfernt, wodurch der Eindruck der quer gestreiften Schichtung verloren ging. Diesen extrem arbeitsaufwändigen, aber genial wirksamen Fassadenschmuck sieht man nicht, wenn man nicht darauf hingewiesen wird. Er ist bei den Häusern der Lux-Straße erhalten und soll dort auch nicht entfernt werden.

Zur Zeit ihrer Errichtung war die Westendsiedlung tatsächlich am Rand von Ludwigshafen gelegen. Auch jetzt – obwohl innenstadtnah – ist die Wohngegend ruhig und beschaulich, hier wohnen keine betuchten Leute, und man hat hier den Eindruck, dass sie noch immer am „Ende“ der Stadt liegt.

Zum Namensgeber der Straße: Friedrich Lux (geb. 1854) begann 1880 als junger Chemiker beim Gaswerk der pfälzischen Eisenbahn-Gesellschaft, gründete 1882 seine eigene Fabrik "Lux", konstruierte mit Erfolg Messgeräte und plante und baute noch 1898 ein Auto mit Benzinmotor. Die Autoproduktion wurde 1902 eingestellt. Ein Fahrzeug der Marke Lux ist im Automuseum Dr. Carl Benz in Ladenburg zu besichtigen.

Nutzung (ursprünglich): 

Wohnsiedlung

Nutzung (derzeit): 

Wohnsiedlung

Eigentümer: 
GAG und privat
Erbauer: 
GAG Ludwigshafen am Rhein
Architekt: 
Unter der Leitung von Markus Sternlieb
Bauzeit / Umbauten: 
1929/30
Autor/in: 
Barbara Ritter