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Ziegelei Stubenrauch in Sondernheim

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vom Ufer aus
Exponate: Eine Sammlung von Schmuckziegeln
Ziegel für den Germerseimer Festungsbau mit eingeprägtem ST für Stubenrauch
 Der Ringofen ist begehbar
Wie zum Brand geschichtete Steine im Ringofen
Mit der Feldbahn zwischen den Trockenschuppen
Störche nisten auf dem Schornstein der ehemaligen Dampfmaschine
Trockenschuppen und Ziegelei
Idyllisch gelegen zwischen Rheinufer und Damm
Aus der Sumpfmulde (früher ohne Seerosen) wurde der vorbereitete Ton nach oben in die Strangpresse befördert.
Mehrere Feldbahn-Lokomotiven sind zu betrachten

Direkt am Rheinufer ragen die zwei Schonsteine der alten Sondernheimer Ziegelei in die Höhe. Der schmucklose große Backsteinbau ist ein alter Ringofen, dahinter sieht man die 35 erhaltenen Trockenschuppen in langen Reihen stehen, zwischen denen eine Feldbahn hindurch fahren kann. Ein kleines privates Museum mit vielen alten Maschinen und Gerätschaften zur Ziegelherstellung aus den letzten 100 Jahren ist im ehemaligen Verwaltungsgebäude untergebracht. Hier ist auch die Geschichte der Ziegelei dokumentiert.

Eine bemerkenswerte Stimmung herrscht an diesem idyllisch gelegenen Ort: Viele Winkel sehen wie eben noch benutzt aus, obwohl die Ziegelei seit über 30 Jahren ihren Betrieb eingestellt hat. Schwalben durchsegeln den Museumsraum, Störche haben ihr Nest auf dem Schornstein, der früher zur Dampfmaschine gehörte, Hühner gackern zwischen den Trockenschuppen. Die neuen Besitzer haben das Industriedenkmal liebevoll, mit viel persönlichem Engagement und gleichzeitig sachgerecht wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der Ringofen ist innen begehbar, ebenso die alte Schmiede und der überdachte Hof mit der Sumpfmulde zur Vorbereitung des Tons. Eine alte Strangpresse steht noch an ihrem Platz. Eine große Anzahl von Aufsätzen zur Herstellung unterschiedlichster Backstein-Formen hängen an der Wand. Ausgestellt sind auch viele historische Dachziegel, denen man die Handfertigung noch ansieht, etliche darunter sind so genannte Feierabendziegel mit persönlichen Kennzeichnungen durch die Arbeiter.

Auch die Feldbahnfreunde kommen voll zum Zuge. Mehrere historische Dieselloks sind zu bestaunen, eine davon im Einsatz bei der kleinen Rundfahrt durch das Gelände.

Nutzung (ursprünglich): 

Ziegelei

Nutzung (derzeit): 

Privates Museum mit Feldbahnbetrieb

Geschichte: 

1834 gründeten die Brüder Josef, Jan und Bernhard Stubenrauch auf dem Rheinufer südlich von Germersheim eine Ziegelei, die vor allem den lang anhaltenden Baumaterialbedarf für den Festungsbau in Germersheim befriedigte. Die mächtigen noch bestehenden Reste der Germersheimer Festung lassen erahnen, dass es hier um einen Großauftrag der besonderen Art ging. Tatsächlich handelt es sich um den letzten Festungsneubau (1834-1861) in Deutschland, zu einer Zeit also, in der andere Städte ihre Festungen selbst beseitigten. Sie wurde erst 1920-1922 (teilweise) geschleift, als eine Folge des Versailler Friedensvertrags.

Bis 1898 wurden Handstrichbacksteine in Feldbrandöfen hergestellt (obwohl die Stangenpressmaschinen bereits 1854 erfunden waren). Der Lehm wurde in den umgebenden Weiden des „Willig“ (eine durch die Rheinkorrektur entstandene Insel) gewonnen. Transportiert wurde der Rohstoff mit Ochsenkarren und Eseln, später mit einer Dampflokgetriebenen Feldbahn, zuletzt von Diesellok gezogen. Nach 1920 wurde Lehm aus dem in Baden gelegenen Rußheim mit einem Schiff angeliefert.

Nach der Umstellung auf maschinelle Fertigung 1898 baute die Ziegelei auch einen wesentlich effektiveren Rundbrandofen. Der erste Rundbrandofen (die nördliche 2/3 des Gebäudes) war noch mit Holz verspannt. In den 1960er Jahren wurde der Rundofen mit Stahlspannträgern erweitert, in gleicher herkömmlicher Grundbauart, obwohl dies bereits seit 30 Jahren nicht mehr der neuen Entwicklung entsprach (gängig wurden Tunnelöfen). Beheizt wurde der Ofen anfänglich mit Holz, dann Briketts, später Feinkohle und letztlich auf Öl umgestellt. Die Fertigungszeit verkürzte sich dadurch auf 10 Tage für einen Branddurchgang im Ringofen. Der Ringofen wurde 9 – 10 Monate im Jahr rund um die Uhr betrieben mit bis zu 60 Mitarbeitern im Betrieb.

Noch im Jahre 1950 wurde eine neue Steinpresse angeschafft. Die Anlage wurde erweitert um ein Bürogebäude, Trocknungskammern wurden beheizt durch die Ofenabluft des Ringbrandofens. Über 160 Jahre war die Ziegelei im Familienbesitz der Stubenrauchs, die letzten Besitzer waren Henri Stubenrauch und Karl Henge.

Im Jahr 1976 kam das endgültige Aus für die Ziegelei Stubenrauch, die damit die am längsten arbeitende Ziegelei im ganzen Umkreis war. Die Ziegelei wurde an das Land Rheinland Pfalz verkauft und beim Antrag auf Abbruchgenehmigung vom Landesdenkmalamt unter Schutz gestellt als seltene fast völlig erhaltene Ziegelbrennhütte. Seit 2000 ist die Ziegelei erneut in Privatbesitz und wird denkmalgerecht saniert, auch die bestehende Feldbahnanlage. Seit 2008 ist die Anlage als Museum zugänglich. Weitere Ausstellungen zu Fauna und Flora der Rheinauen sind geplant.

Eigentümer: 
Grundstücksgesellschaft Ziegelei in Sondernheim GbR
Erbauer: 
Brüder Josef, Jan und Bernhard Stubenrauch
Bauzeit / Umbauten: 
1834
Autor/in: 
Barbara und Heiner Ritter