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Altes Rhenania-Haus in Mannheim

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Das alte Rhenaniahaus in B6
Rhenania-Schriftzug über der Eingangstüre in Sandstein
Detail der Fassade (bitte vergrößern)
Rhenania-Werbung im Hafenführer1909 (Siehe Quellen) -bitte vergrößern!

Das „Rhenania-Haus“ mit seiner prächtig geschmückten Sandsteinfassade fällt in mitten der modernen Universitätsgebäude des Quadrats B6 als Kontrast ins Auge. Die Fakultät für Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsmathematik der Universität Mannheim, die dort untergebracht ist, hält den Namen, der sich als Schriftzug über der Eingangstür eingemeiselt findet, auch in ihren Adressangaben noch in Ehren.

Das viergeschossige, siebenachsige Gebäude steht auf einem roten Sandsteinsockel. Ansonsten ist die Fassade weitgehend mit gelbem Sandstein verkleidet. Das Dach ist nach Kriegsschäden verändert wiederaufgebaut. Der „Zwiebelturm“ und die Dachgauben entstammen erst dem Ausbau aus den 1980er Jahren. An dieser Fassade lässt sich ein halbes Lehrbuch der Stilkunde abarbeiten.

Die Fassade zeigt Anklänge an Neorenaissance und Neobarock: zahlreiche Vor- und Rücksprünge durch Risalt und Erker, mehrfach profilierte Gesimse. Das Erd- und das erste Obergeschoss sind vollflächig rustiziert, im 2. OG sieht man glatte Sandsteinverkleidung mit rustizierten dorischen Pilastern, im 3. OG glatte Sandsteinverkleidung mit gekuppelten ionischen Pilastern und vier Hermenpilaster (das sind die Figuren, die aus den Säulen erwachsen), unterhalb der Rundbogenfenster im 3.OG Baluster. Die Fenster im 1. und 2. OG haben eine Ohrenrahmung. Geschwungene Balkone sind getragen von reich verzierten Konsolen und haben schmiedeeiserne Geländer. Die Unteransicht der Balkone ist kassettiert. Der Balkon im 2.OG wird von ionischen Säulen getragen. Am Risalit (hervorspringender Gebäudeteil) sind Ziertafeln/Medaillons oberhalb der Fenster; am Erker Muschelmotiv oberhalb der Fenster. Traufe und Dachüberstand haben ein Konsolengesims. Innen ist das Haus modern und funktional. Nichts erinnert an die überbordende Fassade.

Nutzung (ursprünglich): 

Verwaltungsgebäude

Nutzung (derzeit): 

Universität, Seminarräume und Büros

Geschichte: 

Der Speditions- und Schifffahrtskonzern, dessen Name in Mannheim heute nur noch in der „Rhenaniastraße“ weiterlebt, hat das um 1875 gebaute Haus vermutlich erst um 1918 gekauft. Die allegorischen Figuren, die die Fassade schmücken, haben somit nichts mit der Firma zu tun. Vorher hatten hier Rechtanwälte ihre Kanzleien (Alexander von Harder), sowie eine Tapetenfabrik (Hinderer & Co) und ein Holzhandel (Carnap) ihr Niederlassung.

In seinem Buch „Die Entstehung des Rhenania-Konzern“ geht Hermann Hecht, der langjährige Vorstandvorsitzende und Generaldirektor nicht speziell auf diese Adresse als Firmensitz ein. 1957 gibt eine Werbeanzeige die Adresse B 6, 26 für den Sitz der Mannheimer Rhenania an.

Mitte der 1990er Jahre ging das Haus an das Land Baden Württemberg, das es mit den beiden angrenzenden Neubauten für den damaligen Lehrstuhl Technische Informatik nutzungsmäßig verband. Die neuen Gebäude des Quadrats B6 wurden am 13.05.2005 eingeweiht. Die Geschichte des Schifffahrts- und Speditionskonzerns Rhenania hat in Mannheim einige weitere Spuren hinterlassen, wie z.B. im Industriehafen ein großes Lagergebäude. Dieses 1910/11 erbaute Silo und Lagerhaus war zur Bauzeit das modernste am ganzen Rhein. Es ist teilweise original erhalten. Viele der ehemaligen Standorte sind jedoch restlos getilgt. So wurde der erste Standort der Rhenania am Verbindungskanal 9a und 10, linkes Ufer, 1941 durch einen Luftangriff völlig zerstört. Hermann Hecht wohnte in einer prächtigen Villa am Oberen Luisenpark Nr. 15, das von dem bekannte Architekten Plattner gebaut worden war. Auch dieses Haus exisitert nicht mehr.

Eigentümer: 
Land Baden Württemberg
Bauzeit / Umbauten: 
um 1875
Quellen: 

Albert Gieselser: Webseite zu Rhenania

Der Mannheimer Hafen, Hrg: Südwestwerbung GmbH Mannheim

Hermann Hecht: Die Entstehung des Rhenania Konzerns, Die ersten dreißig Jahre. Mannheim 1983; herausgegeben aus Anlass des 75 jährigen Jubiläums der Rhenania; Herrmann Hecht hat seine Erinnerungen 1940 im schweizer Exil geschrieben.

Roland Ulsenheimer: Die Geschichte der Rhenania-Gruppe (MS 1947, Denkmalakte Stadt Mannheim)

Autor/in: 
Barbara Ritter, Monika Ryll